Walder & Meyer Über iPad, iPod, iPhone und junge Leute, die trotzdem leben

  • Publiziert: 08.08.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
play Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
Frank A. Meyer, 66, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. (Geri Born / Illustration: Igor Kravarik)

Marc Walder: Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, haben Sie schon ein iPad?
Ja, seit etwa drei Wochen.

Und wofür nutzen Sie diesen handlichen Mobilcomputer?
Handlich? Er wiegt siebenhundert Gramm. Aber gut, dass Sie fragen: Ich habe offen gestanden keine Ahnung, was ich damit soll.

Ich bearbeite auf dem iPad E-Mails, lese den BLICK und andere Zeitungen und beschaffe mir ganz allgemein damit Informationen im Internet.
Für E-Mails habe ich den Blackberry. Er wiegt etwa fünfzig Gramm. Fürs Zeitunglesen hab ich Zeitungen, die sind genauso leicht. Sie aber auf dem iPad zu lesen, ist umständlich: Jeder Text muss einzeln herbeigeholt und vergrössert werden. Der Touchscreen wird durch das ständige «Touchen» unappetitlich wie eine Banknote. Technisch ist das iPad schon faszinierend, aber im Grunde ist es ein Ungetüm.

Die Generation, die gerade erwachsen wird, sieht das anders!
Zu dieser Behauptung empfehle ich Ihnen den Artikel «Null Blog» im «Spiegel»: Seriöse Studien haben ergeben, dass die heranwachsende Generation die Möglichkeiten des Internets zwar nutzt, dem digitalen Angebot aber keineswegs verfallen ist.

Wie meinen Sie das?
Der Traum vom «Digital Native», also vom neuen Menschen, der ins digitale Zeitalter hineingeboren ist, erfüllt sich nicht. Sogar die ganz Jungen ziehen das wirkliche Leben der Virtual Reality vor.

Das scheint mir noch nicht sehr überraschend ...
... es ist immerhin überraschend für alle, die unsere Jugend bislang an den Bildschirm gefesselt sahen: ständig am Herunterladen von Filmen, Musik und Games, Tag und Nacht bloggend, Minute für Minute twitternd, mit Freunden nur noch per Facebook in Kontakt – was Papier ist, wissen sie längst nicht mehr. Doch dieses Bild ist völlig verzerrt. Die im «Spiegel» zitierten Studien zeigen auch, dass die sogenannte Netz-Jugend mit den neuen Medien nicht einmal besonders virtuos umgeht. Sie nutzt sie einfach nur als ein Angebot unter vielen.

Die Printmedien, insbesondere die Tageszeitungen, verlieren weiter an Bedeutung. Das werden Sie ja nicht abstreiten.
Doch, das streite ich ab: Richtig ist, dass Auto- oder Stellenanzeigen in Internet-Kanäle abwandern. Die Leser aber tun das nicht. Gut gemachte Zeitungen wie BLICK oder NZZ behaupten sich weiter im Markt. Zweitens hat die junge Generation auch zu meiner Zeit kaum Zeitung gelesen. In der Rekrutenschule 1964 in der Kaserne Bern war ich unter den Kameraden bekannt als «der mit den Zeitungen» – als absoluter Exot. Drittens haben in diesem Land nie so viele Menschen Zeitung gelesen wie heute. Wäre es so, wie die Internet-Imame predigen, würden die jungen Menschen in der S-Bahn und im Tram über ihre Bildschirme gebeugt sitzen. Aber was tun sie? Am Morgen lesen sie «20 Minuten» und ab 16 Uhr den «Blick am Abend».

Die Absatzzahlen von iPhone und iPad sind eindrücklich!
Spielzeug verkauft sich seit jeher gut. Vor allem, wenn ihm eine gewisse Nützlichkeit nicht abzusprechen ist. Doch die Medienrevolution, mit der unsere ganze Gesellschaft umgepflügt werden soll, findet nicht statt. Wir Multiplikatoren machen uns mit dem Hurrageschrei für jede digitale Neuheit zu Marketing-Handlangern der Steve Jobs dieser Welt.

Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland

Frank A. Meyer, 66, arbeitet als Journalist im Hause Ringier

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