Zum Schluss Über gute Schulen, teure Schulen und das beste Schulsystem

  • Aktualisiert am 19.01.2012
Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
Frank A. Meyer, 66, arbeitet als Journalist im Hause Ringier.- Geri Born / Illustration: Igor Kravarik

Marc Walder: Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, was halten Sie von der Forderung, dass Eltern die Schule ihrer Kinder frei wählen können sollen? Das wird ja derzeit wieder viel diskutiert.
Die Forderung ist reine Augenwischerei: Wäre die Wahl der Schule frei, würden nicht alle Eltern die Schule für ihre Kinder frei wählen können, sondern nur wohlhabende oder reiche Eltern.

Genau dies, sagen die Initianten, sei gar nicht ihre Absicht...
...das sagen sie, weil es gut tönt. Aber private Schulen kosten Geld, manche sogar viel Geld, einige sogar sehr viel Geld. Was man wirklich will, sind Schulen für Privilegierte.

Die Schulwahl-Initiative der «Elternlobby Schweiz» verlangt, dass der Staat diese privaten Institute finanziert.
Das ist das Gipfel der Anmassung! Der Staat soll die Finanzierung von Schulen sicherstellen, die dann als privates Geschäft betrieben und besonders exklusiv ausgestattet werden, um den Bedürfnissen einer bestimmten Schicht zu genügen.

Was haben Sie dagegen, dass Eltern für ihre Kinder die beste Schule aussuchen, die sie sich leisten können?
Die öffentliche Schule ist eine Errungenschaft des freisinnigen Staates. «Freisinn» im Wort-Sinn, nicht im Partei-Sinn. In den öffentlichen Schulen begegnen sich Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Herkunft. Die öffentliche Schule wirkt integrativ. Arme und reiche Kinder, Schweizer und Ausländerkinder, Stadtkinder und Landkinder lernen einander kennen, lernen miteinander Ziele zu erreichen. So entsteht in frühester Jugend das Selbstverständnis einer gemischten, einer multikulturellen, einer toleranten Gesellschaft.

Und das alles, Frank A. Meyer, sehen Sie gefährdet?
Es geht den Kreisen, die freie Schulwahl fordern, um Exklusivität: Man will unter sich sein. Und die eigenen Kinder sollen ebenfalls unter sich sein. Letztlich will man einen Staat à la carte: Jedem den Service public, den er sich leisten kann. Dieses Denken ist Ausfluss der neoliberalen Ära, die gottlob gerade zu Ende geht.

Aber es steht doch fest, die Pisa-Studie zeigt es Schwarz auf Weiss: Die Schweizer Schulen haben an Qualität verloren.
Auch das ist eine Folge des seit Jahren grassierenden marktradikalen Denkens: Der Staat wurde immer weiter zurückgedrängt. Nun fehlt das Geld für ein grosszügiges, öffentliches Schulsystem. Es wäre nur logisch, hier wieder zu investieren. Und zwar massiv. Stattdessen will die Privatschul-Lobby noch zusätzlich Geld für ihre elitären Schulen abzweigen.

Ja, brauchen wir denn keine Elite?
Was sich seit einer Generation als Elite gebärdet, hat gerade jämmerlich versagt. Wir brauchen gebildete junge Menschen, die nicht nur auf Karriere, Kohle, Kaste schielen, sondern das Gemeinwohl im Blick haben. Das lernen sie an der öffentlichen Schule.

Ihre Meinung interessiert uns: Darf der Staat private Schulen finanzieren? Diskutieren Sie hier mit anderen Lesern.

Marc Walder, 43 (l.), ist Geschäftsführer von Ringier Schweiz

Frank A. Meyer, 65, arbeitet als Journalist im Hause Ringier

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