Walder & Meyer Über Guido, Angela und Frank-Walter

  • Aktualisiert am 19.01.2012
Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
Frank A. Meyer, 66, arbeitet als Journalist im Hause Ringier.- Geri Born / Illustration: Igor Kravarik

Marc Walder: Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, der Chef der deutschen FDP, Guido Westerwelle, will Aussenminister werden. Sie kennen sich doch in Deutschland aus: Kann er das?
Er kann das bestimmt.

Bisher hat man «Guido» nicht besonders ernst genommen…
Zu Unrecht. Er ist ein brillanter Rhetoriker, sehr intelligent, ungewöhnlich schnell im Denken.

Kommt es zu einer schwarz-gelben Koalition von FDP und CDU/CSU?
Westerwelles Chancen stehen nicht schlecht. Die Sozialdemokraten und die Grünen stagnieren. Nur Lafontaines Linke profitiert von einem verunglückten Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. Noch steht Angela Merkel wie ein Fels in der Brandung, fest und unerschütterlich. Allerdings auch genauso stumm.

Bleiben wir bei der Kanzlerin: Wie beurteilen Sie Merkel nach vier Jahren als Regierungschefin?
Sie ist im letzten Wahlkampf mit einem für deutsche Verhältnisse geradezu neoliberalen Programm angetreten. Heute politisiert sie eher links, fast schon sozialdemokratisch. Die Frage ist: Wohin bewegt sie sich, wenn sie mit der FDP kutschieren muss? Westerwelle hat schon erklärt, unter dem Einfluss seiner Partei werde sie sehr rasch wieder dort sein, wo sie vor vier Jahren stand.

Merkels Stellvertreter Frank-Walter Steinmeier ist als Kanzlerkandidat gleichzeitig ihr grösster Gegner. Was halten Sie von ihm?
Im Gegensatz zu Merkel ist Steinmeier kein ausgeprägter Machtpolitiker. Für ihn sind Inhalte massgebend, sein «Deutschland-Plan» sagt, wofür er steht: für eine ökologisch und technologisch orientierte Wirtschaftspolitik, die vor allem den Werkplatz fördert.

Sie bezeichnen Merkels Politik als sozialdemokratisch. Wie kann sich Steinmeier daneben noch profilieren?
Das ist in der Tat sein Problem, aber auch ihres: Die Kanzlerin könnte das Konzept ihres Konkurrenten unterschreiben – darf aber nicht.

Gegen Merkels Konzept steht unter anderem der junge, erfolgreiche, neoliberal gestimmte Karl-Theodor zu Guttenberg...
Bis jetzt ist zu Guttenberg ausschliesslich ein Medienereignis. Als Wirtschaftsminister hat er noch gar nichts geleistet. Konnte er auch nicht, da er erst seit wenigen Monaten amtiert. Aber die Journalisten hungerten nach einem neuen Gesicht, sie brauchten einen Star. Der junge Mann, der mit einem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen ist, lebt diese Rolle genüsslich aus. Das kann er!

Wie ist die Bilanz der grossen Koalition – wo steht Deutschland heute?
Angela Merkel hat es gut gemacht; Frank-Walter Steinmeier hat es gut gemacht; Peer Steinbrück hat es gut gemacht. Die grosse Koalition hat es gut gemacht – soweit Politik in dieser schwierigen Zeit die Dinge überhaupt gut machen kann. Deutschland ist ein Garant für Vernunft, politische wie wirtschaftliche. Auch ein Garant für demokratische Verhältnisse in Europa. Wir Schweizer können uns glücklich schätzen mit dieser Nachbarnation.

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Marc Walder, 44 (l.), ist Geschäftsführer von Ringier Schweiz.

Frank A. Meyer, 65, arbeitet als Journalist im Hause Ringier.

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