Zum Schluss Über frühe Küsse, Sucht und die Intoleranz der Raucher

  • Publiziert: 02.10.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
play Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
Frank A. Meyer, 66, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. (Geri Born / Illustration: Igor Kravarik)

Marc Walder: Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer: Rauchen Sie eigentlich?
Nein.

Nie geraucht?
Nein.

Keine einzige Zigarette?
Nein. Doch: eine. Eine einzige.

Und? Wie wars?
Schrecklich wars. Diese Zigarette war der Grund dafür, dass ich nie wieder eine angezündet habe.

Erzählen Sie!
Es war 1958 in Biel, im Krähenbergwald beim Heidenstein, einem Findling, auf dem wir unsere Kletterkünste zu erproben pflegten. Da rauchten wir «Caporal», die billigsten Zigaretten, die zu haben waren – und die schrecklichsten.

Wurde Ihnen schlecht?
Schlimmer: Ich war erst 14, verliebt und meine Freundin war dabei. Sie schaute nur zu – die Mädchen waren schon damals weniger blöd als die Knaben! Nachdem ich einige Züge gemacht hatte, warf ich die Zigarette weg. Dann wollte ich Cecile küssen. Als sich unsere Lippen berührten, was ja damals noch verbotener war als Rauchen, wich sie entsetzt zurück: «Das isch gruusig!» Sie schwor, mich nie wieder zu küssen, wenn ich weiter rauche.

Sie liess sich dann doch irgendwann wieder küssen?
Aber nur, weil ich ihr versprach, nie mehr zu rauchen. Ich habe das Versprechen gehalten, über meine Schulliebe hinaus. Bis heute.

Sie wären also um ein Haar zum Raucher geworden?
Ja. Und ich habe noch immer grösstes Verständnis für diese Sucht.

Wirklich?
Ja, wirklich.

Sie würden also auch das Rauchen in Restaurants erlauben?
Nein, überhaupt nicht.

Das passt aber jetzt irgendwie nicht zusammen!
Doch. Weil es mir nicht um die Raucher geht, sondern um die Nichtraucher. Die Raucher beeinträchtigen auf unangenehme, ja gesundheitsgefährdende Weise die Atmosphäre der Nichtraucher: Sie nehmen ihnen die Freiheit, nicht zu rauchen.

Tönt nicht sehr tolerant.
Intolerant sind die Raucher. Ihr Rauch und Gestank macht nämlich keinen Halt vor all denen, die im Restaurant ihr Essen und Trinken rauchfrei und gestankfrei geniessen möchten.

Erklären Sie das einmal einem Raucher!
Ich erkläre es ihm genau so, wie ich es jetzt Ihnen erklärt habe, aber mit Verständnis für seine Sucht. Wäre ich zum Raucher geworden – ich weiss nicht, ob ich mir das Rauchen je wieder hätte abgewöhnen können. Die Süchtigen sind wirklich zu bedauern. Es tut mir manchmal weh, zu sehen, wie Menschen, die ich mag, sich mit dem Glimmstängel im Mund zugrunde richten.

Helmut Schmidt, Deutschlands berühmtester Raucher, wird gerade neunzig.
Und Hans Ringier, unser früherer Verleger, der nicht viel weniger rauchte, wurde 97: Ausnahmen von der Regel. Bei manchen meiner rauchenden Freunde beschleicht mich das Gefühl, ihr lustvoll-gequältes Inhalieren habe suizidalen Charakter. Aber ich habe gut reden. Dank Cecile.

Ihre Meinung interessiert uns: Sind die Raucher wirklich die Intoleranten? Und die Nichtraucher ihre Opfer? Diskutieren Sie mit anderen Lesern.

Marc Walder, 43 (l.), ist Geschäftsführer von Ringier Schweiz.

Frank A. Meyer, 64, arbeitet als Journalist im Hause Ringier.

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