Zum Schluss Über Filous, Hütchenspieler und Banquiers

  • Publiziert: 13.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
play Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
Frank A. Meyer, 66, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. (Geri Born / Illustration: Igor Kravarik)

Marc Walder: Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, der frühere UBS-CEO Peter Wuffli hat zwölf Millionen Franken Boni zurückgezahlt. Was halten Sie davon?
Ich bin zwar nicht zu Tränen gerührt, aber Respekt nötigt mir diese Geste schon ab.

Müsste Wuffli nicht noch viel mehr zahlen? Schliesslich gehört er zu den Hauptverantwortlichen für das Debakel der UBS – mit rund 50 Milliarden Franken Wertvernichtung.
Vielleicht sind zwölf Millionen zu wenig. Aber das ist leicht gesagt. Man muss erst einmal genügend Schuldbewusstsein entwickeln, um sich von zwölf Millionen zu trennen. Das ist schon eine moralische Leistung!

Ist Wuffli anders als die anderen?
Er ist wahrscheinlich der erste Banker der Welt, der freiwillig etwas von dem zurückzahlt, was er beim Bau seines Bank-Kartenhauses kassiert hat. Ich glaube, er ist tatsächlich anders: Das Ehepaar Wuffli hat vor einiger Zeit mit 20 Millionen Franken, also einem Jahreslohn, eine Stiftung gegründet, um Menschen zu helfen, die unter der Globalisierung leiden. Peter Wuffli scheint ein ernsthafter Mensch zu sein, einer, der mehr im Kopf hat als nur Geld. Das ist viel in einer Zeit der Filous.

Sagten Sie Filous?
Ja. Filous. Lange glaubten wir ja, im Bankengeschäft tummelten sich wenigstens fähige Filous. Heute müssen wir erkennen, dass es unfähige waren ...

... jetzt machen Sie die Banker aber zu Sündenböcken.
Sündenböcke würde doch heissen, die Banker und Spekulanten sind nur Böcke, aber keine Sünder. Ein solcher Freispruch wäre grotesk, haben sich doch gerade sie als Helden der Weltwirtschaft aufgespielt, sahen sich doch gerade sie noch gestern als «Masters of the Universe», als Herren des Universums.

Und heute?
Die Finanzkönige stehen nun in ihren neuen Kleidern da: nämlich nackt.

Glauben Sie, dass Peter Wuffli mit seinen zwölf Millionen Vorbildwirkung für andere Topbanker hat?
Wuffli geht seiner Kaste voran, hoffentlich. Einige werden ihn wohl auch als Verräter schmähen. Vielleicht ist diese Rückzahlung auf gewisse Weise auch eine Rache an Marcel Ospel, der ihn aus der UBS gedrängt hat. Dieser einst Allmächtige steht jetzt unter dem moralischen Druck, sich ebenfalls mit einer erheblichen Summe in ein besseres Licht zu rücken.

Was muss sich an der Spitze unserer Banken ausserdem noch ändern?
Aus Hütchenspielern müssen wieder Banquiers werden. Bitte schreiben Sie dieses Wort französisch.

Ihre Meinung interessiert uns: Sollen sich die UBS-Topbanker Peter Wuffli zum Vorbild nehmen und ihre Boni zurückzahlen? Diskutieren Sie mit anderen Lesern.

Marc Walder, 43 (l.), ist Geschäftsführer von Ringier Schweiz.

Frank A. Meyer, 64, arbeitet als Journalist im Hause Ringier.

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1 Frank A. Meyer Die eine und die andere Wahrheitbullet
2 Frank A. Meyer Was für Sätze!bullet
3 Frank A. Meyer Ausgerechnet die UBSbullet

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