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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, verfolgen Sie eigentlich die Olympischen Winterspiele von Vancouver?
Mit einem Auge verfolge ich das Sportgeschehen immer. Vancouver sogar mit zwei Augen.
Ach ja? Und warum?
Diese Winterolympiade ist wirklich grosses Spektakel. Ich habe sogar den Eindruck, ein grösseres Spektakel denn je.
Was meinen Sie genau mit Spektakel?
Vor allem die Ästhetik. Nie bisher habe ich buntere Spiele erlebt. Es ist ein Fest der Farben. Das beginnt schon mit dem Logo, einem lustig- bunten Figürchen, und setzt sich fort mit den farbenfrohen Anzügen der Athleten. Sogar die Pisten sind mit wunderbar blauen Seitenlinien markiert. Vancouver ist neben dem sportlichen Weltereignis auch ein Weltkostümfest – vor schönstem Hintergrund: Der Schnee bildet für die ganze Farborgie die gigantische Leinwand.
Konkret, Frank A. Meyer: Was schauen Sie am liebsten?
Die attraktivste Sportart ist für mich der Eisschnelllauf. Die athletische Perfektion und die Schönheit der Bewegung vereinen sich da zu einem erstaunlichen Kunstwerk: Die Schnellläufer erreichen Spitzengeschwindigkeiten von über 50 Stundenkilometern, scheinen aber in Zeitlupe über das Eis zu gleiten.
Von den 15 Disziplinen der Olympischen Winterspiele lieben Sie nur eine?
Das wäre dann doch ein wenig snobistisch, nein. Ich liebe auch die Skispringer: Sie schwingen sich in den Winterhimmel, scheinen, wenn die Kamera von vorn auf sie zufährt, in der Luft zu stehen und man ist verwundert, dass sie überhaupt wieder zu Boden kommen, mit welcher Sanftheit sie nach 120, im Fall von Simon Ammann gar nach mehr als 140 Metern im Schnee aufsetzen – fantastisch!
Wie halten Sie es mit den Skiläufern?
Bei den Abfahrern und Slalomfahrern beeindruckt mich vor allem die Beinarbeit: Wie sie die Schläge der betonharten Piste abfedern, auffangen, austarieren – und damit um Hundertstel von Sekunden kämpfen!
Sie beschreiben hier nur, wie Sie von der Ästhetik des Wintersports berührt werden. In Vancouver geht es aber schliesslich ums Siegen. Fiebern Sie denn gar nicht mit?
Mir gefällt an diesem Wettbewerb nicht zuletzt die Fairness der Athleten: wie sie sich gegenseitig gratulieren, mit wie viel Respekt sie voneinander reden. Am eindrücklichsten aber finde ich, dass ihr Erfolg auf echter und meist sehr einsamer Leistung beruht.
Das begeistert Sie?
Weil es in unserer Gesellschaft nicht mehr selbstverständlich ist. Was in den vergangenen Jahren als Erfolg vergöttert wurde – zum Beispiel in der Finanzwirtschaft –, entbehrte einer echten Leistungsgrundlage. Jede Krankenschwester, jeder Maschinenmeister, jeder Pilot, jeder Bauführer, jede Kindergärtnerin leistet mehr, verantwortet mehr – und muss mehr können – als ein Investment-Banker. In unserer Gesellschaft kommt längst der Erfolg vor der Leistung. In Vancouver sind Leistung und Erfolg wieder eins.
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