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Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, haben Sie das Wimbledon-Finale zwischen Roger Federer und Andy Roddick gesehen?
Ich habe ausgeschaltet.
Wieso denn das?
Die Spannung im letzten Satz war unerträglich.
Sie haben mit Roger Federer mitgefiebert?
Total!
Ich wusste gar nicht, dass Sie sich dermassen für Sport begeistern können.
Meine Begeisterung für Roger Federer geht über den Sport hinaus.
Das heisst?
Für mich ist dieser junge Mann jemand Besonderes. Ein grosser Athlet – nicht nur von der Erscheinung her –, im Augenblick vielleicht der grösste, gleichzeitig ein überzeugender, ja verblüffender Charakter.
Roger Federer verblüfft Sie?
Er verkörpert Qualitäten, die unserer Gesellschaft abhanden gekommen sind, nicht zuletzt der jungen Generation: zum Beispiel Anstand, zum Beispiel Fairness, zum Beispiel Eleganz. Roger Federer ist in unserer Rüpel-Gesellschaft ein Solitär.
Überzeichnen Sie jetzt nicht ein wenig?
Ganz und gar nicht! Roger Federer ist seit Jahren Roger Federer: Er lebt mit seiner langjährigen Freundin zusammen, die er inzwischen geheiratet hat. Dabei ist er ein schöner Mann, ein Magnet für Mädchenherzen, der sich von Groupie zu Groupie hangeln könnte, ein Mann, der Millionen verdient. Er ist frei von Capricen, wie sie Stars zu produzieren pflegen. Er ist freundlich, nie aufgeblasen, nie harsch gegenüber anderen. In unserer medienbesessenen Zeit wirkt er vielleicht sogar ein bisschen langweilig. Dabei ist er nicht kalt. Wir erleben ihn sogar leidenschaftlich. Er kann weinen. Wie wunderbar!
Lieber Frank A. Meyer, Sie sind ja ganz vernarrt.
Ja, ich mag diese Gegenfigur zur Generation der Boni-Ritter, die mit ihrem Egoismus, mit ihrer Brutalität die Hirne von Millionen junger Menschen vergiftet haben. Roger Federer steht mit seinen Tugenden gegen diese toxische Mentalität.
Sie sind einer der vehementesten Kritiker der Boni-Banker. Stört es Sie denn nicht, dass Roger Federer schon weit über 100 Millionen verdient hat?
Roger Federer bringt seine Leistung ganz allein, ja einsam auf dem Platz, im fairsten Sport, den es gibt. Am letzten Sonntag unter härtesten physischen und psychischen Bedingungen. Er tut dies Woche für Woche, Tag für Tag, Match für Match – auf der ganzen Welt. Banker-Boni und Millionen-Gehälter dagegen werden ergaunert mit Deals und Spekulation, mit surrealen Produkten. Und, wie wir neuerdings wissen, mit gewaltigen Schwindeleien. Roger Federer ist ein Spieler. Kein Gambler.