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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, warum waren Sie auch diesmal wieder nicht am WEF?
Ich fühle mich zu solchen Mega-Events, wie man sagt, nicht hingezogen, eher davon abgestossen. Ich passe da einfach nicht hin.
Es hätte Ihnen aber sicher gefallen: Die Finanzelite wurde in diesem Jahr heftig kritisiert...
...ja, von einigen Politikern und einigen Wirtschaftswissenschaftlern. Aber echte und ehrliche Selbstkritik war in Davos von den Finanzmanagern kaum zu hören. Neben «Fehlern», wie sie jeder mache, redeten sie sich mit «systemischen Fehlern» heraus, also einer Fehlkonstruktion des Finanzsystems. Und für die wiederum sei die Politik verantwortlich. Also: Freispruch.
Hat das Weltwirtschaftsforum denn überhaupt eine nachhaltige Wirkung?
Es ist vor allem nachhaltig für seinen genialen Erfinder Klaus Schwab. Das World Economic Forum macht inzwischen 160 Millionen Franken Umsatz, hat 380 Mitarbeiter. Ein gewaltiger Erfolg. Aber politisch-wirtschaftlich sehe ich keine Nachhaltigkeit. Am WEF wird seit Jahren nachgeplappert, was gerade Mainstream-Meinung ist, vom Start-up-Hype vor zehn Jahren über den Globalisierungs-Hype der Finanzwirtschaft bis zum Krisen-Hype in diesem Jahr.
Die Wichtigsten treffen die Mächtigsten – und alles ohne jede Wirkung?
Die Wirtschaftsmächtigen feiern in Davos sich selbst; die Politik ist Garnitur. Ein wunderbares Beispiel war diesmal die engagierte Rede von Nicolas Sarkozy. Ein grosser Teil des Publikums verweigerte dem französischen Präsidenten ostentativ den Applaus. Sein Kritik verpuffte in der kalten Winterluft. Es ist übrigens ein Schweizer, der diese Ungerührtheit, diese Überheblichkeit der Finanzmanager in Reinform verkörpert: Josef «Joe» Ackermann. Er lacht und lächelt, wo er steht und geht. Die Ohnmacht der Politik scheint ihn zu erheitern, ebenso die Ohnmacht von Abermillionen Leidtragenden des Wirtschaftsdesasters, für das er als Schlüsselfigur des Bankgewerbes globale Mitverantwortung trägt.
Aber Davos symbolisiert doch genau das, was Sie immer fordern: eine weltoffene Schweiz!
Das war einst wohl auch der Gedanke des beseelten Gastgebers Klaus Schwab. Seit einigen Jahren aber versammelt das WEF eine globale Gegengesellschaft, die sich in der Bergstadt Davos hinter 32 Kilometern Gitterzaun und 44 Kilometern Stacheldrahtwalzen verschanzt. Davos ist im Januar das Réduit, die Alpenfestung einer abgehobenen Society – wie wir neuerdings wissen, einer verantwortungslosen Society.
Sie übertreiben!
Ganz im Gegenteil. Dieses Jahr waren das Gebirgsschützen-Bataillon 6, das Führungsunterstützungs-Bataillon 12 sowie die Luftwaffe im Einsatz: insgesamt 3400 Armeeangehörige. Einen happigen Teil der WEF-Rechnung begleichen die Steuerzahler.
Ganz einfach weil die Schweiz durchaus davon profitiert.
Das bezweifle ich sehr. In den Augen der ganz normalen, aufmerksamen Bürger überall in der Welt beherbergt die Schweiz in Davos – auch in Davos! – ganz einfach die Finanzoligarchie, bewacht von einer neuen Schweizergarde.
Ihre Meinung interessiert uns: Sollten wir aufs World Economic Forum in Davos verzichten? Diskutieren Sie hier mit anderen Lesern.