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Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, ganze Wohnquartiere in Zürich drohen in «Zonen für Reiche» verwandelt zu werden.
Das Phänomen, wie es ETH-Professor Christian Schmid gerade erst im «Tages-Anzeiger» analysierte, ist nicht auf die Stadt Zürich beschränkt. An der Goldküste ist die gleiche Entwicklung zu beobachten, ebenso in Genf. Immer deutlicher zeichnet sich eine Aufteilung der Schweiz in zwei Länder ab: eine Schweiz für die Wohlhabenden und Reichen – und eine Schweiz für die Normalverdiener und sozial Schwachen.
Werden wir zur Zwei-Klassen-Gesellschaft?
Es war eine Errungenschaft der modernen Schweiz, dass Reich und weniger Reich, gar nicht Reich und sogar Arm in alltäglicher Berührung miteinander lebten. In der republikanischen Schweiz gab es noch bis in die Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts ein Gemeinschaftsgefühl – über sämtliche materiellen Unterschiede hinweg.
Wer ist schuld daran, dass es diese Schweiz nicht mehr gibt?
Eine neue Geldelite, der jedes Gefühl für die republikanische Tugend der Gleichheit abgeht. Das Schlimme ist: Vor diesen Neureichen steht die Politik stramm.
Können Sie das etwas genauer beschreiben?
Im Kanton Obwalden etwa werden besonders schöne Wohnlagen ausschliesslich für Reiche reserviert; ausländische Superreiche werden mit Pauschalbesteuerung ins Land gelockt; ausländische Manager sollen steuerlich privilegiert werden. Sogar vor dem Anschein von Geld stehen Behörden schon stramm: beispielsweise der Kanton Thurgau vor dem deutschen Hochstapler Volker Eckel, dem man nicht nur die Pauschalbesteuerung andiente, sondern gleich auch noch die Niederlassungsbewilligung. Bund, Kantone und Gemeinden verkommen zum Dienstleistungsapparat für Reiche und Reichste.
Worin sehen Sie die Gründe für diese Entwicklung?
Ganz einfach: in der Macht des Geldes. Dieser Macht haben wir uns unterworfen. Der Bundesrat und viele kantonale Regierungen verstehen die Schweiz nur noch als Standort, als ökonomische Grösse, als Wirtschaftsraum. Alles, was der Optimierung des Standorts dient, ist sakrosankt. Dieser Strategie wird – in vollem Wissen – die Heimat geopfert.
Die Heimat? Das müssen Sie erklären!
Wenn die ganz normalen Schweizer aus den schönen Quartieren wegziehen müssen, weil sie die Wohnungen dort nicht mehr bezahlen können, wenn die ganz normalen Schweizer sich in den schönen Gegenden kein Haus mehr leisten können, wenn die ganz normalen Schweizer nur noch zu Besuch sein dürfen in den Resorts der Reichen, dann wird den ganz normalen Schweizern die Heimat genommen – eine nicht zu akzeptierende Demütigung!
Ihre Meinung interessiert uns: Verkommt die Schweiz zu einem Reservat für Reiche? Diskutieren Sie hier mit anderen Lesern.