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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, letzten Sonntag kritisierten Sie in Ihrer Kolumne die 90 Millionen für Credit-Suisse-Chef Brady Dougan. Am Montag rief die FDP zum Widerstand gegen die Rekordboni der Credit Suisse auf. Zufrieden mit dem Freisinn?
Mit dieser Wortmeldung bin ich zufrieden. Mit der FDP überhaupt nicht.
Verstehe ich nicht.
Dann erklär ich’s Ihnen. Nach langem Zaudern wollte der freisinnige Parteipräsident seine Partei auf eine – wie er es nannte – «Weissgeldstrategie» festlegen: Abschaffung des Unterschieds zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug, Pflicht zur Überprüfung der Sauberkeit von Neugeldern. Die Banken sollten gezwungen werden, nur noch nachweislich versteuertes Geld anzunehmen. Damit ist Fulvio Pelli grandios gescheitert.
Worauf wollen Sie hinaus?
Die FDP ist und bleibt die Partei der Banken. Wobei zu präzisieren wäre, welcher Banken: derjenigen, die nichts gelernt und alles vergessen haben, die unser Land lediglich als Standort für ihre Geschäfte betrachten, denen die Interessen der Schweiz völlig egal sind.
Immerhin empört sich die FDP nun gegen eine solche Bank...
Diese «Empörung» ist nur Selbstinszenierung.
Fulvio Pelli kann es Ihnen offenbar gar nicht recht machen!
In Wirklichkeit haben in der FDP die politischen Etagenkellner der Banken das Sagen. Oberkellner ist Ständerat Rolf Schweiger. Er hat Fulvio Pelli und dessen Weissgeldstrategie zum Gespött gemacht. Die FDP nennt sich gern Wirtschaftspartei. In Wirklichkeit ist sie eine Partei, die vor der Macht des Geldes strammsteht.
Wann wäre die FDP denn eine echte Wirtschaftspartei?
Wenn sie für die mehr als 250 000 Unternehmen der Realwirtschaft einstünde, für die kleinen und mittleren Betriebe der Industrie. Diese hoch innovativen Firmen sind auf Banken angewiesen, die nicht zocken, sondern der Volkswirtschaft dienen, auf Kantonalbanken oder Raiffeisen-Banken, auf Migros Bank oder Bank Coop. Von 330 Banken in unserem Land betreiben zwanzig bis dreissig das Geschäft mit unversteuerten Geldern. An diese kleine, unverbesserliche Minderheit hat sich die FDP gekettet. Daran ändert auch das Ablenkungsmanöver nichts, vier Tage vor der Generalversammlung der Credit Suisse Empörung zu mimen.
Was raten Sie der FDP?
Irgendwann – am liebsten nicht zu spät – sollte sie wieder zu der Partei werden, die der Wirtschaft den Weg in die Politik und durch die Politik weist. Und die unsere Wirtschaft zu politischer Verantwortung erzieht. Bis in die 80er-Jahre hinein war die FDP diese Partei. Heute wird sie am Nasenring durch die politische Arena geführt – von Casino-Kapitalisten und Hütchenspielern.
Wird sie diese Wende schaffen?
Fulvio Pelli ist mit seinem Latein am Ende. Doch in der FDP sitzen immer noch viele kluge Frauen und Männer, für die der Liberalismus mehr ist als ein Geschäftsmodell. Aber eben: Sie sitzen! Sie sollten sich erheben.
Ihre Meinung interessiert uns: Ist die FDP eine Bankenpartei? Diskutieren Sie hier mit anderen Lesern.