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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, im letzten SonntagsBlick haben Sie den Islam als «totalitäre Weltanschauung» bezeichnet. War das nicht zu hart?
Sehen Sie: Der Islam nimmt jeden einzelnen seiner Anhänger total in Beschlag. Genauso total nimmt er die Gesellschaft in Beschlag. Das heisst, er herrscht über seine Gläubigen, indem er ihnen keine Individualität ausserhalb der Glaubensgemeinschaft erlaubt. Und er herrscht über die Gesellschaft, indem er keine rechtsstaatlichen oder demokratischen Strukturen ausserhalb von Koran und Scharia erlaubt.
Das gilt doch nicht für alle Länder der islamischen Welt!
Mir geht es um die kulturellen Auswirkungen dieser Religion. Die ist überall fatal. Aber im Einzelnen haben Sie recht. Es gibt tatsächlich säkulare Staaten mit islamischem Hintergrund: Diktaturen wie Syrien, oder Halb-Demokratien wie die Türkei. Und es gibt natürlich viele säkulare Muslime, gerade bei uns in der Schweiz und im übrigen Europa, verantwortungsbewusste Bürger muslimischen Glaubens, die sich für Rechtsstaat und Demokratie engagieren. Die werden Islam-Kritikern gern als Gegenbeispiel vorgehalten...
...Islamkritikern wie Ihnen!
Ich zähle mich zu den Religionskritikern. Meine Kritik richtet sich sowohl gegen die rückwärtsgewandte katholische Kirche unter Benedikt XVI. in Rom wie gegen die reaktionären Evangelikalen, vor allem in den USA.
Aber in dieser Schärfe, in dieser Härte kritisieren Sie nur den Islam!
Er ist auch eine besonders harte Religion. Und eine unzeitgemässe. Es fehlt ihm die Reformation, es fehlt ihm die Aufklärung, es fehlt ihm die Anpassung an die Moderne. Darum finden wir nirgendwo auf der Welt einen echten Rechtsstaat, eine echte Demokratie mit islami-schem Hintergrund. Wir finden auch keine Wissensgesellschaft mit islamischem Hintergrund, keine bedeutenden Universitäten, keine bedeutenden akademischen Leistungen, keine bedeutenden industriellen Leistungen, keine bedeutenden wirtschaftlichen Leistungen – abgesehen vom Handel mit fossilen Rohstoffen und der Investition von Öl-Gewinnen in westliche Unternehmen.
Wollen Sie etwa behaupten, der Islam mache dumm?
Die Befreiung des Menschen war historisch immer auch eine Befreiung von der Religion. Unsere Freiheit wurde der Kirche abgerungen. Der Vatikan hat sich heute mit Demokratie und Rechtsstaat arrangiert. Dem Islam fehlt diese Befreiung. Koran und Scharia lassen keinen Raum für den selbstverantwortlichen Bürger, für gesellschaftliche Kreativität, für ein Engagement ausserhalb der Glaubenswelt. In der deutschen Tageszeitung «Die Welt» forderte der grosse Essayist Wolf Lepenies vor einer Woche «eine protestantische Ethik für Muslime». Das heisst Leistungs-Ethik, Verantwortungs-Ethik, Freiheits-Ethik. Die gönnt ihnen ihre Glaubenslehre nicht.
Muslime sind also Opfer ihrer Religion?
Die Religion erstickt die Intelligenz der Gläubigen, ihren Wunsch nach Aufbruch in eine moderne Welt. Und sie erstickt den Lernwillen von Jugendlichen, wie wir an Schulen überall in Europa sehen. Kein Muslim ist dümmer als ein Christ oder ein Jude. Aber der Islam bedeutet eine religiöse Behinderung. Wenn ich ihn kritisiere, kritisiere ich ihn aus Solidarität mit diesen Menschen.
Ihre Meinung interessiert uns: Ist der Islam eine totalitäre Religion? Diskutieren Sie hier mit anderen Lesern.