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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, warum hört man von Ihnen so wenig zum Thema Bundesratswahl?
Erstens lebe ich in Berlin. Da wirken schweizerische Bundesratswahlen etwas weniger bedeutend. Zweitens habe ich vierzig Jahre Bundeshaus-Journalismus hinter mir. Und da sind Bundesratswahlen einfach nicht mehr ganz so aufregend.
Drittens: Lassen Sie uns dennoch darüber reden! Hat die FDP weiterhin Anrecht auf zwei Sitze?
Historisch wäre es fatal, wenn die Gründerpartei des modernen Bundesstaats zur kleinsten Bundesratspartei zurückgestutzt würde. Zusätzlich fatal wäre es, weil sie daran auch noch selber schuld ist.
Das ist noch keine Antwort auf meine Frage.
Die Antwort lautet: Der Freisinn ist längst zum Anhängsel der Schweizerischen Volkspartei verkommen. Mit ihren Kandidaten führt die FDP einen Balztanz um die Gunst der SVP auf. Manchmal frage ich mich: Wo ist der Freisinn, der so lang und so selbstbewusst die Geschicke unseres Landes bestimmt hat – oft auch mit ärgerlicher Arroganz? Für die Rucksack-Partei der SVP wäre ein einziger Sitz im Bundesrat genug. Aber einen Freisinnigen wie mich – im Wortsinn, nicht im Parteisinn – schmerzt diese düstere Aussicht.
Womit wir bei der CVP wären...
Wenn die Bundesversammlung ausschliesslich nach Qualität entscheidet, also nach Kompetenz und Erfahrung und Lebendigkeit im Denken, dann heisst der neue Bundesrat Urs Schwaller.
Schwaller ist Deutsch-Freiburger. Gesucht wird aber ein in der Wolle gefärbter Romand.
Das ist ein echtes Argument. Doch man kann Schwallers Deutsch-Freiburger Herkunft auch als Vorteil für die Suisse Romande betrachten: Er ist total bilingue und wäre in der Lage, die Deutschschweizer Mehrheit rhetorisch zu packen, sie für die Interessen der französischsprachigen Minderheit zu gewinnen. Das ist ja immer ein Problem: Brillante Romands wie Pascal Couchepin oder Jean-Pascal Delamuraz können ihre politische Überzeugungsarbeit in der Deutschschweiz nicht mit voller Sprachkraft leisten. Übrigens hat Schwaller all seine Geschäfte in den vergangenen Jahren auf Französisch geführt.
Und wer ist der beste Kandidat aus den Reihen des Freisinns?
Ganz ohne Zweifel Didier Burkhalter.
Was macht ihn in Ihren Augen dazu?
Als Neuenburger ist er gross geworden in einer stolzen republikanischen Tradition. Er ist so selbstbewusst und eigenständig wie sein Kanton. Leider verkörpert sein Mitkandidat Christian Lüscher den heutigen Freisinn eindeutiger: rechtsliberal, marktradikal, antieuropäisch – eigentlich ein prima Mitglied der SVP.
Und Fulvio Pelli?
Pelli ist, wenn ich dieses grosse Wort verwenden will, eine tragische Figur. Denn er ist nicht so, wie er gesehen wird. Aber er hat sich selbst so dargestellt, wie er nun dasteht: verheddert in die eigene Taktiererei. Er macht das Dilemma unserer Staatspartei sichtbar – sie ist zu unfrei, um freisinnig zu sein.
Ihre Meinung interessiert uns: Kann Urs Schwaller als Bundesratskandidat für die Suisse Romande gelten? Diskutieren Sie hier mit anderen Lesern.