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Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, ist der Bankenplatz Schweiz am Ende?
Überhaupt nicht.
Einverstanden, dass er schwer beschädigt ist?
Durch die Banken selbst ist er beschädigt. In jüngster Zeit durch kriminelle Aktivitäten der UBS gegen die Steuergesetze der USA. Aber auch schon länger: durch das Geschäftsmodell «Steuerhinterziehung», besser bekannt unter dem Begriff «Bankgeheimnis». Das Bankgeheimnis ist die Ursache der Misere. Der Fall UBS ist nur die fatale Folge.
Der Standortvorteil Bankgeheimnis ist passé. Was nun?
Das Bankgeheimnis hatte aus dem Bankenplatz eine geschützte Werkstatt gemacht. Jetzt müssen sich die Schweizer Banken im wirklichen Wettbewerb bewähren.
Und? Können sie das?
Selbstverständlich können sie das! Jenseits ihrer Steuerhinterziehungsgeschäfte waren sie immer schon besser. Man erlebt das, wenn man mit Banken im Ausland zu tun hat: Die Schweizer sind schneller, effizienter, unbürokratischer, hilfsbereiter – sogar freundlicher.
Sind auch die Produkte der Schweizer Banken besser?
Manchmal ist das Angebot besser, manchmal gleich gut, manchmal weniger gut als das der Konkurrenz. Es geht den Banken wie der Uhrenindustrie: Die Marke muss überzeugen. Und die Marke der Schweizer Banken heisst Schweiz – Swiss Banking nennt sich das. Die Banken haben, jedenfalls vorübergehend, ziemlich abgewirtschaftet. Die Marke Schweiz dagegen ist, obwohl gerade durch die Banken lädiert, immer noch glaubwürdig in der Welt.
Also alles nur halb so schlimm, Frank A. Meyer?
Nicht halb so schlimm, aber auch kein Totalschaden. Jedenfalls gut zu flicken.
Für einen Teil des sogenannten Private Banking wird es hart: Kunden ziehen Steuerfluchtgelder in Milliardenhöhe ab...
Das ist ein wünschenswerter Reinigungsprozess. Die soliden Banken, die vor allem mit sauberem Kundengeld arbeiten, werden diese Verluste verschmerzen. Sollte es in Genf, St. Gallen oder Lugano die eine oder andere Privatbank aus der Bahn werfen, die ihr Geschäft mit Steuerflucht machte, dann wäre auch dies kein Drama.
Die Finanzwelt schwärmt von Singapur – und Sie glauben immer noch an den Bankenplatz Schweiz?
Die Schweiz leuchtet ganz anders als Singapur. Heller und vertrauenswürdiger. Wir sind eine Demokratie, eine freie und soziale Gesellschaft: Das ist das grosse Image-Kapital unserer Schweizer Banken. Es lockt Menschen und Institutionen aus aller Welt an ihre Schalter.
Jahrelang wurde uns eingetrichtert: Ohne Banken ist die Schweiz nichts wert. Und nun kehren Sie es einfach um: Ohne Schweiz sind die Banken nichts wert!
So sehe ich es. Ich möchte wieder stolz sein auf die Banken der Schweiz. Und für die Kunden soll wieder das Bonmot gelten, das leider in letzter Zeit nicht mehr galt: «Wenn ein Schweizer Banquier aus dem Fenster springt, spring hinterher, dann gibt es etwas zu verdienen!» Ich möchte diesen Spruch ergänzen: ... in Zukunft auf durch und durch anständige Weise.
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