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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Frank A. Meyer, haben Sie das Bild der sterbenden Studentin Neda in ihrem Blut gesehen?
Ja, das ist nun wohl für die ganze Welt das Symbolbild des Iran: Terror gegen friedliche Demonstranten, gegen wehrlose Menschen.
Der Kampf alter, bärtiger Religionsführer gegen eine junge, städtische Elite.
In Echtzeit erleben wir dabei den Einbruch modernster Zivilisation in eine Welt rückständigster Religion. Aber die Religion hat die Macht – noch!
Noch? Haben Sie denn Hoffnung, dass Mussawi letztlich Oberhand gewinnt?
Mussawi ist ja nicht die wirkliche Hoffnung der Demonstranten. Er ist im Augenblick nur die einzige, die sie haben; die Überwindung des Mullah-Systems verkörpert er nicht. Die Veränderung des Iran muss viel tiefer gehen: Die wirtschaftlich und intellektuell aufstrebenden Menschen in den Städten brauchen Unterstützung durch die Mehrheit der intellektuell und wirtschaftlich zurückgebliebenen Menschen auf dem Land. Es braucht Bildung und soziale Entwicklung für alle, die heute noch hinter Ahmadinedschad stehen.
Dagegen wird es grossen Widerstand geben. Wenn die Iraner sich in die Freiheit twittern, ist das gefährlich für alle autokratischen Staaten dieser Region.
Die globalisierten Medien schaffen totale gesellschaftliche Transparenz. Keine Diktatur, keine Despotie, keine Oligarchie kann sich dagegen abschotten. Das gilt für den Iran wie für Saudi-Arabien wie für China wie für Russland. Der Iran ist – so paradox es klingt – trotz Frauenunterdrückung und Folter und Todesurteilen für Minderjährige die strukturell offenste islamische Gesellschaft des Nahen Ostens: mit Wahlen, die teilweise gesteuert sind, aber doch politischen Willen zum Ausdruck bringen – und deshalb von den Herrschenden gefälscht werden müssen. Inzwischen gibt es auch grosse Differenzen unter den Machthabern selbst. Das Land gärt.
Jetzt geht es aber augenscheinlich erst mal wieder rückwärts: Die Machthaber jagen Journalisten und Diplomaten aus dem Land.
Bislang hat ja die westliche Welt immer noch geglaubt, mit den Schurken dieses Staates liesse sich reden und verhandeln wie mit Ehrenmännern. Nun wird klar, wie irrig diese Annahme war, wie sinnlos all das Händedrücken mit Ahmadinedschad, zuletzt auch hier bei uns in Genf. Mit Schurken muss man umgehen wie es uns die europäische Geschichte eigentlich gelehrt haben sollte: mit Härte, wenn nötig mit Gewalt.
Nur hat dieser Schurke, wie es aussieht, demnächst seine eigene Atombombe.
Das ist die ganz grosse Gefahr. Und wenn sie durch politischen Druck nicht zu bannen ist, hilft nur die kriegerische Intervention. Sollten die Israeli jetzt zur Gewalt Zuflucht nehmen und die Atomanlagen im Iran bombardieren, wäre ihnen das Verständnis grosser Teile der demokratischen Welt sicher.
Ihre Meinung interessiert uns: Haben die Regimegegner im Iran eine Chance? Diskutieren Sie hier mit anderen Lesern.