Zum Schluss Über den plötzlichen Ausbruch von Moral an der Spitze der UBS

  • Publiziert: 24.10.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
play Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
Frank A. Meyer, 66, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. (Geri Born / Illustration: Igor Kravarik)

Marc Walder: Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, finden Sie auch, dass Marcel Ospel seine Boni zurückzahlen muss?
Er hätte sie nie bekommen dürfen.

Das müssen Sie mir erklären.
Er bekam sie für kurzfristige Erfolge, die mittelfristig zum grössten Debakel der UBS führten – und für die Schweizer Finanzwirtschaft insgesamt zum grössten Debakel aller Zeiten.

Peter Kurer, Präsident des UBS-Verwaltungsrats, erwartet von seinem früheren Chef Marcel Ospel die Rückzahlung seiner Boni. Er verweist dabei auf «schwerwiegende Unterlassungen im Subprime-Debakel», wie sie die Bankenkommission festgestellt habe. Was sagen Sie zu diesem Frontalangriff?
Der plötzliche Ausbruch von Moral an der UBS-Spitze ist grundsätzlich begrüssenswert. Man muss sich aber fragen, was Kurer und sein heutiger operativer Chef Marcel Rohner damals unternommen haben, als die Boni wie Manna über Ospel, seine American Boys und die gesamte Führung der Bank herabregneten. Übten sie Kritik? Widersprachen sie gar? Oder duckten sie sich feige weg? Natürlich machten sie mit. Und kassierten mit.

Könnte es sein, dass die UBS-Spitze, vielleicht sogar die Banker allgemein, verstanden haben, dass Anstand auch im Finanzwesen wieder ein Wert sein muss?
Die neue Moral des neuen Peter Kurer ist auf jeden Fall das Eingeständnis, dass es in den Zeiten des alten Peter Kurer an Moral gefehlt hat. Vielleicht kommt es ja zur vielbeschworenen Selbstreinigung der Finanzwirtschaft. Ich bleibe da allerdings skeptisch.

Der Staat hilft nun mit Abermilliarden. Soll er nicht auch gleich die Moral festlegen?
Er soll die Regeln bestimmen. Und solange er mit Steuergeldern im Finanzsektor engagiert ist, soll er auch ganz konkret mitbestimmen.

Was heisst «ganz konkret»?
Der Staat soll bei allen zentralen Entscheidungen mitbestimmen – auch über Gehälter und Boni des Topmanagements und der Investmentbanker!

Das Geschrei dagegen ist schon jetzt ohrenbetäubend: Die UBS sei dann nicht mehr konkurrenzfähig, heisst es. Und: Die guten Leute würden nie mehr bei der UBS arbeiten.
Es waren offensichtlich diese sogenannten «guten Leute», die die Bank ins Desaster geritten haben. Es ist an der Zeit, dass fähige Leute dieses Tollhaus übernehmen, die sich mit normalen Gehältern zufriedengeben und die UBS wieder zur seriösen Bank machen.

Gibt es diese Leute?
Einer sitzt bereits im Verwaltungsrat: Bruno Gehrig. Ein anderer, Eugen Haltiner, steht der Bankenkommission vor. Gehrig kommt von der Nationalbank, Haltiner aus der Finanzwirtschaft. Gemeinsam wären sie in der Lage, unserer grössten Bank das Vertrauen zu verschaffen, das sie dringend braucht.

Ihre Meinung interessiert uns: Ist die neue Moral an der UBS-Spitze Heuchelei oder ein Zeichen der Hoffnung? Diskutieren Sie mit anderen Lesern.

Marc Walder, 43 (l.), ist Geschäftsführer von Ringier Schweiz.

Frank A. Meyer, 64, arbeitet als Journalist im Hause Ringier.

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