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Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, was fahren Sie eigentlich gerade für ein Auto?
Ich fahre einen Citroën C6.
Was ist das Besondere an diesem Auto?
Es ist gegenwärtig für mich die schönste und komfortabelste Limousine.
Ach ja? Zuletzt fuhren Sie einen Jaguar...
...die letzten dreissig Jahre fuhr ich Jaguar. Zuletzt einen Bi-Turbo. Aber einen solchen Kraftprotz benötige ich nicht, um mich in Berlin zu bewegen. Mein Citroën C6 verwöhnt mich mit vergleichbarem Komfort, wobei ich gestehen muss: Ein Jaguar ist mehr als ein Auto, ein Jaguar ist ein Auto-kulturelles Bekenntnis.
Auto-Kultur – was bedeutet das?
Das Auto symbolisiert in der westlichen Welt den Individualismus, die Bewegungsfreiheit des Einzelnen. Und für diesen Einzelnen ist es oft auch ein Mittel zur Selbstdarstellung. Das Wort Auto leitet sich ja vom griechischen «autós» ab, das bedeutet: selbst. Man entwirft sich mit dem Auto sozusagen eine Zusatzpersönlichkeit.
Und um des Egos willen fuhren Sie einen Jaguar?
Als ich ganz jung war, fuhr ich Ferraris, unter anderem einen Lusso und einen GTB 4. Für junge Männer widerspiegelt das Auto oft die Suche nach Identität und Status. Mit einem tollen Wagen, so glaubt Mann in diesem Alter, schleppt man tolle Mädchen ab.
Und? Haben die Ferraris bei Ihnen geholfen?
Wahrscheinlich.
Das Auto ist in der Krise. Hat die westliche Auto-Kultur überhaupt noch Zukunft?
Gegenwärtig werden die schönsten Modelle entwickelt und auf den Markt geworfen: der neue Jaguar, der neue Aston Martin, der viertürige Porsche Panamera in der Oberklasse; in der Mittelklasse und bei den Kleinen zum Beispiel der Mini, und natürlich der Fiat Cinquecento. Mit Alfa Romeo verschönern die Italiener seit Jahren das Strassenbild – durch Modelle, die schon fast Skulpturen sind. All das hat nur Zukunft, wenn es gelingt, von der Benzinkutsche wegzukommen zu einem umweltverträglichen Antrieb. Ich hoffe natürlich, dass diese absolut dringliche Entwicklung nicht zulasten der Lust am Autofahren geht.
Wie erklären Sie sich den aktuellen Auto-ästhetischen Rausch?
Vielleicht handelt es sich um eine Angstblüte: Die Automobilindustrie hat zu lange geschlafen. Ihr Frühlingserwachen fällt nun in den Spätherbst. Aber hoffentlich verspricht dieser plötzliche Adrenalinstoss auch Zukunft. In Krisen war die Wirtschaft schon immer gezwungen, neue Lösungen für alte Probleme zu finden. Das Auto verkörpert ja nicht nur individuelle Sehnsüchte und Wünsche, sondern auch Zeitgeist.
Wie meinen Sie das?
Für Bushs kriegerisches Amerika steht das Panzerauto Hummer. Für Amerikas verlotterte Industrie stehen die verkleideten Grossmütter, die vor allem General Motors produziert. Das Obama-Amerika wird sich schon bald in neuen Modellen spiegeln: Die Obama-Welt wird auch eine neue Auto-Welt.
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