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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, haben Sie schon ein iPad?
Nein, warum?
Weil es die beste Erfindung seit dem Handy ist.
Schon wieder «die beste Erfindung»! Da warte ich doch lieber die nächste, noch bessere beste Erfindung ab.
Sie machen sich lustig. Wieso eigentlich?
Weil es, als ich zur Schule ging, noch die Schiefertafel gab. Das iPad erinnert mich auf fatale Weise daran. Es ist vor allem unhandlich – und um einiges schwerer als meine alte Tafel. Ich glaube, es handelt sich da hauptsächlich um einen Marketing-Coup.
Lieber Frank A. Meyer, ich kann Ihnen nicht zustimmen: Ich besitze seit Wochen ein iPad. Und ich lese den «Spiegel» darauf, den BLICK, die Nachrichten aus aller Welt – täglich.
Lieber Marc Walder, Sie verwechseln das deutsche Verb «lesen» mit dem englischen Verb «scannen».
Wie meinen Sie das?
Ich bin überzeugt, dass Sie vor allem scannen, also überfliegen, was im «Spiegel», im BLICK und anderswo an wirklich neuen Nachrichten anfällt. Das gehört zu Ihrer Pflicht als Medienmanager. Aber ich bezweifle doch sehr, dass Sie dieses steife, kalte Gerät auch in die Hand nehmen, um längere oder sogar lange Artikel aufmerksam zu lesen.
Nun, Steve Jobs hat bereits über zwei Millionen iPads verkauft.
Das klingt imposant. Doch es gibt 308 Millionen Amerikaner. Die meisten iPads wurden bisher in den USA abgesetzt. Wie viele von 7,6 Millionen Schweizern müssten ein iPad kaufen, um auf diese Quote zu kommen? Geschätzte 50000. Wäre das imposant?
700000 Schweizer besitzen ein iPhone. Sie selbst benutzen einen Blackberry, ein Handy mit E-Mail-Funktion, mit dessen Hilfe wir uns jetzt gerade unterhalten ...
Und alle lesen auf dem Nachhauseweg in Tram und Bahn den «Blick am Abend». Wenn die Marketingstrategen recht hätten, müssten die Pendler in eines dieser amerikanischen Wundergeräte starren. Tun sie aber nicht! Letzte Woche wartete ich am Flughafen Charles de Gaulle auf einen verspäteten Flieger. Die Abflughalle war voll. Alles junge Leute. Und was taten sie? Vergnügten sie sich mit ihren Wundergeräten, die doch so viel können? Nein, sie lasen Zeitungen oder Zeitschriften. Und sie redeten miteinander.
Auf meinem iPad kann ich Zeitungen und Zeitschriften lesen, alles an Information und Unterhaltung konsumieren, worauf ich gerade Lust habe. Provokativ könnte ich behaupten: Mehr als mein iPad brauche ich nicht. Höchstens noch ein Natel.
Da kann ich Sie nur bedauern. Sicher sind diese Kommunikationsmittel nützlich in unserem Beruf, sogar in vielen Berufen. Sicher ist auch, dass sie grossen Unterhaltungswert besitzen, am meisten wohl für junge Menschen. Aber sie ersetzen nicht das Buch, nicht die Zeitung, nicht die Zeitschrift.
Sie scheinen so gar nicht fasziniert zu sein. Das nehme ich Ihnen aber nicht ganz ab.
Klar, das iPad ist ein Faszinosum. Vielleicht profitiert ja die Handtaschen-Industrie davon. Meine Schiefertafel musste ich schliesslich auch morgens und mittags im Schulranzen verstauen ...