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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, surfen Sie eigentlich?
Surfen?
Ich meine: Surfen Sie im Internet?
Ach so. Ja, da surfe ich. Aber eher selten.
Und warum nicht öfter?
Ich lese Zeitungen, wie in der Schweiz übrigens alle Pendler: jeden Morgen und jeden Abend. Nach den Theorien der Online-Süchtigen müssten wir allesamt gebannt auf Handy-Bildschirme starren.
Pendler lesen vor allem Gratiszeitungen.
Aber sie lesen Zeitungen. Noch nie lasen so viele Menschen Zeitungen, vor allem junge und ganz junge. Ob gratis oder nicht – das gedruckte Wort zieht sie in seinen Bann. Zeitungen sind magisch!
Magisch?
Papier knistert, es macht schwarze Finger, es fühlt sich gut an, es riecht auch. Druck ist ruhig, nicht flirrend, also wohltuend fürs Auge, ganz im Gegensatz zum unruhigen Bildschirm, auf dem alle Farben kalt wirken. Ja, die Zeitung ist ein warmes Produkt. Sie ist sinnlich.
Gut, aber wie steht es mit dem Inhalt? Kann die Zeitung noch mithalten mit den Möglichkeiten des World Wide Web?
Die Möglichkeiten des einen Mediums sind immer auch die Unmöglichkeiten des anderen. Die Zeitung, wie auch die Zeitschrift, ist ein Gesamtkunstwerk. Sie bietet, was man nicht sucht – also Dinge, die man nicht weiss, die man vielleicht nicht wissen wollte. Der Leser entdeckt andere Denkwelten, andere Bildwelten, andere Lebenswelten.
Und das Internet?
Dort finde ich, was ich suche. Das ist sinnvoll. Aber ich entdecke kaum Neues. Picasso soll einmal gesagt haben: «Ich suche nicht. Ich finde.» So ist die Zeitung. Wenn sie gut gemacht ist, bietet sie grosses Theater, Boulevard-Theater, inszeniert von beseelten Menschen, die andere Menschen begeistern möchten.
Und doch, Frank A. Meyer, ist es heute Mode, den Untergang der Zeitung zu prophezeien ...
Untergangs-Propheten haben Hochkonjunktur, auch die Propheten des Internet-Hypes. Doch erleben wir nicht gerade das Ende eines Hypes? Das Desaster einer Finanzwirtschaft, die sich in den letzten Jahren schon auf Gottes Thron sah – es gab nur noch sie und sonst nichts! Jetzt wird sie reduziert auf das ihr zustehende Mass.
Was macht Sie so sicher, dass die Internet-Euphorie, analog zur Finanz-Euphorie, demnächst abflauen wird?
Womit verdienen denn die Medienhäuser ihr Geld? Mit klassischen Medien! Mit Zeitungen und Zeitschriften. Womit verdienen sie kein Geld? Mit Internet-Portalen! Und das ist weltweit so. Passen wir auf, dass die Internet-Derivate der Medienwirtschaft nicht genauso enden wie die Subprime-Derivate der Finanzwirtschaft.
Ihre Meinung interessiert uns: Wer siegt: das Internet oder das gedruckte Wort? Diskutieren Sie mit anderen Lesern.