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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, übernächste Woche wählt die Bundesversammlung den Nachfolger von Bundesrat Samuel Schmid. Vergangene Woche sprachen wir über den legendären Bundesrat Willi Ritschard...
...nicht zufällig.
Wollen wir das Thema noch ein wenig vertiefen?
Ja, ich krame gern in Erfahrungen und Erinnerungen, wenn draussen der erste Schnee liegt. Es passt zur vorweihnachtlichen Stimmung.
An welchen Bundesrat erinnern Sie sich neben Willi Ritschard besonders gern?
An Hans Hürlimann.
Der Anwalt und Ständerat aus Zug war von 1973 bis 1982 Bundesrat. Er gehörte der CVP an und stand dem Eidgenössischen Departement des Inneren vor.
Wir mochten uns sehr und verbrachten viele gute Stunden an unserem Tisch im Terrassen-Restaurant des Hotels Bellevue in Bern. Ich lernte dabei, dass ein konservativer katholischer Generalstabs-Oberst ein offener, toleranter und neugieriger Mensch sein kann. Hürlimann war ein romantischer Patriot. Er liebte das historische Pathos. Feierlichkeit übermannte ihn. In solchen Momenten begann seine Stimme zu vibrieren.
Sie sind mit seinem Sohn Thomas Hürlimann befreundet, einem der bedeutendsten Schriftsteller der Schweiz...
...und einem grossen Meister der Sprache. In Berlin ist er im weitesten Sinne mein Nachbar. Er im Osten, ich im Westen. Wenn wir uns sehen, kommt die Rede immer wieder auf seinen Vater.
Und was bereden Sie da so?
Hans Hürlimann war als Politiker gar nicht zu verstehen ohne seine Söhne, wobei der jüngere, Matthias, leider sehr früh, mit 21 Jahren, an Krebs gestorben ist. Auch Hürlimanns moderne, fast mondäne Frau Marie-Theres spielte eine wichtige Rolle mit ihrem nonkonformistischen Denken. Die Hürlimanns waren eine ganz aussergewöhnliche Bundesratsfamilie. Thomas hat aus seiner Familienwelt wunderbare Romane gemacht.
Frank A. Meyer, mir fällt auf, wie herzlich Sie über Bundesräte aus längst verflossenen Zeiten reden, sogar über deren Familienmitglieder. War früher alles besser?
In den Siebzigerjahren waren die Bundesräte noch entschlossen zu regieren. Mit grossem Selbstbewusstsein und grossem Glauben an die Macht der Politik. Ich kann Ihnen neben Ritschard und Hürlimann noch andere nennen.
Zum Beispiel?
Zum Beispiel den sendungsbewussten Kurt Furgler, den trockenen Fritz Honegger, den autoritär-magistralen Pierre Graber, den sehr strengen Georges-André Chevallaz. Sie alle wussten: Wir haben etwas zu sagen. Und wir sagen es auch. Und wir verändern die Schweiz, wo sie verändert werden muss. Sie waren Regierer.
Regierer?
Sie interpretierten ihr Amt anders als unsere heutigen Bundesräte: als höchste Position, die in der Schweiz überhaupt zu erringen war, höher als jeder Chefposten in der Wirtschaft.
Warum imponiert Ihnen das?
Weil diese Bundesräte die Demokratie zur entscheidenden Macht im Land erhoben. Und die Bürger mit Stolz darüber erfüllten.
Ihre Meinung interessiert uns: Ist Bundesrat das höchste Amt, das es in der Schweiz zu erringen gibt? Diskutieren Sie mit anderen Lesern.