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Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, hören Sie eigentlich noch hin, wenn von Samuel Schmid oder der Affäre Nef die Rede ist?
Was heisst hier hinhören? Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus...
Dann können Sie mir vielleicht auch erklären, wie es zu einem derartigen Kommunikations-GAU kommen konnte.
Sie meinen, dass Schmid zugeben musste, schon 2006 von den Ermittlungen gegen seinen Armeechef- Kandidaten Nef gewusst zu haben und nicht erst ein Jahr später?
Und dass er sich demnach vor der Presse und seinen Bundesratskollegen um die Wahrheit herumgedrückt hat, obwohl er doch, wie wir alle wissen, über Dutzende von Kommunikationsberatern verfügt.
Vielleicht gerade darum.
Wie meinen Sie das jetzt?
Die Bundesräte werden heute von Beraterschranzen umrankt wie von schattenblättrigem Efeu – und lassen unter diesem Bewuchs ihre natürlichen Reflexe ersticken. Hätte der bodenständige Seeländer Schmid einfach auf sich selbst gehört, ihm wäre womöglich nur ein einziger Fehler passiert, nicht eine ganze Reihe.
Können Sie das ein wenig präzisieren?
Er hat zunächst vertraut, statt nachzufragen. Und zwar aus Scheu, dem Armeechef in spe zu nahe zu treten, sozusagen durchs Schlüsselloch zu gucken. Dieser Fehler wäre ihm gewiss auch ohne seinen Beraterschwarm passiert, aber vielleicht nicht die anschliessenden Schlaumeiereien.
Lassen wir einmal Samuel Schmid beiseite. Sie sind seit 40 Jahren akkreditierter Bundeshausjournalist: Was hat sich in Bern punkto Beraterwesen verändert?
Ich gebe Ihnen ein ganz konkretes Beispiel: Wenn Bundesrat Willi Ritschard einen Journalisten empfing, empfing Willi Ritschard einen Journalisten, niemand sonst. Genauso ein Hans Hürlimann, ein Kurt Furgler, ein Fritz Honegger. Übrigens galt das auch für Chefbeamte. Mir passierte es einmal, dass ein Divisionär mit dem Pressechef des Militärdepartements zum Gespräch anrückte – ich weigerte mich, das Interview in dieser Konstellation zu führen. Also wies Divisionär Wildbolz seinen Pressechef Mörgeli aus dem Raum.
Das wäre heute undenkbar!
Es macht ganz den Anschein. Die Medienmacht wird von den Regierenden offenbar als derart bedrohlich wahrgenommen, dass sie ständig einen sogenannten Kommunikationsexperten brauchen, der ihnen das Händchen hält, neuerdings brauchen sie sogar einen rechts und einen links. Vielleicht gehört es inzwischen zum Prestige, dass man als Bundesrat auf Schritt und Tritt von Souffleuren und Mäppchenträgern umschwänzelt wird. Im Hintergrund steht dann nochmals ein ganzer Chor an Vorsängern auf Abruf bereit. Je mehr Beraterhöflinge, desto imposanter der Status.
Journalisten haben keine Wahl. Sie reden fast schon mehr mit Beratern als mit Amtsträgern...
... Das mag für Hintergrundgespräche ja manchmal sogar sinnvoll sein. Aber Interviews mit Regierungsmitgliedern darf ein Journalist nur ohne Beisitzer machen. Allerdings muss dann der Kollege auch eine intellektuell kompetente Persönlichkeit sein. Heute werden auf Bundesräte leider – vor allem von den privaten elektronischen Medien – Knaben und Mädchen losgelassen, die das Abc der Politik nur stammelnd buchstabieren können, wenn überhaupt.
Aber wirken Bundesräte oder Manager nicht ganz einfach besser, wenn sie sich beraten lassen?
Sie wirken dadurch vor allem unechter. Und das spürt der Bürger. Politiker und Manager haben ihren Verlust an Glaubwürdigkeit in den letzten Jahren nicht zuletzt der teuren Beraterei zu verdanken – teuer in jeder Hinsicht.