Zum Schluss Über Boni, Banker und das Berner Larifari

  • Publiziert: 19.02.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
play Marc Walder, 44 (l.), ist CEO Ringier Schweiz und Deutschland.
Frank A. Meyer, 66, arbeitet als Journalist im Hause Ringier. (Geri Born / Illustration: Igor Kravarik)

Marc Walder: Auf einen Espresso mit Frank A. Meyer.

Sagen Sie mal, Frank A. Meyer, alle schimpfen jetzt über die Banker. Sind Banker eigentlich schlechtere Menschen?
Banker sind Banker und ihr Geschäft ist ihr Geschäft. Es geht in diesem Beruf von morgens früh bis abends spät um Geld, für Investment-Banker sogar 24 Stunden am Tag. Es geht um Milliarden-Gewinne und – wie wir heute wissen – Billionen-Verluste. Wer im Hamsterrad der Geldinstitute rennt und rennt und rennt, der hat nur eins vor Augen: Geld, Geld, Geld. Natürlich auch für sich selbst. Wo finden da noch andere Gedanken Raum?!

Um bei meiner Frage zu bleiben: Ist das denn schlecht?
Es ist zunächst die Realität. Nicht nur Banker, auch andere global schaltende und waltende Manager haben den Bezug zur Gesellschaft verloren. So merken sie gar nicht, was die Stunde geschlagen hat: Dass nämlich ihre Mitmenschen von ihnen, den Verantwortlichen des Desasters, Einsicht und Reue erwarten – vor allem Arbeitnehmer und Steuerzahler, die sich unter der Wirtschaftskrise ducken müssen und jetzt auch noch für Milliarden-Verluste aufzukommen haben.

Würde uns die Reue der Banker denn weiterhelfen?
Die allgemeine Wut auf Banker, Broker, Spekulanten und Manager ist eine verständliche Reaktion: auf die masslose Arroganz so vieler von ihnen. Und auf den merkwürdigen Umstand, dass bisher kaum einer der Täter dingfest gemacht wurde. Der grösste Betrüger aller Zeiten, Bernard Madoff, sitzt gemütlich daheim statt in einer Zelle. In der Schweiz hat die Justiz bisher nichts unternommen, um wenigstens zu untersuchen, ob beispielsweise bei der UBS gegen geltendes Recht verstossen wurde. Da kommt natürlich Wut hoch. Aber Wut löst kein Problem.

Viele sagen, das Zeitalter der Gier sei jetzt vorbei...
...Die Banker wurden gierig, weil ihnen die Gesellschaft grenzenlose Gier gestattete. Nun geht es darum, ihrer Gier durch Gesetze Grenzen zu setzen. In den Glastürmen der Geldinstitute waren nicht einfach moralisch verkommene Akteure des Wirtschaftsgeschehens versammelt. Es sind die Verhältnisse, die das Handeln und schliesslich den Charakter prägen – auch den von Bankern. Das entschuldigt zwar nichts. Aber es erklärt einiges.

Wer hat sich denn Ihrer Meinung nach schuldig gemacht?
Schuldig gemacht haben sich ganz besonders die Ideologen des Ultraliberalismus – Professoren, Publizisten und Politiker, die seit gut einem Vierteljahrhundert gegen den Staat hetzten und ihn daran hinderten, dem entfesselten Finanz-Kapitalismus Grenzen zu setzen.

Was ist, wenn die Wut weiterkocht?
Wenn die Krise anhält, wenn sie die Bürgerinnen und Bürger voll erfasst, dann kann geschehen, was wir alle nicht wollen: dass sich der allgemeine Zorn in Unruhen entlädt. Das sollten alle Politiker bedenken, die – gerade auch in der Schweiz – mit ihrer Larifari-Mentalität den Dingen freien Lauf lassen. Das Berner Laissez-faire bei den Boni ist ein bedenkliches Signal.

Ihre Meinung interessiert uns: Soll die Politik entschiedener gegen Schweizer Banker vorgehen? Diskutieren Sie mit anderen Lesern.

Marc Walder, 43 (l.), ist Geschäftsführer von Ringier Schweiz.

Frank A. Meyer, 65, arbeitet als Journalist im Hause Ringier.

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