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Svera, 16, Schweizerin pakistanischer Herkunft, wollte leben, wie junge Schweizerinnen heute nun mal leben. Dazu gehörte die Pflege ihres Aussehens: Sie schminkte sich, schmückte sich, frisierte sich, machte sich schön, wollte gefallen, vor allem natürlich jungen Männern.
Die Natürlichkeit Sveras missfiel ihrem muslimischen Vater: Er erschlug seine Tochter mit der Axt.
Die Ermordung dieses jungen Mädchens durch den eigenen Vater ist nur ein weiterer Fall islamischer Männergewalt gegen Frauen: vom Kleiderzwang über Züchtigung und Zwangsheirat bis hin zu Mord.
Ist solche Männermacht und Männergewalt kompatibel mit unserem demokratischen Rechtsstaat, der die Gleichberechtigung der Frau schützt – bis hinein in die Intimität der Partnerschaft: durch das Verbot häuslicher Gewalt, also von Schlägen und Vergewaltigung?
Dem muslimischen Mann gesteht der Koran das Erziehungsrecht über die Gattin zu. Das Recht, die Frau bei unbotmässigem Benehmen zu schlagen, ist im Islam unbestritten. Der einschlägige Koranvers dazu, Sure 4,34, lautet unmissverständlich: «Diejenigen (Frauen) aber, deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet, ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie.»
Die Gehorsamspflicht der Frau gegenüber dem Mann, im Sexuellen wie im Alltag, gehört zur religiösen Kultur des Islam. Die Grundlage für dieses ausgeklügelte System zur Unterdrückung der Frau ist die Scharia. Stets ist in ihren Rechtsvorschriften der Mann der Frau übergeordnet, ein Vormund, der für sie wichtige Entscheidungen trifft, der das Recht hat zu kontrollieren, wie sie sich in der Öffentlichkeit bewegt. Stockkonservative Muslime können sich sogar auf eine Regel aus den Überlieferungstexten berufen, nach der die Frau das Haus nur zweimal verlässt – am Tag der Hochzeit und auf der Totenbahre. Die mildere Form dieser Gefangenschaft ist die Vorschrift, dass sich die Frau total verschleiern muss, sobald sie das Haus verlässt, beispielsweise in der Burka, dem textilen Gefängnis für unterwegs.
Im Namen von Koran, Scharia und patriarchalischer Überlieferung werden Frauen heute noch überall in der Welt des Islam geschlagen, genital verstümmelt, zwangsverheiratet, vergewaltigt, eingesperrt, gesteinigt. Der Katalog der Grausamkeiten, so mittelalterlich er wirkt, ist eine aktuelle und akute Bedrohung nicht nur für Abermillionen Frauen, die in den islamisch geprägten Gesellschaften leben, sondern ebenso für Frauen in strenggläubigen Familien mitten unter uns. Wie Svera, die den Verstoss gegen dieses Regelwerk mit ihrem jungen Leben bezahlen musste.
Eugenia Binz arbeitet als Leiterin des Zürcher Mädchenhauses. Sie weiss, wie gefährlich vor allem für muslimische Mädchen das Leben in der Welt zwischen Islam und Freiheit ist. Der Drang dieser Migrantinnen nach Freiheit stosse immer wieder auf den Widerstand von Vätern und Brüdern: «Das geht bis zur Morddrohung oder der Drohung, ins Ausland geschickt und zwangsverheiratet zu werden.»
Und wen haben junge Frauen wie Svera auf ihrer Seite? Man müsste meinen: unser Rechtssystem und unsere Öffentlichkeit. Doch mehr und mehr predigen politische und publizistische Meinungsmacher Toleranz gegenüber der islamischen Frauenunterdrückung. Dabei verkehren sie Fakten ins Gegenteil. Zum Beispiel argumentieren die Schweizer Jungfreisinnigen folgendermassen gegen ein Burka-Verbot: «Es ist aus liberaler Sicht undenkbar, dass der Staat seinen Bürgern vorschreibt, was sie tragen dürfen.»
Der Satz ist dumm. Oder zynisch. Denn die Burka ist das Gegenteil von Selbstbestimmung: Sie ist die öffentlich auffälligste Form islamischer Frauenunterdrückung; sie ist ein augenfälliger, für unsere Kultur provozierender Ausdruck von Männerherrschaft. Das Verbot der Burka ergibt sich aus dem Gebot zur Gleichstellung der Frau. Es bedeutet Gleichberechtigung, wie sie in unserer Verfassung steht.
Die Jungfreisinnigen schreiben weiter: «Wenn eine Frau eine Burka aus Überzeugung tragen möchte, so darf ihr der Staat das nicht generell verbieten.» Auch hier stellen sie die Fakten auf den Kopf: Das Bekenntnis zum Islam erfordert die Unterwerfung unter die Gebote und Verbote des Islam, von der totalen Auslöschung der Frauenpersönlichkeit im extrem konservativen, zum Beispiel im wahhabitisch-saudischen Islam, bis zum schamvollen Verstecken der weiblichen Haarpracht in der konservativ-türkischen Glaubenswelt.
Dabei geht es immer um dasselbe, immer um das eine: um die Unterdrückung – um die Lebensbehinderung der Frau.
Die «Weltwoche» stellt auf der Titelseite ihrer aktuellen Ausgabe die Frage: «Muss der Islam verboten werden?» Wörtlich genommen – und so will der Koran ja verstanden werden, weil ihn Gott persönlich formuliert hat – ist der Islam mit seinem Scharia-Recht gewiss verfassungsfeindlich. Aber verfassungsfeindlich ist die katholische Pius-Bruderschaft ebenfalls.
Der Islam ist eine grosse Religion. Mit einer grossen Vergangenheit. Und leider heute auch mit einer grossen und deshalb gefährlichen historischen Verspätung – wovon nicht zuletzt der islamistische Terror gegen die Moderne zeugt.
Aber ein Verbot der Burka? In unserer offenen Gesellschaft? Grotesk! Und völlig überflüssig, denn der demokratische Rechtsstaat, in der Schweiz wie überall in Europa, hält genügend Gesetze und Gebote bereit, diese Religion, die ja auch ihre Würde hat wie alle Religionen, demokratietauglich zu machen.
Es MUSS gelten: Wer bei uns lebt, lebt nach unseren Rechten und Pflichten, lebt auch und vor allem nach unserer Vorstellung von der Gleichberechtigung der Frau. Oder er lebt nicht bei uns!
Der Islam als Religion und Rechtssystem ist ja nur das eine. Das andere sind Hunderttausende Menschen, die Muslime in unserem Land, sind Millionen Muslime in Europa. Die meisten von ihnen leben und lieben die Demokratie. Sie haben Arbeitsplätze gesucht und haben Freiheit gefunden – vor allem die jungen Frauen.
Wie Svera.
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Publizist Frank A. Meyer.
(RDB/Sobli)