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Der Sommer ist leider gar nicht gross. Kühl ist er vielmehr und regnerisch, Wasser gibt es im Überfluss. Und doch dürstet die Journalisten. Die verwaiste Berner Bühne will bespielt sein. Es ist wieder Saison für Sommertheater. Und es geht um die Besetzung respektive Neubesetzung des Bundesrats: Wer geht, wer bleibt, wer müsste gehen?
Der «BLICK», drastischer Dramaturgie nie abgeneigt, hat sich eine spektakuläre Inszenierung einfallen lassen: «Rücktritt, Rücktritt, Rücktritt, Rücktritt», ruft das Blatt und meint neben Samuel Schmid noch «drei seiner Kollegen», nämlich Micheline Calmy-Rey, Moritz Leuenberger und Pascal Couchepin. Was haben die vier Minister jetzt schon wieder angerichtet?
Samuel Schmid, die Schlüsselfigur der diesjährigen journalistischen Sommerfestspiele, hat Roland Nef mit blindem Vertrauen zum Armeechef gemacht. Zudem hat der betuliche Berner, eben weil er so blind vertraute, seine Regierungskollegen nicht über hormonal hervorgerufene häusliche Havarien seines inzwischen höchsten Offiziers orientiert. Das war ein Fehler. Zu Recht geht gerade ein Sommergewitter über Samuel Schmid nieder.
Micheline Calmy-Rey steckt in Kalamitäten wegen ihres Kopftuch-Auftritts in Teheran, aber auch wegen allzu freihändiger Vermittlungspolitik vom Nahen Osten bis nach Kolumbien. Vorübergehend verhagelt es ihr bisher so strahlendes Selbstbild. Das muss sie akzeptieren.
Moritz Leuenberger und Pascal Couchepin stehen zwar gerade nicht im Regen, aber sie sind einfach schon ein bisschen lange da, zu lang für Journalisten, die sich verpflichtet fühlen, den Lesern täglich etwas Neues zu servieren, also neue Gesichter mit neuen Geschichten.
Lässt man die medialen Bedürfnisse einmal ausser Acht, so fällt doch auf, dass die vier Mitglieder der Landesregierung ebenso ordentliche Politiker wie ordentliche Menschen sind: Samuel Schmid ein ehrlicher Makler seines unmöglichen Ministeriums; Micheline Calmy-Rey eine engagierte Frau in der Männerdomäne Diplomatie; Moritz Leuenberger ein feinsinniger Intellektueller im Departement handfester Interessen, vom Strassenbau bis zum AKW-Betrieb; Pascal Couchepin ein kunst- und geschichtsbewusster Freisinniger, also ein Exot in ebenjener Partei.
Zurücktreten? Diese vier? Doch nicht im Ernst! Sie sind bewährtes politisches Personal. Vertraute Persönlichkeiten. Sie haben gerade vier gruppendynamisch zerrüttete Regierungsjahre hinter sich, wobei ihnen diesbezüglich selbst nichts anzulasten ist. Wir dürfen sogar davon ausgehen, dass ihnen der liebe Gott in seiner Barmherzigkeit die 48 Monate vom Fegefeuer abzieht, die sie mit einem Kollegen ohne Kinderstube zubringen mussten.
Also lassen wir sie lieber erst einmal aufatmen – und zum Bundesratsalltag zurückfinden. Charles Maurice de Talleyrand-Périgord (1754–1838), Bischof von Autun und Frankreichs berühmtester Diplomat, folgte stets der Maxime: «Surtout pas trop de zèle.»
Das passt trefflich auf die aktuelle politische Sommerlage: «Vor allem keine unziemliche Hast.»
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Frank A. Meyer