Frank A. Meyer über den Islam: Ja, Kulturkampf!

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Ist das nun die Versöhnung der Muslime mit der Demokratie, von der die Islamflüsterer uns in den Medien vorschwärmten?

Sie verglichen ja die Revolten in Tunesien, Ägypten, Libyen und Syrien bereits mit dem Fall der Berliner Mauer 1989. Und wer ihre Frohbotschaft nicht glauben wollte, als die «Arabellion» Nordafrika und den Nahen ­Osten überrollte, den bezichtigten sie umgehend der Islamophobie.

Und heute? Heute tobt die islamische Welt von Nordafrika bis Asien in massloser Empörung gegen die demokratische Welt: Gewalt, Verletzte, Tote täglich. Auslöser war ein 14-Minuten-­Video, das den Islam schmäht – für die Einpeitscher ist der ­Streifen schlimmste Gotteslästerung. Gesehen hat ihn wohl kaum einer der nach Rache dürstenden Muslime.

Das Filmchen dient dem Mob zur Verunglimpfung der Demokratien: als Feindnationen des Islam. Es ist ein gefundenes Fressen für die muslimischen Fanatiker, von den Salafisten und Dschihadisten über die Muslimbrüder bis zu den Schiiten iranischer Prägung.

Und wie reagiert der Westen? Verdattert und verängstigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht «gute Gründe», die Aufführung des Videos in Deutschland zu verbieten. «Die mächtigste Frau der Welt», wie sie sich gern titulieren lässt, geht vor den mörderischen Muslimhorden in die Knie. Ein fatales Signal aus der demokratischen Welt: Wir weichen der Gewalt, wenn sie nur so richtig religiös-fanatisch daherkommt.

Anpasser und Beschwichtiger verur­teilen dieser Tage beflissen die gezielte Provokation sowie die miserable Machart der 14 Minuten: «Die Unschuld der Muslime» sei dumm, vulgär, geschmacklos.

Ja hätten denn die Islamisten darauf verzichtet, ihre Hassmaschine anzuwerfen, wenn es sich um ein filmisches Meisterstück handeln würde, unter der Regie von Polanski oder Tarantino? Wohl kaum.Muslime in London liefen Sturm gegen ein Werk des Filmkünstlers Martin Scorsese. Muslime in Genf verhinderten eine Lesung von Texten des Aufklärers Voltaire.

Was ist Freiheit wert, wenn sie nicht auch Freiheit zur Provokation bedeutet? Wer zur Zufriedenheit aller filmt und redet und schreibt, bedarf der Freiheit nicht. Freiheit bietet Schutz für das Unangepasste, das Abwegige, das Missglückte, das Bös­gemeinte, auch für den schlechten Geschmack.

Die Feiglinge der freien Welt in Medien und Politik verraten mit ihrem Weg­ducken höchste westliche Werte. Dazu gehört der Wert des freien und frechen Wortes gerade auch gegen Gott und Religion – eine revolutionäre Errungenschaft der ­offenen Gesellschaft. Die Macht von Papst und Pfaffentum wurde damit gebrochen.

Soll diese essenzielle Freiheit nun keine Geltung mehr haben für die verspätete Glaubenswelt des Korans? Setzen wir unsere liberalen – freisinnigen! – Verfassungen und Grundgesetze willfährig ausser Kraft, nur um Ruhe zu haben vor dem Meinungsterror der Islamisten?

Wir haben uns daran gewöhnt, dass der Islam sich ständig irgendwo und irgendwann beleidigt fühlt, dass er blitzschnell jeden der Gotteslästerung und des Rassismus bezichtigt, der sich kritisch mit dieser Religion auseinandersetzt – einer Reli­gion, die untauglich scheint für Freiheit und Menschenrechte, für Demokratie und Rechtsstaat, wie es uns soeben von Nordafrika bis Südostasien vorgeführt wird.

Aber geht es bei all dem Aufruhr überhaupt um Religion? Der Islam kennt keine Trennung von göttlicher und welt­licher Herrschaft. Deshalb geht es stets um Politik, wenn Allah öffentlich und lautstark beschworen wird, um politische Macht.

Die deutsch-türkische Soziologin Necla Kelek sagt es so: «Die eigentliche Provokation für diese Welt ist nämlich nicht ein Schmähvideo, sondern der Lebensstil, der Erfolg und die Freiheit des Westens – und die ei­gene Perspektivlosigkeit.»

Das ist der Stachel im Fleisch der Mus­lime: Die islamische Welt ist zurück­geblieben, politisch, wirtschaftlich und kulturell. Und weil das so ist, muss die westliche Moderne in vergangene Zeiten zurückgezwungen, zurückgebombt werden, in denen die Religion noch unan­gefochten und stolz ihre Herrschaft ausübte.

Richard Herzinger schreibt dazu in der deutschen Tageszeitung «Die Welt»: «Das Ziel der islamistischen Erweckungsbewegung ist nicht bloss die ‹Befreiung› islamischen Bodens von fremden Eindringlingen, es ist die Weltherrschaft des Islam, wie sie ihn versteht: als totalitäre religiöse Diktatur.»

Ja, wir stecken mitten im Kulturkampf.

Beliebteste Kommentare

  • Hans >Peter  Läuchli , Vellerat
    Ich kenne ja diesen Meyer gar nicht mehr! Bravo, bravo, bravo. Ich kann seinen Aussagen nur 150 Prozent zustimmen.
    U/nsere freiheitlichen Werte sind wertvoller als alles ideologische, unversöhnliche Geschrei rückwärtsgewandter religiöser Fanatiker egal welcher Religion.
    Wir wollen doch nicht zurück zur Inquisition, Zensur mit Index, galoppierender Volksverdummung und daraus resultierenden Hexenverbrennungen jeglicher Art. Was wir brauchen sind Politiker die solche Demonstrationen die sich gegen die Meinungsfreiheit richten unterbinden und pickelhart durchgreifen.
    Was Anpassung bringt haben wir im letzten Jahrhundert genug gesehen.
  • Juerg  Blaser , Kirchberg , via Facebook
    Endlich jemand, der es auf den Punkt bringt!

Alle Kommentare (49)

  •   Ron Ritter , Anaheim, Ca.
    Jetzt aber? Hätte nie gedacht, dass ich irgendwann einmal weitestgehend deckungsgleich die Ansichten mit Herrn FAM teilen würde... Alles Andere wurde in den bereits verfassten Feedbacks weitestgehend erörtert, sodass ich mich hier eigentlich ganz schreibfaul der Mehrheitsmeinung anschliesse und auch mit verbalen Steinen schmeisse, zumal man dieser Sprache ja im Islam durchaus mächtig ist!!!
    • 26.09.2012
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    • 3
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