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Marcel Ospel, einst allmächtiger Chef der UBS, war unter den Schweizer Bankern der grossspurigste: Er machte aus der grössten Schweizer Bank eine global führende Zocker-Zentrale. Er steuerte das einst grundsolide Institut in einen der weltweit grössten Crashs der Finanzkrise 2008. Nebenbei wollte er die Regierung «Anstand lehren».
Bundesrat und Nationalbank retteten den Banken-Paten und seine UBS schliesslich mit Milliarden vor dem Untergang – anständig, wie sie nun mal sind.
Konrad Hummler, einst wortmächtiger Teilhaber der Bank Wegelin, war unter den Schweizer Bankern der grossmäuligste: Er beschimpfte Deutschland als «Unrechtsstaat», lobte Kapitalflucht als «Notwehr», geisselte die «geradezu atemberaubende Doppelmoral der Amerikaner» und stufte die USA mit dem ihm eigenen Hochmut zur «unattraktiven Grossmacht» herab.
Jetzt rettet die Raiffeisen-Bank – anständig, wie sie nun mal ist – den sauberen Teil von Wegelin vor dem Zugriff der amerikanischen Justiz. Den Giftschrank der ältesten Bank der Schweiz mit Schwarzgeld aus Steuerbetrug muss Konrad Hummler behalten.
Gestern noch Gröbaz
So hart kann das Schicksal sein, vor allem, wenn man es partout herausfordert: Gestern noch Gröbaz: «grösster Banker aller Zeiten». Heute kleinlaut im Schmollwinkel – mit tröstlich grossem Vermögen immerhin. Damit uns nicht gleich noch die Tränen kommen.
Ist der einst so redselige Hummler noch der Rede wert? Er ist es! Denn bis zum heutigen Tag amtet er als Verwaltungsratspräsident der «Neuen Zürcher Zeitung», dem Methusalem im Schweizer Blätterwald, fast so alt wie die Bank Wegelin.
Die NZZ trägt die Aura von Noblesse wie eine Monstranz vor sich her. Auch darin einer holzgetäfelten Privatbank ähnlich. Sie pflegt Zeit und Welt, wie sie gern formuliert, «im Lichte» von Abgeklärtheit und Distanz zu betrachten. Einst war dies ihr inhaltliches Charakteristikum, heute ist es wenigstens noch konsequent praktizierte Attitüde, weil weiterhin tauglich fürs Marketing.
Passt da ein bramarbasierender Berserker noch an die VR-Spitze? Ja, er passt! Denn die NZZ hat sich arg verändert, und zwar ganz im Geiste Konrad Hummlers, dessen lärmendes Ego nicht einmal Befehle bellen muss, um Journalisten nachhaltig zu beeindrucken.
Bei der «Neuen Zürcher Zeitung» schrieb man sich vor den Wahlen die Finger wund für den anderen grossen rhetorischen Randalierer Christoph Blocher; beweinte bitterlich die Wiederwahl der Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf; zieh die Parteien, die der rechtspopulistischen NZZ-Wahlempfehlung nicht folgen mochten, einer historischen Fehlleistung; ist man zu sanft kritischen Auslassungen über das Idol von Herrliberg nur ohne Namensnennung fähig. Und wenn man es einmal ebenso furchtsam wie zaghaft wagt, auch der SVP einige skeptische Sätze zu widmen, dann nicht ohne pflichtschuldiges Abwatschen der SPS zum Auftakt des Artikels.
Kapitalflucht als «Notwehr»?
Für die «Neue Zürcher Zeitung» ist sehr, sehr rechts immer noch bürgerlich. Konrad Hummler wacht über ein Blatt, das so denkt wie er selbst.
Und als müsse dies noch bewiesen werden, eilte ihm gestern, in der Stunde grösster Not, der Chefredaktor zu Hilfe: «Ein Weckruf für die Schweiz» sei der Untergang der Bank Wegelin, denn Konrad Hummler opfere notfalls sein privates Vermögen, und zwar «auch für die Integrität des Finanzplatzes», was wiederum «von einem tieferen staatspolitischen und volkswirtschaftlichen Verständnis» zeuge.
Schwülstiger könnte nicht einmal Hummler selbst seine Zwangslage schönreden – und reden, das kann er!
In der «Neuen Zürcher Zeitung» war gestern auch zu lesen, Konrad Hummler sei einer, «der sich nicht scheut, die Dinge … öffentlich deutsch und deutlich beim Namen zu nennen».
Kapitalflucht als «Notwehr»? Deutschland ein «Unrechtsstaat»? «Atemberaubende Doppelmoral der Amerikaner»? Alles «Dinge», die Held Hummler «im Lichte» der NZZ «deutsch und deutlich», also zutreffend, «beim Namen» genannt hat?
Man muss das Bekenntnis der «Neuen Zürcher Zeitung» zu ihrem Verwaltungsratspräsidenten deutsch und deutlich beim Namen nennen: Es ist wahre Liebe. Eine solch tiefe, emotionale wie kongeniale Beziehung aber darf nicht mutwillig zerstört werden. Schon gar nicht wegen der böswilligen Nachrede einer «unattraktiven Grossmacht».
Es wäre eine Sünde.
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