Frank A. Meyer Hans was Heiri

  • Aktualisiert am 02.01.2012

Folgendes berichtete ein Insider vom Finanzplatz Lugano jüngst dem BLICK: Spezialisten für den Schmuggel italienischer Steuerfluchtgelder erwarben im Tessiner Dorf Arzo eine Parzelle an der Schweizer Grenze – durch Strohmänner, versteht sich; sie erwarben zudem die Nachbar-Parzelle auf italienischem Boden; sie erwarben also ihr eigenes Stück Grenze: Ihre Kuriere konnten die Geldpakete völlig unbehelligt durch Zoll und Finanzpolizei aus Italien in die Schweiz schleppen.

Eine hübsche Geschichte aus unserem südlichen Steuerfluchtparadies. Es ist nicht die einzige. Über die korrupte italienische Finanzpolizei werden ebenso saftige Anekdoten kolportiert wie über die gerissenen Methoden des Geldtransfers auf Schweizer Konten.

Sogar Italiens strenger Finanzminister Giulio Tremonti ist unterdessen redselig geworden und verweist auf seine intime Fachkenntnis in Sachen Steuerflucht: Er sei ja selbst lang genug Steuerberater gewesen – in Mailand, etwa 60 Kilometer vom Tessin. Jetzt möchte Tremonti «am liebsten die Armee» schicken, um die Schwarzgeld-Szene beiderseits der Grenze zu bekriegen. Deutschlands Peer Steinbrück hatte nur mit Peitsche und Kavallerie gedroht.

Nun drohen die Banker unter der Südschweizer Sonne nicht weniger hitzig zurück: Sie wüssten so einiges über Geldschieber aus höchsten italienischen Kreisen; und sie wüssten mit diesem Wissen bei Bedarf auch durchaus etwas anzufangen. So erzählte der Luganeser Finanzplatz-Insider dem BLICK von «einigen Personen, die zu meinen Kunden zählten» und die heute «in der Regierung sitzen». Darum «staune» er über die Aggressivität der italienischen Behörden.

Wes das Herz voll Zorn ist, des geht der Mund über: Banker, deren Geschäft mit der Steuerflucht jahrelang lief wie geschmiert, beschreiben plötzlich ihre Klientel als moralisch minderwertig – natürlich hinter vorgehaltener Hand und anonym, wie es sich für Banker gehört. Doch die Drohung liegt in der Luft: Wenn die Italiener unseren Finanzplatz weiterhin so böswillig bedrängen, könne man auch anders, nämlich die Omertà brechen – und ganz vulgär auspacken.

Diese und andere Geschichten, die gegenwärtig der Finanzplatz Lugano schreibt – was lehren sie uns?

Dass in der italienischen Regierung Minister sitzen, die selber einst betrieben haben, was sie nun nicht mehr wahrhaben wollen? Dass Giulio Tremonti also ein falscher Heiliger ist? Dass die ebenso temperamentvollen wie wortgewandten Steuerflüchtlinge aus dem Süden unsere seriösen Luganeser Banker zum Steuerfluchtgeschäft geradezu verführten? Dass die Italiener die Bösen sind? Und unsere Banker deren treuherzigen Opfer?

Die Geschichten und Gerüchte, das Getuschel und Geraune, die Anekdoten und Anklagen vom Finanzplatz Lugano lehren uns, dass die Fluchtgeld-Banker ganz genau wussten, welche Geschäfte sie betrieben und wie diese Geschäfte zustande kamen: unter welch fragwürdigen Umständen, mit welchen Tricks – mit wie viel krimineller Energie.

In solchen Deals sind die Kontoführer keinen Deut besser als ihre Kunden.

Hans was Heiri.

Publizist Frank A. Meyer.

- RDB/Sobli

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