Frank A. Meyer Gottvater Brabeck

  • Aktualisiert am 20.01.2012

Wie war das damals, als Gott die Welt schuf?

Am zweiten Tag wandte sich der Schöpfer dem Wasser zu, der Urflut, die den Erdball bedeckte, und sprach: «Es werde eine Feste inmitten der Wasser, und sie scheide die Wasser voneinander! Und es geschah also.»

Am dritten Tag widmete sich Gott erneut dem Wasser und sprach: «Das Wasser unter dem Himmel sammle sich an einen Ort, dass das Trockene sichtbar werde! Und Gott nannte das Trockene Land, und die Ansammlung der Wasser nannte er Meer.»

Am fünften und am sechsten Tag schuf Gott die Lebewesen, zuerst die Tiere und dann den Menschen. Die Tiere und der Mensch aber waren nur lebensfähig, weil Gott zuerst das Wasser geschaffen hatte.

Ja, Gott wusste, wozu er das Wasser schuf: für das Leben!

Doch Peter Brabeck, Chef von Nestlé, weiss es besser. Im Kino-Dokumentarfilm «We Feed the World» («Nahrung bis zur Geschmacklosigkeit») korrigiert er Gott mit folgenden Worten:

«Ja, da gibt es doch bei uns so ein schönes Lied: Wasser braucht das liebe Vieh, hollera und holleri (...) Also Wasser ist natürlich das wichtigste Rohmaterial, das wir heute noch auf der Welt haben. Es geht darum, ob wir die normale Wasserversorgung der Bevölkerung privatisieren oder nicht. Und da gibt es zwei Anschauungen. Die eine Anschauung, extrem, würde ich sagen, wird von den NGOs vertreten, die darauf pochen, dass Wasser zum öffentlichen Recht erklärt wird. Das heisst, als Mensch sollen Sie einfach das Recht haben, Wasser zu haben. Das ist die eine Extremlösung. Und die andere, die sagt: Wasser ist ein Lebensmittel; so wie jedes andere Lebensmittel sollte das Wasser einen Marktwert haben. Ich persönlich glaube, es ist besser, man gibt einem Lebensmittel einen Wert, so dass wir uns alle bewusst sind, dass das etwas kostet (...)»

So also interpretiert Peter Brabeck die Schöpfung neu: Das Wasser ist nicht mehr Element des Lebens überhaupt. Es ist ein neues Geschäftsfeld für das weltumspannende Unternehmen Nestlé. Der Mensch hat kein Recht auf Wasser. Er muss die Ware Wasser beim privaten Anbieter kaufen – am besten bei Nestlé.

Wer nicht einsieht, dass Gottes Wasser zu Nestlés Wasser werden muss, der huldigt, so Peter Brabeck, einer «Extremlösung».

Gott ist ein Extremist. Wir haben es geahnt.

Sollen wir diesem Extremisten weiterhin folgen? Weiss Gott, nein! Deshalb brauchen wir, gottverlassen wie wir nun sind, einen neuen Gottvater: Peter Brabeck, deutet er doch die Schöpfungsgeschichte so neu, so frisch, so volksnah. Hollera und holleri!

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