
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Jetzt ist es so weit. Die Krise ist da: eine weltweite Finanzkrise, also gerade gross genug für die politische Statur, die Blocher sich selbst zuschreibt. Die Welt braucht einen Churchill. Also braucht die Schweiz Blocher. Mindestens.
Was hat der alt Bundesrat zu bieten? Erstens soll das Lohnniveau der UBS dem eines Bundesbetriebes angeglichen werden; zweitens soll die UBS in zwei handliche Banken aufgespalten werden; drittens soll der Bundesrat Staatsvertreter in den UBS-Verwaltungsrat entsenden.
Die «Neue Zürcher Zeitung» stellt verdattert fest:«Sozialismusdebatte in der SVP.» Und sie hat recht. Blochers Remedur für die krisengeschüttelte Grossbank ist bei den Sozialdemokraten abgekupfert.
Beinahe wäre der Populist zu spät gekommen, fast hätte er die herbeigesehnte und endlich eingetroffene Krise verpasst. Gerade noch rechtzeitig springt er jetzt ins Boot der Linken, die seit Monaten gegen den Strom der Laisser-faire-Politik von Bundesrat, Nationalbank und Finanzmarktaufsicht anrudern.
Doch wogegen schwingt Blocher in Hodlerscher Heldenpose sein Holzfäller-Beil? Er schwingt es gegen eine Krise, zu deren Wegbereitern er gehört: die Krise des entfesselten, weil unregulierten Finanzkapitalismus; das Desaster der Shareholder-Value-Ideologie; das Debakel des Neoliberalismus.
In den Neunzigerjahren verbündete sich Blocher mit Martin Ebner, um der konservativ-soliden Schweizer Finanzwirtschaft den Marsch zu blasen. Mit Ebners Beteiligungsvehikeln, den sogenannten Visionen, setzten die beiden Kumpane Unternehmen unter Druck. Nach dem Prinzip: Eigenkapital runter, Fremdkapital rauf, höhere Rendite. Denn die Gottheit der Shareholder-Value-Propheten hiess «Eigenkapitalrendite».
Auf diese Weise wurde die damalige Bankgesellschaft, die heutige UBS, in eine Richtung gedrängt, die sie an den Rand des Abgrunds führte: Rendite um jeden Preis! Den horrenden Preis berappen jetzt die Steuerzahler.
Auch die solide Winterthur-Versicherung trieben Ebner und Blocher ins Verderben: Sie attackierten sie, indem sie sich einkauften; die Assekuranz versuchte, dem aggressiven Renditedruck auszuweichen und rettete sich unter das Dach der Credit Suisse – wo sie verkam. Die Verantwortlichen machten sich mit Gewinn aus dem Staub.
Im Wallis stieg das Duo bei den zur Algroup vereinigten Alusuisse und Lonza ein. Das Traditionsunternehmen wurde flink filettiert und Alusuisse lukrativ an einen US-Konzern verkauft.
Blochers Finanz-Intimus Ebner reiste als Wanderprediger durchs Land, hetzte gegen den Staat, propagierte die Privatisierung von allem und jedem, animierte einfache Bürgerinnen und Bürger zum Aktiensparen. Es war die grosse Zeit der neoliberalen Grossmäuler.
Blocher seinerseits setzte ganz auf die Globalisierung, machte seine Ems-Chemie zum weltweit tätigen Unternehmen, von China bis in die USA. Zu Hause gebärdete er sich als nationalkonservativer Heilsbringer.
«Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?», soll der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer einst gesagt haben, als man ihn auf eklatante Widersprüche seiner Politik aufmerksam machte. Was interessiert den Blocher von heute der Blocher von gestern?
Gestern neoliberal. Heute etatistisch. Morgen was? Völlig einerlei. Der Bock will Gärtner sein.
play
Publizist Frank A. Meyer.
(RDB/Sobli)