Frank A. Meyer Zu gross fürs Gefängnis – ein Sittenbild

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Auf der Titelseite der «Frankfurter Allgemeinen» (FAZ) waren am Freitag folgende Sätze zu lesen: «Banken haben die Weltwirtschaft in den Abgrund geführt. Banken haben unglaubliche Verluste auf den Steuerzahler abgewälzt. Banken haben durch die Sozialisierung ihrer

Billionenverluste die Staatsschulden in die Höhe und Länder in den Bankrott getrieben. Banken sollen den wichtigsten Zins der Welt sowie den Goldpreis und Devisenkurse manipuliert haben.»

Die FAZ ist eine konservative Zeitung, das Heimatblatt des Frankfurter Finanzplatzes. Sie zielt mit ihren finsteren Zeilen auf die global tätigen Grossbanken, von JP Morgan über die UBS bis hin zur Deutschen Bank. Sie schreibt über diese Sorte Banken wie über ein Verbrecher-Kartell.

«Die Welt», Springer-Blatt aus Berlin, das sich der marktradikalen Ideologie mit Haut und Haaren verschrieben hat, widmet den Skandalen der Grossbanken unter dem Titel «Wer einmal lügt ...» Worte der Ver­achtung: «Mittlerweile weiss man schon gar nicht mehr, was nicht manipuliert wird. Und wenn neue Verdachtsfälle auftauchen, ist man auch nicht mehr verwundert.»

Die «Neue Zürcher Zeitung» endlich, das treu ergebene Hausblatt der Schweizer Finanzszene, zieht bitter enttäuscht das Fazit: «Verfehlungen in den Handelsräumen der Banken müssen angesichts ihrer Häufung in den vergangenen Jahren als systemisch bezeichnet werden.»

In den Führungsetagen der global tätigen Finanzwirtschaft herrschen kriminelle Zustände. Die globale Finanzwelt gleicht einer Mafiasippe, deren Mitglieder profitgierig das Gesetz beugen und brechen, das sie für ihr Treiben ohnehin als irrelevant erachten. Anders sind diese Einlassungen konserva­tiver, rechter und finanzwirtschaftsnaher Zeitungen nicht zu interpretieren.

Wann sind zum letzten Mal kriminelle Geldhändler verhaftet worden? Wann stehen das nächste Mal Spitzenbanker von Spitzenbanken vor Gericht?

Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die Chefs der Deutschen Bank, führen weiter das Geldhaus, das unter ihrer Mitwirkung zur berüchtigtsten Skandal-Klitsche der internationalen Finanzwelt geworden ist. Josef Ackermann, während zehn Jahren oberster Chef der Deutschen Bank, geht seiner Rentnerwege, in der Schweizer Heimat umschwärmt und umschmeichelt.

So steht es um die Kaste, deren liebstes Wort lange Jahre Verantwortung lautete. Vollmundig begründete sie damit ihre Bereicherung durch exorbitante Boni: Schliesslich habe, wer schwere und schwerste Verantwortung trage, auch ein Anrecht auf Ver­gütung, die solcher Verantwortung ent­spreche.

Doch was ist das: Verantwortung? Ein leeres Wort? Eigentlich nicht, sollte man meinen. Eigentlich droht es, sollte man ebenfalls meinen, den Verantwortlichen mit Konsequenzen, wenn sie ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Mit schmerzhaften Konsequenzen, sollte man abschliessend eigentlich meinen, finanziellen und strafrechtlichen und gesellschaftlichen.

Doch alles, was der Bürger im demokratischen Rechtsstaat eigentlich meinen zu sollen gewohnt ist, hat für die höchsten Gefilde der Finanzwirtschaft keine Gültigkeit.

Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen. Im grossen Geldgeschäft gibts offenbar nur Grosse.

Wenn eine Bank zu gross ist, um sie bankrottgehen zu lassen, sie also mit Steuergeld gerettet werden muss wie gerade erst die UBS, wird sie als «too big to fail» bezeichnet – zu gross, um unterzugehen.

Der perverse Spruch lässt sich trefflich für Grossbanker abwandeln: «too big to jail» – zu gross, um ins Gefängnis zu kommen.

Das herrschende Recht als Recht der Herrschenden!

Deutschlands grosser antikapitalistischer Dramatiker Bertolt Brecht formulierte in der «Dreigroschenoper» 1931 den legendären Satz: «Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?»

Seit dem Bankencrash 2008 ist Brechts Satz überholt. Neu muss er lauten: «Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen das Ma­nagen einer Bank?»

Publiziert am 15.12.2013 | Aktualisiert am 15.12.2013
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12 Kommentare
  • Simon  Purestone aus Zürich
    15.12.2013
    FAM hat absolut Recht. Aber auch Blocher hatte Recht, als er vor Jahren, ab 2008, vehement forderte, dass dass das Investbanking vom normalen Banking getrennt werden sollte, damit man wenigstens die Banken der Reichen ohne Staatsgefährdung hobs gehen lassen könnte.
    Ideologische Kämpfe verhinderten diesen Vorschlag. Der Schreibende hat selbst erlebt, wie linke Banker und Chefs ebenso skrupellos arbeiteten. Blocher wurde von der UBS, weil unbequem, vor Jahren abgesägt.Reiche haben auch mal Recht
  • Max  Brüllhardt 15.12.2013
    bin immer angetan von Herrn Meyers Kommentaren; er ist das Gewissen der Nation und dringend nötig bei all der Heuchelei und fragwürdigen Aktivitäten in Politik und Wirtschaft. So wie es vor langer Zeit Gesetzte brauchte zur Trennung von Kirche und Staat brauchen wir heute dasselbe für die Verbandelung mit der Finanz-Wirtschaft. Wird aber ein schwieriger Kampf.
  • Peter  Ehrbar aus Gonten
    15.12.2013
    Die Sicht dieser Dinge ist nicht neu! Leider aber zu spät um noch Gegensteuer geben zu können. Die Politik ist inzwischen ein Teil der Banken und die Politiker deren Angestellten. Für mich ist der Kapitalismus in dieser Form definitiv gescheitert. Wahrscheinlich wird es unsere Nachkommen mit aller Härte treffen,.
  • Leo  Erne 15.12.2013
    Ganz unrecht haben Sie nicht Herr Meyer, aber ganz recht eben auch nicht. Mit dem fast Untergang bzw. der Rettung der UBS, hat die Nationalbank bzw. der Bund Geld verdient. Und vor kurzer Zeit war für Sie noch die UBS, Sodom und Gomorrha der internationalen Finanzwelt, jetzt ist es die Deutsche Bank. Ja was nun?
  • Hanspeter  Niederer 15.12.2013
    Meine Version: was ist der Unterschied zwischen einem Bankräuber und einem Bankmanager? Keiner - falls der Bankräuber nicht erwischt wird !