Frank A. Meyer Totalitäre Religion

Moderne Zivilisation ­bedeutet die freie Gesellschaft des christlich-jüdischen Kulturkreises. Der Islam aber funktioniert wie eine reaktionäre Zeitmaschine, schreibt SonntagsBlick-Kolumnist Frank A. Meyer.

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Wie lautete er gleich wieder, jener Satz des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos, den Papst Benedikt XVI. bei der ominösen Regensburger Vorlesung im September 2006 zitierte?

«Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.»

Für den damaligen Bischof von Rom wurde der Auftritt zum PR-Desaster. Wie steht es heute mit dem acht Jahre alten Zitat, mit dem 600 Jahre alten Satz? Bewahrheitet sich die Aussage nicht tagtäglich?

Der Islam wütet durch nahezu sämtliche Regionen, die er religiös bestimmt: Massaker unter Muslimen, Terror gegen Andersgläubige, Entführung von Mädchen, Erniedrigung von Frauen, Vernichtung von Kulturgut, Versklavung von Arbeitern.

Die Liste ist endlos. Der Islam beherrscht die Nachrichten, noch immer und weiterhin.

Der Islam? Unter Linken, Grünen und Linksliberalen gilt die Sprachregelung, dass derlei Schrecken, wie sie Tag und Nacht aus Allahs Hoheitsgebieten zu vermelden sind, nichts, aber auch gar nichts mit dem Islam zu tun haben, dass es sich vielmehr um Islamismus handle, um Dschihadismus gar, welcher – zugegeben – das Böse sei, ganz im Gegensatz jedoch zum friedfertigen und wohltätigen Islam. Denn diese Religion sei gut.

Es war Benedikts Fehler, dass er sich in Regensburg nicht an solchen Neusprech hielt. Es ist der Fehler der muslimischen Islamkritiker Necla Kelek und Hamed Abdel-Samad, wie es überhaupt der Fehler ist von allen, die in Mohammeds Verkündigung den Schoss erblicken, aus dem das Ungeheuer kroch und kreucht und kriechen wird.

Könnte es sein, dass es so ist, wie es scheint? Könnte es sein, dass eine historisch heillos verspätete Religion die Gegenwart mit ihrer Forderung heimsucht, die Geschichte müsse zurückgedreht werden um mindestens 300 Jahre, nämlich in die Zeit vor der Aufklärung?

Könnte es sein, dass der Islam wie eine reaktionäre Zeitmaschine funktioniert?

Der Koran-Komplex, zu dem die Scharia und die sogenannten Überlieferungen zu zählen sind, erhebt unverblümt Anspruch auf Macht sowohl über die Gesellschaft wie über den Gläubigen. Also die totale Macht über das menschliche Leben – totalitäre Macht, wie keine säkulare Despotie oder Diktatur sie je auszuüben imstande war.

Aber so funktioniert nun einmal jede Religion mit politischem Herrschafts­anspruch: Sie sichert das gesellschaft­liche Gefängnis hermetisch ab, bis hinein in die Seele des Menschen, so dass er seine Unterwerfung als Glaubensakt erfährt. Tief verschleierte Frauen, die erklären, sie stülpten sich Burka, Tschador oder Hidschab freiwillig über, liefern dazu das Sinnbild.

Moderne Zivilisation dagegen bedeutet nichts anderes als die freie Gesellschaft des jüdisch-christlichen Kulturkreises. Was wiederum bedeutet: blühende Forschung und Wissenschaft und Literatur und Philosophie und Kunst und überhaupt die unbändige Lust an Ver­änderung und Entwicklung.

Das Resultat ist das, was Karl Popper, der grösste Philosoph der modernen Demokratie, die «offene Gesellschaft» genannt hat. Popper meinte damit eine Gesellschaft, die sich nach dem Prinzip Versuch und Irrtum ent­wickelt – allein dieses Prinzip ist in den Augen islamischer Rechtgläubiger des Teufels.

Doch exakt dieses Prinzip, seit den Frühzeiten der Aufklärung sukzessive eingeübt – und nicht zuletzt gegen die katholische Kirche durchgesetzt –, begründet den gewaltigen Erfolg der westlichen Welt sowie ihre Distanz zur islamischen Kultur.

So pflegt das Prinzenpack der arabischen Despotien zwar über iPhone zu kommunizieren – die eigene Kultur aber ist zu keiner vergleichbaren technischen Leistung fähig. Auch inszenieren sich die Protz-Potentaten weltweit als Investoren – für die Arbeit zu Hause aber sind sie angewiesen auf die Fachkräfte aus der Gesellschaft der Ungläubigen. Mit ihren Fonds, gesättigt durch Ausbeutung fossiler Energieträger, kaufen sie sich ein in westliche Unternehmen – verbieten ihren Frauen aber das Autofahren.

Während die computer­getriebene Börse die Abwicklung globaler Geschäfte in Nanosekunden ermöglicht, in der permanenten Gleichzeitigkeit, in der absoluten Jetztzeit, lebt der Islam ein Bewusstsein, dessen historische Zeitzone Hunderte von Jahren zurückliegt.

Für die Menschen dieses Kulturraums tief im Brunnen der Vergangenheit bedeutet das: Behinderung von Intelligenz, von Neugierde, von Ehrgeiz, von Eigenverantwortung – von Leben! Und zwar nicht nur für Frauen, denen ja schon das Kopftuch jedes spontane und neugierige Wechseln der Blickrichtung erschwert.

Nein, auch Männer, zumal die jungen, werden in ihrer Entwicklung gehemmt durch die vom Koran gelehrte Selbstgewissheit: Es genügt, dass ich ein Mann bin! Konsequenz dieser jämmerlichen Macho-Identität ist die Unterdrückung der Frau – ein männliches Erziehungsrecht, das laut Koran-Sure 4,34 die körperliche Züchtigung einschliesst.

All die Dogmen sind bis heute gültig, und zwar so sehr gültig, dass die von westlichen Unternehmen hofierten arabischen Geschäftspartner nach ihrer Rückkehr von Meetings in Zürich, Frankfurt oder London Dschihadisten finanzieren: Saudi-Arabien und Katar betätigen sich seit Jahren als Mäzene der mörderischen Feinde von Demokratie und Rechtsstaat.

Wenn dies aber mit dem richtig verstandenen Islam nichts zu tun hätte, wie es uns das Mantra der Berufstoleranzler unablässig weiszumachen versucht, dann müsste es doch irgendwo und irgendwann muslimische Auflehnung gegen den Missbrauch ihrer Religion geben: Bewegungen von Tausenden und Zehntausenden, ja Millionen Gläubigen, die Massaker und Terror nicht weiter hinzunehmen gewillt sind – und diesem Unwillen auch Ausdruck verleihen.

Wo sind sie? Wann immer in westlichen Demokratien politisches Unrecht geschieht, strömen Bürgerinnen und Bürger ins Freie und lehren ihre Eliten das Fürchten – sei es in Washington, Berlin oder Tel Aviv.

Vergleichbar massenhafte Manifestationen von Muslimen gegen muslimische Macht – sie würden das Ankommen des Islam im 21. Jahrhundert bedeuten.

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff hinterliess nach seiner kurzen Amtszeit einen einzigen bemerkens­werten Satz: «Der Islam gehört zu Deutschland.»

Es war die Antwort auf die falsche Frage. Die richtige Frage lautet: «Gehört der Islam in unsere Zeit?»

Publiziert am 02.08.2014 | Aktualisiert am 02.08.2014
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  • Thomas  Binder , via Facebook 03.08.2014
    Nun, werter Herr Meyer, vieles des von Ihnen Geschrieben ist faktisch korrekt. Sie blenden aber aus, dass die Zeiten, in denen bei uns derart gewütet worden war, inklusive Verdingkindern, Einführung des Frauenstimmrechts, etc. pp. sooo lange auch noch nicht zurück liegen. Entscheidend ist, wie sich der "Islam" bei uns präsentiert. Ich darf ich sagen, dass ich noch nie mit jemandem dieser Glaubensrichtung ernsthafte Probleme hatte. Mit ihrem Ton befeuern sie die Extremisten, niemals die Vernunft!
  • Edi  Rey aus Romanshorn
    03.08.2014
    Nein, lieber FAM, diesmal muss ich Ihnen Unrecht geben. Gerade als linksgrüner Liberaler käme es mir nie in den Sinn, die Ursache für Intoleranz, Hass auf Frauen, Schwule, auf Israel und die westliche Welt und allerlei Minderheiten nicht im Islam zu suchen. Ihre Analyse ist im übrigen brillant, aber als naiver Gutmensch lasse ich mich hier nicht bezeichnen. Den Koran kenne ich schlecht, aber einige islamische Länder sehr gut, das reicht für eine Beurteilung.
  • Verena  Landolt 03.08.2014
    Genau, da es leider keine Auflehnung gegen den Missbrauch ihrer Religion gibt, handelt es sich um Den Islam. Jede Meldung über diese Religion ist negativ, von Gewalt geprägt.
    Und integrieren wollen sich Muslime auch nicht, lieber zB ihren Eigenen Kindergarten, Frauen die im Ganzkörperanzug schwimmen, keine Weihnachtsfeier in der Schule geschweige ein Kreuz, Mädchen mit Kopftuch, ja keine Frau als Vorgesetzte sprech aus Erfahrung, Nulltoleranz gegenüber Andersgläubigen, Hass auf Homosexuelle,
  • Robert  Mosimann 03.08.2014
    Endlich mal ein gescheiter und absolut zutreffender Artikel von Frank A. Meyer. Vor allem der 2. Teil ist Klartext.
    Hoffentlich äussern sich in Zukunft auch weitere Persönlichkeiten aus Religion, Gesellschaft und Politik - bevor es zu spät ist.
  • Monika  Keller aus zuhause
    03.08.2014
    Anfang dieses Jahres bin ich aus der Kirche ausgetreten. Ich konnte es nicht mehr ertragen, dass ich Mitglied von einer von vielen Institutionen bin, wegen denen es schlussendlich die vielen Kriege auf der Welt gibt.