Frank A. Meyer Josef und die Weihnachtsgans

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Die Deutsche Bank erwägt, von ihren früheren Managern Boni in Millionenhöhe zurückzufordern, respektive Boni, die noch fällig wären, nicht auszuzahlen. Gemeint ist vorab Josef Ackermann. Er bestimmte die Geschicke des Geldhauses zehn Jahre lang, von 2002 bis 2012.

Heute ist die Deutsche Bank nur noch ein Schatten der Deutschen Bank von damals: Die US-Justiz fordert wegen Vergehen im windigen Immobiliengeschäft Strafzahlungen von 14 Milliarden Dollar; die US-Börsenaufsicht hat bereits eine Busse von 9,5 Milliarden Dollar verhängt; an die 7000 juristische Verfahren bedrängen die Bank. Sollte nicht bald frisches Geld aufgetrieben werden, könnte dies der Schlussstrich unter die Geschichte des einst ebenso ehrwürdigen wie stolzen Geldinstitutes sein.

Die Deutsche Bank ist zur Klitsche verkommen. Wer verantwortet das Debakel?

Am «Wirtschaftsgipfel» der «Süddeutschen Zeitung» erläuterte Josef Ackermann jetzt seine Sicht der Dinge: Für ihn sind die horrenden Boni eine «Frage des Zeitgeistes», also nichts, was mit persönlicher Gier von Spitzenmanagern zu tun haben könnte; für ihn ist das Investmentbanking, das die Deutsche Bank in den Abgrund riss, «eine Kultur, die der Bank gutgetan» habe; für ihn sind die Strafverfahren gegen die Deutsche Bank zwar auf seine Zeit als CEO zurückzuführen, aber eben auch zu relativieren, haben doch «andere Banken noch viel mehr bezahlt».

Josef Ackermann trug dies alles lachend vor. Lachend verkündete er auch: «Banker wurden als Sündenböcke abgestempelt.» Wer denn aus seiner Sicht die Täter der Finanzkrise sind, die der Weltwirtschaft schwersten Schaden zugefügt haben, verriet er nicht. Wie auch.

Joe, wie er sich gerne nennen lässt, lacht über die Steuerpflichtigen, die für das globale Gaunerstück der Banken von Zürich bis London und New York bezahlten und immer noch bezahlen. Joe lacht über die Aktionäre, deren Beteiligung an der Deutschen Bank heute nur noch einen Bruchteil wert ist.

Joe verlacht die Geschädigten.

Zu Ackermanns Lachnummer sei die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» zitiert. Die FAZ, die mit dem Kapitalismus seit jeher per Du ist, schrieb über den Hype der Deutschen Bank unter Joes Ägide: «Der Höhenflug war nur mit zwielich­tigen, ja illegalen Geschäften möglich.»

Ebendiese FAZ schildert auch, wie der Schweizer mit seinem Komplizen, dem Investmentbanker Anshu Jain, der bis zu 300 Millionen kassiert haben soll, eine unersättliche Boni-Kultur installierte: «Die smarten amerikanischen, schweizerischen oder indisch-britischen Boni-Banker übernahmen im Laufe der Jahre das Ruder auch in Frankfurt. Für kurze Zeit wähnten sich die Finanzsöldner am Ziel, die Deutsche Bank zählte bis zur Bankenkrise zur Elite im Hochfinanzgeschäft. Bezahlt wurde der Kulturkampf in der Deutschen Bank auch mit dem Verlust von Ethik und Moral.»

Zu Ackermanns Legende von seinem segensreichen Wirken in Frankfurt noch ein letztes FAZ-Zitat: «Die Boni-Banker nahmen die Bank aus wie eine Weihnachtsgans, sie vernichteten mehr Kapi­tal, als das Institut an der Börse wert ist.»

Ja, eine Boni-Bande hat die Deutsche Bank in den moralischen und womöglich gar finanziellen Ruin getrieben – die Bank, die einst Deutschlands Wirtschaftsstolz verkörperte!

Ist dazu noch etwas zu sagen? Zu Josef Ackermann ist Folgendes zu sagen: In seinen grössten Zeiten galt er als genialer Gambler im globalen Geldgeschäft; Bundeskanzlerin Angela Merkel huldigte ihm mit einer Feier zu seinem sechzigsten Geburtstag im Bundeskanzleramt; als willkommener Weltenretter jettete er zu den Mächtigen auf allen Kontinenten.

Joe war ein «Master of the Universe» – so sahen sich die Hütchenspieler mit fremden Milliarden.

Fürwahr eine sagenhafte Karriere des sangesfrohen Knaben aus dem Sarganserland. Und jetzt, wo sich das Gold des Goldrausches als Trompetengold entpuppt, will Joe nichts mehr zu tun haben mit den Folgen seines Wirkens?

Die Milliarden für Banker wurden – werden noch immer – begründet mit zwei Argumenten. Erstens dem genial durch sie erwirtschafteten Profit. Zweitens ihrer schweren Verantwortung für die Firma.

Wie steht es, erstens, mit dem Erfolg? Er war flüchtig.

Und wie steht es, zweitens, mit der Verantwortung? Sie hat sich verflüchtigt.

Beides aber ist ein Problem des herrschenden Systems: Manager verantworten nicht den Misserfolg. Er fällt den Steuerzahlern und Aktionären auf die Füsse. Die Manager schlagen sich leichtfüssig in die Büsche, beschwert nur vom millionenschweren Geldsäckel, den es ja, selbstverständlich, mitzunehmen gilt.

Anders als in der Patron-Wirtschaft ist in der Manager-Wirtschaft der Profit von Verantwortung getrennt. Das ist das Problem.

Und das ist deshalb die Lehre im Fall des Josef Ackermann für die Wirtschaftswelt. Sowie für die Politik, die diese Welt zu ordnen hätte.

Hätte! 

Publiziert am 20.11.2016 | Aktualisiert am 20.11.2016
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11 Kommentare
  • Philipp  Rittermann 21.11.2016
    herr meyer bringt die thematik auf den punkt. grössenwahn verdrängt verantwortung. lernrenitenz und machthunger dieser "top-mänätscher" sind wohl grenzenlos. ich tröste mich damit, dass ich persönlich solchen leuten mit sehr gutem gewissen keinerlei respekt entgegenbringen muss. (der soziale... und gesellschaftliche status derjenigen ist auch der grund, dass der wohnsitz dieser menschen meist hinter hohen mauern liegt). jeder bezahlt seinen preis.
  • Peter  Leo 20.11.2016
    Solange die Rendite stimmt, nimmt auch der Kleine das Geld gerne in den Sack. Wenns dann nicht mehr stimmt, sind alle anderen Schuld. Nur durch die Habgier aller Anleger und Steuerbetrüger ging die Rechnung eine Zeit lang auf. Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.
  • Herbert  Müller 20.11.2016
    Vieles mag stimmen, aber mit seiner Antibankenmanie macht FAM immer wieder fast dieselben Fehler. Er soll uns doch mal erklären wann und weshalb der Zürcher Steuerzahler Schaden erlitten hat.
    • Rolf  Hess 21.11.2016
      Die Zeche für den Zürcher Steuerzahler ist laufend zu bezahlen. Indem die Banken die Milliarden Bussen vom Gewinn abziehen und dadurch Verluste ausweisen, fehlen dem Kanton die so gerühmten Steuereinnahmen der Banken. Diese müssen dann von den Steuerzahlern mit höheren Steuern oder Einsparungen auf der ganzen Linie bezahlt werden. Ich bin nicht Meyer, aber ich habe probiert, Ihrer Frage eine Lösung zu interpretieren.
  • Adolf  Brändle 20.11.2016
    Die Geschichte erinnert fatal an jene der Swissair. Nur die Figuren haben gewechselt.
  • Albert  Eisenring 20.11.2016
    Die Welt lässt sich nicht von der Politik ordnen. Politiker werden gewählt, weil sie Mehrheitsinteressen vertreten. Ob sie dies wirklich tun oder nur vorgeben, ist leider nicht von Belang. In jedem Fall aber vertreten Politiker bestimmte Interessen, welche eher selten mit FAMs dirigistischer Sichtweise von Ordnung übereinstimmen. Gerade dank der Demokratie sind die Politiker letztlich gezwungen, eher auf die Wähler zu hören, anstatt auf VIPs und das volksferne Establishment.
    • rolf  sulzer 20.11.2016
      Man kann Ihre Definition von Politiker/lnnen akzeptieren. Meine Meinung geht allerdings in eine etwas andere Richtung. Voel zu viele geniessen auf Kosten der Steierzahler ein sehr gut bezahltes passives Dasein.