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Es geht hier um nichts Geringes. Sondern um kulturell und historisch Bedeutendes – in der populistisch plattgewalzten Schweizer Politik fast schon ein Wunder.

Was ist geschehen?

Aufs Gröblichste attackierte Christian Levrat, Freiburger Ständerat und Präsident der Sozialdemokraten, Gerhard Pfister, Zuger Nationalrat und Präsident der Christdemokraten.

Levrat wirft dem Kollegen Pfister in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» vor: «Das, was er macht, ist christlicher Totalitarismus.»

Der Vorwurf erinnert fatal an das Phänomen des katholischen Urfaschismus, in die Geschichte totalitärer Bewegungen eingegangen als «Klerikalfaschismus» – was der Sozialdemokrat in der Hitze des Gefechtes wohl weder so genau bedacht hat noch so radikal formulieren wollte.

Worin aber besteht nun das Vergehen des Christdemokraten Pfister? In einem Interview, ebenfalls mit der «Neuen Zürcher Zeitung», erkühnte er sich zu folgenden Sätzen: «Ich glaube, Freiheit, Gleichheit und Solidarität sind christliche Werte. Die Wurzeln der Säkularisierung sind ein christliches Verdienst, sie erfolgte in Abgrenzung zum Klerus.»

Diesen Aussagen des Katholiken Pfister hält der Katholik Levrat schnaubend entgegen: «Ich finde es erschreckend, dass es in der Schweiz politische Kräfte gibt, die sich auf eine Reli­gion berufen müssen, um die Werte unserer Gesellschaft zu rechtfertigen. Universalität der Menschenrechte, Demokratie, Freiheit und Gleichheit sind keine ausschliesslich christlichen Werte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Uno-Menschenrechtsdeklaration verabschiedet, als gemeinsames Werk der Menschheit und nicht als Ausdruck des abendländischen Christentums.»

Steht die Schweiz vor einem erneuten Kulturkampf? Nein, höchstens vor der Aufklärung – des ehrenwerten SPS-Präsidenten.

Wenn Gerhard Pfister von den christlichen Wurzeln und westlichen Werten spricht, dann meint er geschichtliche Wurzeln und kulturelle Werte. Zu diesen beiden Begriffen hat Heinrich August Winkler, einer der bedeutendsten Historiker dieser Zeit, zudem Sozialdemokrat, jüngst in einem NZZ-Essay das Wesentliche gesagt:

«Nicht im byzantinisch-orthodoxen Ost- und Südeuropa, sondern nur im lateinischen Europa oder im Europa der Westkirche hat sich seit dem hohen Mittelalter mit der ansatzweisen Trennung erst von geistlicher und weltlicher, dann von fürstlicher und ständischer Gewalt jene Freiheitstradition entwickeln können, aus der die moderne Gewaltenteilung entstand. Und nur Teile des alten Okzidents nahmen teil an jener transatlantischen Menschenrechts-Revolution, die auf britischem Kolonialboden in Nordamerika mit der Virginia Declaration of Rights vom 12. Juni 1776 begann und 13 Jahre später, 1789, mit der Französischen Revolution den europäischen Kontinent erreichte.»

Et voilà, Citoyen Levrat: So geht die Geschichte, in der gerade auch die Sozialdemokratie wurzelt – die Geschichte der Aufklärung. Sie ist dem Kampf gegen den Klerus entsprungen, wie Citoyen Pfister richtig sagt. Diesem Klerus und seiner katholischen Kirche haben die Aufklärer fundamentale christliche Werte entrissen – und weltlich umgemünzt in die Parolen der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Es sind die zentralen Werte, die den Menschenrechten zugrunde liegen, wie sie 1948 von der Uno für weltweit gültig erklärt wurden.

Die Menschenrechte sind also ohne jeden Zweifel Frucht der konfliktreichen westchristlichen Kulturgeschichte.

Christian Levrat verstrickt sich in seiner Suada gegen Gerhard Pfister noch weiter: «Die Würde des Menschen, die Nächstenliebe oder der Respekt vor der Natur, das sind Werte, die praktisch alle grossen Religionen teilen.»

Die Werte der Aufklärung – Werte, «die praktisch alle grossen Religionen teilen»? Die Behauptung des Genossen ist waghalsig.

Das Europa der Westkirche, so Winkler, hat die westliche Zivilisation ursprünglich eingeleitet und schliesslich hervorgebracht. Wir geniessen heute deren Früchte, von der Freiheit des Denkens über die Freiheit der Wissenschaft und die Freiheit der Wirtschaft bis hin zu Demokratie und Rechtsstaat. Die Quintessenz dieser freien Gesellschaft ist die Gleichberechtigung der Frau.

Weshalb haben Buddhismus, Konfuzianismus, Hinduismus oder Islam keine Freiheitskultur hervorgebracht, wenn ihnen doch dieselben Freiheitsgene innewohnen wie der lateinisch-christlichen Entwicklungsgeschichte?

Weshalb kam es 1990 zur Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam, welche die Scharia als deren alleinige Grundlage de­finiert?

Zur Quintessenz des Islam zählt die Unterdrückung der Frau – nach der Kairoer Erklärung offenbar vereinbar mit Menschenwürde und Menschenrecht!

Dazu ebenfalls eine Sentenz des Sozialdemokraten Heinrich August Winkler, Autor des Epochenwerkes «Der Westen»:

«Solange sich islamische Staaten der für den Westen selbstverständlichen Trennung zwischen göttlichen und irdischen Gesetzen widersetzen und die Menschenrechte allenfalls nach Massgabe der Scharia gelten lassen, können sie sich in der Tat nicht zu pluralistischen Demokratien entwickeln.»

Wer also kokettiert da mit religiösem Totalitarismus: Gerhard Pfister oder Christian Levrat?

Die aktuelle Entwicklung gibt Auskunft: Dem Islam fliegen überall in Europa die Sympathien der Linken zu. Die mittelalterliche Religion ist ihnen zur Herzenssache geworden. Sie verspricht durch Einwanderung fröhliche Verhältnisse: ein buntes Paradies auf den Strassen, in den Schulen, in den Siedlungen – am liebsten durch rasche Einbürgerung auch in der Politik.

Die Genossen Internationalisten, denen die wirtschaftliche Globalisierung gegen den Strich geht, träumen vom Ende des Nationalstaates im bürgerlich-klassischen Sinn. Sie ersehnen das Aufgehen der abendländisch grundierten Leitkultur in der Beliebigkeit einer Multikultur.

Dagegen hat Pfister, sehr zum Ärger des Sozialdemokraten Levrat, klare Worte gefunden. Für ihn den Christdemokraten gehören zwar die hier lebenden Muslime zur Schweiz, nicht aber der Islam: «Nicht im Sinne einer historischen Prägung des Landes und der Kultur.»

Ist das «religiöser Totalitarismus»?

Es ist die historische Wahrheit!

Publiziert am 23.10.2016 | Aktualisiert am 23.10.2016
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14 Kommentare
  • Marcel  Plüss aus Solothurn
    23.10.2016
    Inwiefern die Westkirche Werte wie Demokratie, Gleichheit, Freiheit und Individualität gefördert haben sollen, legt Meyer nicht dar. Vielmehr müssen diese Werte auch heute noch gegen die Kirchenobrigkeit durchgesetzt werden. Levrat kritisiert das Wertemonopol von Pfister zurecht. Obengenannte Werte und Errungenschaften sind nun plötzlich christlich – stets mit Gottesbezug, zur einzig gültigen Wahrheit, derer sich alle anderen zu unterwerfen haben. Deshalb leert sich die CVP wie auch die Kirche.
  • Marco  Williamson , via Facebook 23.10.2016
    Als Katholik muss ich Ihnen und Pfister widersprechen. Die soziale Integration und Anerkennung der Katholiken in der Schweiz erfolgte im 19. Jhdt. nicht durch Verbote oder Ausgrenzung sondern durch die Anerkennung der Landeskirchen. Dieser Weg hat zu einer Emanzipation von Rom und einer kritischen und fruchtbaren Interaktion geführt (Bildung von kath. prientierten Arbeitgebetverbaenden, Gewerkschaften etc.). Weshalb gehen wir nicht den gleichen Weg mit dem Islam?
  • Morgan  Schwab aus Bülach
    23.10.2016
    Ich sehe das anders als Sie, FAM. Ehrlicherweise sollte man sagen, dass die Kultur der Schweiz in ihren Anfängen nämlich heidnisch war. Das war die wirkliche Kultur. Das Christentum ist, das sollte man wissen, eigentlich ein Import aus dem Nahen Osten. Und das Christentum hat vieles aus den vorherigen Kulturen, Deshalb kann man auch nicht sagen, dass der Islam nicht zu uns gehört. Warum ? Jede der drei monotheistischen Religionen, hat Dinge in sich, die aus den jeweiligen anderen Religionen.
  • Pascal  Meister , via Facebook 23.10.2016
    Das Europa der Westkirche - vor der Aufklärung - hat vor allem durch entsetzliche Missetaten der Kirchenleute zu Reaktionen provoziert, zuerst zur Reformation und dann zur Aufklärung. Von daher ist es etwas schräg, einer grässlichen Institution dafür zu danken, dass sie es im Negativen dermassen übertrieben hat, dass sich freiheitliche Werte entwickeln konnten.
  • Ralph  Thorny , via Facebook 23.10.2016
    Da wir in der ZUKUNFT und nicht in der Vergangenheit leben werden, ist dafür jegliche historische Kausalität wenig relevant. Da der Islam jegliche andere Religion ausrotten muss, wird ein Zusammenleben früher oder später im Bürgerkrieg enden. Da die Islamisten unsere Kultur u Werte zerstören müssen, wird ein Zusammenleben früher oder später im Bürgerkrieg enden. Deklarationen ändern daran ebenso wenig wie Schlagwörter (z.B. Islamophobie).