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Die «Neue Zürcher Zeitung» fragte Peter Kurer, wie er über eine Beschränkung von Gehältern und Boni seines obersten Managements denke. Die Antwort des UBS-Chefs: «Dann käme man zur absurden Situation, dass am Schluss der Verwaltungsratspräsident gratis arbeitet – wozu ich durchaus bereit wäre –, dass aber seine Mitarbeiter sehr gut bezahlt sind.»
Absurd heisst ungereimt, widersinnig. Ist es ungereimt, wenn die Chefs eines von ihnen selbst heruntergewirtschafteten Unternehmens auf überhöhte Gehälter und Boni verzichten? Ist es widersinnig, wenn Mitarbeiter, die für das unternehmerische Debakel ihrer Chefs nichts können, weiterhin gut verdienen? Ist es absurd, wenn Peter Kurer, der bereits viele Millionen kassiert hat, vorübergehend auf sein Gehalt verzichtet – wozu er ja grundsätzlich und eigentlich und angeblich «durchaus bereit wäre»?
Das Wörtchen absurd ist nicht das einzige, was der UBS-Chef gegen die Beschränkung von Gehältern und Boni ins Feld führt: Niedrige Löhne fürs Top-Management seien den Interessen der Bank abträglich, «weil wir dann nicht mehr die besten Leute
bekommen».
Diesen Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: «Die besten Leute!», «Nicht mehr bekommen!», «Nicht mehr!» Das heisst doch: Bisher bekam die UBS die besten Leute. Das heisst auch: Die UBS hatte die besten Leute.
Und hier wird es tatsächlich absurd, ungereimt, widersinnig: Haben «die besten Leute» die UBS kaputt gemacht? «Die besten Leute», das waren Ospel und Wuffli, das waren Rohner und – natürlich – Kurer selbst.
Leider hat sich Kurers wundersame Botschaft noch nicht herumgesprochen. Nur so ist zu erklären, dass seine Kunden allein im 3. Quartal mehr als 80 Milliarden Franken von der UBS abgezogen haben; nur so ist zu erklären, dass seine Bank auf dem Kapitalmarkt die sechs Milliarden nicht fand, die sie dringend benötigt hätte.
Peter Kurer gehörte zum engsten Management-Umfeld von Marcel Ospel. Jetzt ist er dessen Nachlassverwalter – und ein ganz neuer Peter Kurer: mit modisch gestutztem Haar, mit schicker, randloser Brille. Doch ist dieser «neue» Kurer wirklich nur der Nachlassverwalter seines früheren Chefs? Ist er nicht vielmehr vor allem der Nachlassverwalter seiner selbst?
Der neue Peter Kurer ersuchte diese Woche den Bundesrat, doch – bitte, bitte – zu retten, was der alte Peter Kurer mit Ospel und Konsorten in den Abgrund geritten hat: die UBS.
Am Freitag wurde der Bericht der Bankenkommission zum Fall UBS veröffentlicht. Da liest man von «organisatorischer Fehlleistung», die «verheerende Folgen hatte»; von «mangelnder professioneller Weitsicht»; von «fehlender Makro-Steuerung»; von «Unzulänglichkeiten im Aufbau von Prozessen und Systemen»; von «unzulänglicher Infrastruktur», von «Fehleinschätzungen bei der Risikoerfassung»; da liest man nicht zuletzt von «schwerwiegenden Versäumnissen».
Laut NZZ handelt es sich um ein «insgesamt betrübliches Verdikt für eine Bank, die noch vor kurzem Vorbildcharakter beansprucht hatte».
Peter Kurer beansprucht die Führung dieser Bank – die er bisher schon mitgeführt hatte!
In der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», einem ebenso renommierten Wirtschaftsblatt wie der NZZ, war am Freitag über die Führung der UBS zu lesen: «Es ist ihr nicht gelungen, Vertrauen zu schaffen in die Bank, in ihre neue Strategie und in die handelnden Personen.»
Der Bundesrat beschafft das Geld. Wer beschafft das Vertrauen?
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Frank A. Meyer