Frank A. Meyer Deutschenliebe

  • Publiziert: 18.08.2012, Aktualisiert: 16.00 Uhr
  • Von Frank A. Meyer

Deutschenliebe! Genau davon ist die Schweiz beseelt, ganz besonders in diesen Monaten, Wochen und Tagen.

Was sind wir – deutschfeindlich?! So wird über die Schweiz gelästert. Sogar Deutschenhass wird uns unterstellt. Rassismus gegen die Deutschen. Es ist an der Zeit, dieser Schädigung unseres Rufes entgegenzutreten.

Was ist das Gegenteil von Deutschenhass? Deutschenliebe! Genau davon ist die Schweiz beseelt, ganz besonders in diesen Monaten, Wochen und Tagen.

Mit Leidenschaft kämpft die Schweiz für das Steuerabkommen, welches deutsche Steuer­betrüger von Schuld und Sühne befreit, ihnen Anonymisierung und Legalisierung zu Sonderkonditionen sichert – und natürlich auch die Transaktion des unversteuerten Vermögens in ein anderes Schwarzgeld-Paradies ermöglicht.

Wenn das nicht Liebe ist. Liebe zu Deutschen. Deutschen­liebe!

Es kann nur Liebe sein

Ganz närrisch ist die Schweiz verknallt in diese Deutschen, die ihr Land um Milliarden Euro betrogen haben. 130 Milliarden? 280 Milliarden? Die Lästermäuler bieten horrende Zahlen in der Welt herum. Was solls. Der Schweiz geht es um die Deutschen, die dahinterstecken.

Für sie streiten an vorderster Front: der Konstrukteur des Steuerabkommens, Michael Ambühl; der Schweizer Botschafter in Berlin, Tim Guldimann; die Bundespräsidentin Eve­line Widmer-Schlumpf.

Honorige Eidgenossen, untadelige und redliche Bürger allesamt, engagiert mit all ihren Kräften – für Deutsche!

Würden Schweizer in Amt und Würden einen solchen Krieg führen ohne höhere Beweggründe? Oder präziser: ohne tiefere Beweggründe? Nein. Nie!

Also kann es nur Liebe sein.

Die Leidenschaft der Liebe nämlich bringt Menschen um den Verstand. Sie neigen dann zu Narreteien ohnegleichen. Zu Verhaltensweisen, die sie in nüchternem Zustand gar nicht mehr nachvollziehen können.

Aber so weit ist es noch lange nicht. Unsere geliebten Deutschen können beruhigt sein. Unvermindert rasen die Hormone – im Bundeshaus, in den Parteien, in den Medien.

Was aber ist das Geheimnis dieses kollektiven Liebesrausches?

Flüchtlinge vor fremder Fiskus-Folter

Vor drei Jahren ermahnte Gerhard Schwarz, damals Wirtschaftschef der «Neuen Zürcher Zeitung», die Schweiz in einem ergreifenden Klage­lied zu mehr Liebe. Seine wirkungsmächtigen Worte seien, mit gebührendem Respekt gekürzt, hier wiedergegeben:

«In der Regel geniesst der Flüchtling Sympathie oder zumindest Mitgefühl, weil er sich vor Verfolgung rettet, vor den Naturgewalten, vor einem unmenschlichen Regime. Doch der Steuerflüchtling gehört, wenn man die Verlautbarungen der letzten Zeit hört und liest, nicht zu diesen bemitleidenswerten Geschöpfen.»

Wahrlich eine Bruder-Klaus-Botschaft. Sie bedarf allerdings der Exegese: Wer sind die «bemitleidenswerten Geschöpfe», für welche Gerhard Schwarz Asyl erfleht?

Die Steuerflüchtlinge in Person können es nicht sein. Sie fliehen ja nicht physisch. Sie schaffen bloss das Geld, welches eigentlich ihrem Staat gehörte, in die Schweiz – und lassen es sich in der betrogenen Heimat weiterhin wohlergehen.

Also sind die «Geschöpfe» des Gerhard Schwarz – das Geld. Richtig, das Geld. Jeder schwarze Euro nichts ­weniger als ein Geschöpf, das ge­rade noch rechtzeitig einem «unmenschlichen Regime» entronnen ist. Im konkreten Fall dem deutschen «Unrechtsstaat», wie einst NZZ-Präsident Konrad Hummler unserer Nachbarnation im Norden tollkühn entgegenschleuderte.

So darf sich denn die Schweiz in die Brust werfen. Sie hat das ultimative Asylrecht erfunden: Sie heisst nicht mehr nur bedrängte Menschen willkommen. Nein, sie herzt ganz besonders inbrünstig auch die bemitleidenswerten Geld-Geschöpfe – als  Flüchtlinge vor fremder Fiskus-Folter.

Wenn das nicht wahre Liebe ist!

Beliebteste Kommentare

  • Fred  Bartlome
    Lieber Herr Meyer,
    Bleiben Sie wo Sie sind und werden Sie gluecklich dabei. Ich habe nichts fuer Steuerhinterzieher uebrig, aber das arrogante Gehabe dieser Deutschen mag ich nicht ausstehen. Was haben die Deutschen mit den Schwarzgeldern von Kohls Freunden gemacht - nichts! Diese Geschichte haben Sie wohl auch vergessen. Ich hoffe, dass der Blick diese Geschichte wieder aufrollt und den Deutschen bis in die hoechste Verwaltung den Spiegel vor ihr Gesicht haelt. Auf jeden Fall eine Aufarbeitung waere sicher nicht uninteressant und wohl mehr foerderlich fuer unser Land als diese taegliche Verunglimpfungen linker deutscher Politiker.
  • Hans >Peter  Läuchli , Vellerat
    So ein Beitrag musste ja kommen Frank Meyer. Ich habe nun aber mit mir abgemacht jeden Beitrag zu lesen, wenn er gut ist ihn zu loben und wenn er durch die übliche rosarote Untertanen Meyer Brille gesehen wird, mich nicht aufzuregen.
    Heute rege ich mich nicht auf.

Alle Kommentare (13)

  • Hans  Blumer
    Das die Schweizer die Deutschen lieben, dass wäre mehr als übertrieben. Wir mögen Sie ziemlich gut und kommen im Grossen und Ganzen auch gut mit ihnen aus. Eines tun aber viele Schweizer, sie haben Verständniss wenn Mensch ihr Geld vor räuberischen Staaten in Sicherheit bringen wollen. Da in der EU bald das nächste Ermächtigungsgesetz wie zur Zeit der Nazi-Regierung eingeführt wird, in Form des ESM Vertages ist das nur die logische Kosequenz. Es ist auch ein Menschnerecht sein Hab und Gut vor Raub zu schützen.
  • Ferdinand  Ballmer
    Vielleicht darf ich aus deutscher Sicht etwas ergänzen. Viele Deutsche kommen nicht mehr in die wegen der ständig wachsenden Deutschfeindlichkeit siehe BLICK-Forum!. Die hohen Preise bei nicht immer fairem Gegenwert und manchmal rüdem Service haben wir seit Jahren klaglos hingenommen. Das war der Preis dafür, in einem der landschaftlich schönsten Länder der Welt mit einer überwiegend freundlichen Bevölkerung Urlaub zu machen. Äusserungen aber wie von Frau Rickli "Es hat zu viele Deutsche hier!", Bemerkungen, dass es zu viele deutsche Ärzte an CH-Krankenhäusern gibt, oder Anpöbeleien als "Sauschwaben", die wir uns in Chur gefallen lassen mussten, prägen ein Klima, das unser wichtigstes Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" so beschreibt:" Gehässigkeiten gegen Deutsche sind salonfähig".Und der aktuelle Streit um den Ankauf der Daten-CDs dient auch nicht der Befriedung. Wir haben in den letzten 20 Jahren viele Schweizer aller Landesteile kennengelernt und schätzen sie als Menschen, die durch und durch gerechtigkeitsbewusst sind und vor der Obrigkeit und den reichen auch deutschen! Absahnern niemals buckelten. Aktuell ist davon nichts zu spüren. Wir finden, dass ihr die Falschen verteidigt und die Falschen angreift. Und da fühlen wir uns nicht mehr wohl und bleiben zum ersten Mal seit 22 Jahren weg. Obwohl die Sehnsucht nach dem Bündner Land immer bleiben wird....
  • Frank  Bussmann , Solothurn , via Facebook
    Sie scheinen ja für einmal in bester Champagner-Laune gewesen zu sein, als Sie diese Kolumne geschrieben haben. J Und dennoch, werter Herr Meyer, kann ich mir - ein Schelm, der ich nun einmal bin - nicht verkneifen, Ihnen zu unterstellen, dass für Sie und alle anderen Europa-Zentralisten die europäische Schuldenkrise geradezu ein Segen sein muss. Noch MEHR Europa heisst bei jenen die Parole. Völlig absurd, aber leider der Mainstream-Tenor! - Durch das sozialistische Modell Europas Jean Monnet, Jacques Delors, Sigmar Gabriel wird dieses vereinte Europa nach dem Vorbild des etatistischen Frankreichs nämlich nicht bloss den Kapitalismus und die Marktwirtschaft überwinden, sondern gleichzeitig sämtliche Mitgliedstaaten und deren Bürger vollends entmündigen, bis sich die Europäer endgültig in einer europäischen "Sowjetunion" wiederfinden werden. Und wer bezahlt diese perverse Kopfgeburt? Klar doch, der deutsche Michel, wer denn sonst? Die Mehrheitsverhältnisse bei der EZB sprechen eine deutliche Sprache. Die Target2-Schuldner-Staaten verfügen dort über 17 Stimmen. Die Gläubiger-Staaten lediglich über deren sechs. Deutschland alleine haftet mit einer BILLION Euro! - Kurz: Wer nicht spätestens jetzt Deutschenliebe - oder zumindest Mitgefühl für unsere deutschen Freunde - entwickeln kann, hat einfach kein Herz!
    • harriet  bingham , St. Moritz
      Und was hat das jetzt genau mit der Liebe der Schweizer zu Schwarzgeldern zu tun?
      • 19.08.2012
      • als Kommentar auf Frank  Bussmann , Solothurn
      • 41
      • 63
  • Hans >Peter  Läuchli , Vellerat
    So ein Beitrag musste ja kommen Frank Meyer. Ich habe nun aber mit mir abgemacht jeden Beitrag zu lesen, wenn er gut ist ihn zu loben und wenn er durch die übliche rosarote Untertanen Meyer Brille gesehen wird, mich nicht aufzuregen.
    Heute rege ich mich nicht auf.
  • Bernhard  Bieri , Steffisburg
    Nicht nur verliebt sondern blind vor Liebe. Aber nicht in die Menschen sondern in deren Geld.Für unsere Banken spielte es kaum je eine Rolle aus welchem Land das Geld kommt. Hauptsache es kommt und zwar möglichst viel.
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