Deutschenliebe! Genau davon ist die Schweiz beseelt, ganz besonders in diesen Monaten, Wochen und Tagen.
Was sind wir – deutschfeindlich?! So wird über die Schweiz gelästert. Sogar Deutschenhass wird uns unterstellt. Rassismus gegen die Deutschen. Es ist an der Zeit, dieser Schädigung unseres Rufes entgegenzutreten.
Was ist das Gegenteil von Deutschenhass? Deutschenliebe! Genau davon ist die Schweiz beseelt, ganz besonders in diesen Monaten, Wochen und Tagen.
Mit Leidenschaft kämpft die Schweiz für das Steuerabkommen, welches deutsche Steuerbetrüger von Schuld und Sühne befreit, ihnen Anonymisierung und Legalisierung zu Sonderkonditionen sichert – und natürlich auch die Transaktion des unversteuerten Vermögens in ein anderes Schwarzgeld-Paradies ermöglicht.
Wenn das nicht Liebe ist. Liebe zu Deutschen. Deutschenliebe!
Ganz närrisch ist die Schweiz verknallt in diese Deutschen, die ihr Land um Milliarden Euro betrogen haben. 130 Milliarden? 280 Milliarden? Die Lästermäuler bieten horrende Zahlen in der Welt herum. Was solls. Der Schweiz geht es um die Deutschen, die dahinterstecken.
Für sie streiten an vorderster Front: der Konstrukteur des Steuerabkommens, Michael Ambühl; der Schweizer Botschafter in Berlin, Tim Guldimann; die Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf.
Honorige Eidgenossen, untadelige und redliche Bürger allesamt, engagiert mit all ihren Kräften – für Deutsche!
Würden Schweizer in Amt und Würden einen solchen Krieg führen ohne höhere Beweggründe? Oder präziser: ohne tiefere Beweggründe? Nein. Nie!
Also kann es nur Liebe sein.
Die Leidenschaft der Liebe nämlich bringt Menschen um den Verstand. Sie neigen dann zu Narreteien ohnegleichen. Zu Verhaltensweisen, die sie in nüchternem Zustand gar nicht mehr nachvollziehen können.
Aber so weit ist es noch lange nicht. Unsere geliebten Deutschen können beruhigt sein. Unvermindert rasen die Hormone – im Bundeshaus, in den Parteien, in den Medien.
Was aber ist das Geheimnis dieses kollektiven Liebesrausches?
Vor drei Jahren ermahnte Gerhard Schwarz, damals Wirtschaftschef der «Neuen Zürcher Zeitung», die Schweiz in einem ergreifenden Klagelied zu mehr Liebe. Seine wirkungsmächtigen Worte seien, mit gebührendem Respekt gekürzt, hier wiedergegeben:
«In der Regel geniesst der Flüchtling Sympathie oder zumindest Mitgefühl, weil er sich vor Verfolgung rettet, vor den Naturgewalten, vor einem unmenschlichen Regime. Doch der Steuerflüchtling gehört, wenn man die Verlautbarungen der letzten Zeit hört und liest, nicht zu diesen bemitleidenswerten Geschöpfen.»
Wahrlich eine Bruder-Klaus-Botschaft. Sie bedarf allerdings der Exegese: Wer sind die «bemitleidenswerten Geschöpfe», für welche Gerhard Schwarz Asyl erfleht?
Die Steuerflüchtlinge in Person können es nicht sein. Sie fliehen ja nicht physisch. Sie schaffen bloss das Geld, welches eigentlich ihrem Staat gehörte, in die Schweiz – und lassen es sich in der betrogenen Heimat weiterhin wohlergehen.
Also sind die «Geschöpfe» des Gerhard Schwarz – das Geld. Richtig, das Geld. Jeder schwarze Euro nichts weniger als ein Geschöpf, das gerade noch rechtzeitig einem «unmenschlichen Regime» entronnen ist. Im konkreten Fall dem deutschen «Unrechtsstaat», wie einst NZZ-Präsident Konrad Hummler unserer Nachbarnation im Norden tollkühn entgegenschleuderte.
So darf sich denn die Schweiz in die Brust werfen. Sie hat das ultimative Asylrecht erfunden: Sie heisst nicht mehr nur bedrängte Menschen willkommen. Nein, sie herzt ganz besonders inbrünstig auch die bemitleidenswerten Geld-Geschöpfe – als Flüchtlinge vor fremder Fiskus-Folter.
Wenn das nicht wahre Liebe ist!
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