Frank A. Meyer Der Verrat

  • Publiziert: 02.09.2012
  • Von Frank A. Meyer

Es fällt nicht leicht, mit solchen Leuten solidarisch zu sein – oder sich sogar für sie einzusetzen: Mitarbeiter von Schweizer Banken, die ihr Schwarzgeldgeschäft zu Lasten der amerikanischen Staatskasse betrieben.

Sind sie nicht ausgebuffte Verführer, die genau wussten, dass sie steuerscheue Bürger in die Illegalität lockten? Beruhte ihr Erfolg nicht auf dem Betrug von Behörden einer befreundeten Nation, als welche die Vereinigten Staaten ja noch vor kurzem gern umschmeichelt wurden?

Sie wussten, was sie taten. Und sie taten es dennoch.

Jetzt liefern die Schweizer Geldhäuser, denen sie treu dienten, indem sie den amerikanischen Gesetzen untreu waren, ihre Personalien aus: an die USA.

Uncodiert und ungeschwärzt erhalten die Justizbehörden in Übersee die Namen der Übeltäter, die amerikanischen Steuerbetrügern mit ausgeklügelten Operationen zur Flucht ihrer Gelder in die Steueroase Schweiz verhalfen. Die Geouteten standen gewissermassen Schmiere beim Abtransport der verbotenen Geldfracht.

Soll man diese Banker und Bankerchen bedauern?

Jegliches Bedauern wäre übertrieben. All diese Schlaumeier, die jahrzehntelang ebenso lukrative wie illegale Offshore-Operationen organisierten, sind Sünder, nicht Sündenböcke. Die ganz grossen Sünder indessen sind sie nicht.

Die Hauptverantwortlichen, die wahren Sünder sassen und sitzen in den Befehlszentralen jener Banken, die sich inzwischen von der US-Justiz existenziell bedroht fühlen – fühlen müssen, wie die erzwungene Liquidation der Bank Wegelin belegt.

Denn das Geschäft, mit dem die Schweiz der US-Justiz so lang eine Nase drehte, war nie das Geschäft von Einzeltätern, die ihren Patrons in Zürich übers Mass zu Diensten sein wollten. Es war Ergebnis einer über Jahre immer weiter perfektionierten Strategie. Entwickelt auf den obersten Konzern­etagen. Abgesegnet von den höchsten Chefs. Befeuert von Boni und Belobigungen.

Der Fisch stinkt vom Kopfe her.

Nun verraten die Erfinder der inzwischen faulig riechenden Strategie ihre Befehlsempfänger. Sie tun es mit Beihilfe des Bundesrates, wobei zu erwähnen ist, dass aus dem Bundesamt für Justiz Widerspruch angemeldet worden war – gegen die geballte Bankenmacht allerdings wirkungslos. Deren willfährigster Commis, Staatssekretär Michael Ambühl aus dem Finanzdepartement, setzte bei der Regierung die For­derungen der Banken durch: Rettung der fehlbaren Geldhäuser durch Preisgabe ihrer Mitarbeiter.

Zwar verstösst der Verrat von Bern gegen das Arbeitsrecht und verletzt zugleich das ­Datenschutzgesetz. Doch was solls! Längst sind die Zeiten vorbei, als Banker noch Banquiers waren und auf standesgemäs­sen Ehrbegriffen beharrten wie: Ehren­sache, Ehrenwort, Ehrenmänner.

Die Namen ihrer Mitarbeiter opfern sie. Die Daten der amerikanischen Steuerbetrüger und Schwarzgeldkunden dagegen dürfen selbstverständlich nicht preisgegeben werden.

Geld rechnet sich. Menschen nicht.

Frank A. Meyer im Dialog mit Albert Speer

Der Architekt und Städteplaner Albert Speer ist einer der gefragtesten und mit Preisen überhäuften Vertreter seiner Zunft. Speers Bauten stehen in Saudi-Arabien wie in China, Russland oder Deutschland. In Frankfurt, seiner deutschen Wahlheimat, prägt er seit gut 50 Jahren das Stadtbild. Die aus­sergewöhnliche Karriere gelang Speer trotz eines schweren persönlichen Erbes: Sein gleichnamiger Vater war bis 1945 Architekt und Rüstungsminister des Nazi-Führers Adolf Hitler. In  «Vis-à-vis» spricht Speer auch über das Verhältnis zu seinem Vater.

«Vis-à-vis» Morgen Montag, 3. September, um 22.25 Uhr auf 3sat.

Beliebteste Kommentare

  • Hanspeter  Elmer , Glarus
    Herr Meyer vergisst zu erwähnen, dass das Ganze offziell von unserer Bundesrätin Widmer-Schlumpf abgesegnet wurde. Einmal mehr hat sie einfach nachgegeben und sich auf der Nase rumtanzen lassen. Die Amtszeit von Frau Widmer-Schlumpf entwickelt sich immer mehr zum Totaldesaster. Nationen wie die USA, Deutschland und Frankreich wissen genau, dass man Frau Widmer-Schlumpf ohne Probleme über den Tisch ziehen kann. Bestes Beispiel dafür ist die Erbschaftsbesteuerung von Franzosen die in der Schweiz leben. So etwas hätte kein Vertreter eines anderen Landes je zugestimmt. Treten Sie ab Frau Widmer-Schlumpf und tun sie wenigstens einmal etwas im Interesse unseres Landes.
  • Helmut  Kiesalter , Zürich
    Die grossen beschützt man, die Kleinen hängt man.
    Hier hat unsere oberste Behörde wieder einmal bewiesen, dass man die grossen, sprich Bankoberen mit Samthandschuhen anfasst und dies zum Preis, ihre willfährigen Mitarbeiter dafür ans Messer zu liefern. Und einmal mehr ist unser Bundesrat vor der Macht des Geldes eingeknickt. Es ist ja auch viel einfacher ein Bauernopfer zu bringen, als vor der Welt mit schmutziger Weste da zustehen.

Alle Kommentare (21)

  • Kurt  Humbel , Teufenthal
    Mit Jahrgang 1939 musste ich mit 20 die Halbierung meiner Göttibatzen erleben. Beim 40. Geburtstag hatte sich der Franken nochmals halbiert. Und derselbe Staat getraute sich, den schäbigen Zinsertrag als Einkommen zu besteuern! Seither verstehe ich alle, die ihr erarbeitetes Geld vor den konfiskatorischen Staaten in Sicherheit bringen. Darüber sollte Herr Meyer auch einmal nachdenken.
    Kurt Humbel, Teufenthal
    • 02.09.2012
    • 41
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  • Peter  Martaler , Chur
    Der oberste Boss, Brady W. Dougan, ist US-Staatsbürger und lebet in den USA - Weshalb haben sie den noch nicht verhaftet und unter Anklage gestellt?
    • 02.09.2012
    • 32
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  • Peter  Kunz , Biberist
    Ser geehrter Herr Meyer
    Die Kommentare zeigen, das Ihr Artikel aufrüttelt. Ist es Ihnen möglich zu beschreiben, wie eine Schweiz aussehen und erfolgreich sein kann, wenn das Bankgeheimnis gegenüber Behörden abgeschafft ist? Gerne würde ich diese Vision lesen.
    Besten Dank.
    • 02.09.2012
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  • Albert  Funk
    Herr Frank A. Meyer, bei den sogenannten Steueroasen haben sie leider einen Tunnelblick. Es gibt noch unzählige Steueroasen und das selbst in den USA. Aber die amerikanische Justizbehörde ist bestens Orientiert über die wohlwolende Politik in Bundesbern. Und wenn Amerika hustet bekommen wir eine Grippe und damit das nicht eintritt, erfüllt Frau Widmer-Schlumpf die Wünsche der amerikanischen Justizbehörden, leider zum Nachteil unseres Landes.
  • rolf  sulzer
    klicken sie spiegel online an, dort erfahren sies wie wertvoll die ubs-cds sind.
    • 02.09.2012
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