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Fulvio Pelli,v Präsident des Schweizer Freisinns, ruft im Kampf um das Bankgeheimnis zur «nationalen Einheit» auf. Das feindliche G-20-Ausland, mit dem wir uns im Krieg befinden, soll sich einer geschlossenen Heimatfront gegenübersehen, die keine Parteien mehr kennt – nur noch Schweizer.
Der Appell des Tessiners gründet auf der Überzeugung: Die Banken sind die Schweiz. Die Schweiz hat ihnen zu dienen – sie ist ihr Instrument.
Aber genau das ist das Problem: Die Banken haben die Schweiz übernommen.
Daraus folgt laut Pelli: Das Bankgeheimnis, das Geschäftsmodell der Finanzschweiz, kann – ja darf! – nicht einfach aufgegeben werden. Es ist zu verteidigen mit Zähnen und Klauen. Jede Anpassung ist den ausländischen Aggressoren allenfalls nach hinhaltender Verteidigung zuzugestehen. Opfer sind zu bringen. Schliesslich geht es um die Schweiz.
Ja, um die Schweiz! Denn das Bankgeheimnis von 1934 ist zur neuen Gründungsurkunde unseres Landes geworden. Es hat den Bundesbrief von 1291 abgelöst. Das Rütli: nur noch eine Wiese voller Kuhdreck, wie der frühere SVP-Präsident und heutige Bundesrat Ueli Maurer verächtlich feststellte. Die Zürcher Bahnhofstrasse: Schwurort der Schweiz AG.
Pellis Ansinnen, dass sich die Nation hinter das Bankgeheimnis zu scharen habe, bringt den historischen Bewusstseinswandel ebenso einfältig wie ehrlich auf den Begriff: Die Schweiz dient der Finanzwirtschaft – in guten wie in schlechten Zeiten. Gerade sind die Zeiten schlecht, denn mit den Banken hat sich die Schweiz offensichtlich übernommen. Darum Pellis Mobilmachung!
Das Geld für die Banken! Das Gesetz für die Banken!
Noch nie wurde das Volk für eine einzige Branche derart zu Gefolgschaft und Grenzwacht aufgerufen, ja verpflichtet – wer nicht mitmacht, wer ein anderes Bild von seiner Schweiz hat, der wird schon mal des «Landesverrats» bezichtigt – das Wort ist tatsächlich bereits gefallen.
Sind wir ausser Rand und Band? Nein, uns ist nur die Schweiz abhanden gekommen. Das patriotische Getöse der Rechtspopulisten hat uns davon abgelenkt, dass die Ospels und die Blochers, die Ebners und die Jaegers, die Schiltknechts, Schwarz’, Helds, Borners und wie sie alle hiessen und heissen – dass diese Staatsverächter und Staatsverleumder die Nation längst umfunktioniert haben: vom Heimatland zum Standort.
Verteidigt Fulvio Pelli eine Staatsidee? Nein, nur eine Geschäftsidee. Die ist gerade grandios-kläglich gescheitert.
Publizist Frank A. Meyer.
- RDB/Sobli