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Die SVP hat die Wahlen verloren. In der Partei regt sich Selbstkritik. Sagt man, hört man, munkelt man. Dem Gerücht ist der Zürcher «Tages-Anzeiger» nachgegangen. Und kam zum Schluss: «Niemand hat den Mut, öffentlich hinzustehen.» Die Zeitung zitiert ein SVP-Mitglied: «Bei uns in der Partei wird nicht mehr gekämpft und diskutiert, da wird bloss noch abgenickt oder es werden einstimmig Parolen gefasst.» Der SVP-Mann, der dies sagt, will anonym bleiben.
Mit Namen steht einzig Andrea Spycher, letztjährige Gemeinderatspräsidentin von Bülach, zu ihrer Aussage: «Ich habe Blocher weder in den Nationalrat noch in den Ständerat gewählt.» Fazit des «Tages-Anzeigers»: «Nur eine SVP-Frau hat Mut.» Eine Frau?
Ist die SVP nicht die Partei der Mannsbilder? Der Tellensöhne und Winkelriede? Krieger ohne Furcht gegen Bern und Brüssel und den Rest der Welt? Schlägt die SVP nicht die Schlachten der Schweizer Geschichte noch einmal? Sind ihre Abstimmungs- und Wahlkämpfe nicht inszeniert als Morgarten, Sempach, Näfels?
Versammelt die Partei ihre «getrüwen Eidgenossen» nicht immer wieder zum Rütlischwur im Albisgüetli? «Heil dir, Helvetia! Hast noch der Söhne ja ...» Söhne, nicht Töchter! Die «Schweizerische Volkspartei» stilisiert sich zur Partei, die das Pathos der alten Nationalhymne aufs Vollkommenste verkörpert.
Mit geschwellter Männerbrust dekretieren ihre Anführer auch, wer Schweizer sein darf und wer nicht: Landesverräter die Bundesräte, keine echten Schweizer die Wähler anderer Parteien. Die Schweiz: das angestammte Eigentum der SVP.
Und jetzt das: Duckmäuser die Männer, Katzbuckler vor dem Zuchtmeister. Männer, die vor Männlichkeit nicht mehr gehen, nur noch stolzieren können, Männer wie Spuhler oder Amstutz oder Bortoluzzi: Angsthasen, Schisshasen. Keiner ermannt sich, die Dinge beim Namen zu nennen: Dass es mit dem Regiment ihres Besitzers ein Ende haben muss; dass die offene Debatte den autoritären Mief in der Partei durchlüften muss; dass die Partei zur demokratischen Schweiz von 1848 finden muss.
Die SVP sucht den Bundesrats-Kandidaten, der in der Bundesversammlung eine Mehrheit findet – gegen Eveline Widmer-Schlumpf. Sie sucht unter Claqueuren, nicht unter Männern mit Mut und Rückgrat. Auf dem SVP-Bundesratsstuhl dagegen sitzt eine Frau mit Mut und Rückgrat. Sie wurde vor vier Jahren aus der Partei ausgeschlossen, weil sie sich weigerte, in die Knie zu gehen und den Ring des Feudalherrn zu küssen.
Der aufrechte Mann der SVP ist eine Frau, verjagt und verfolgt – doch eine Frau ohne Furcht.