Kampfjet-Affäre Fallen Ueli Maurer nun die eigenen Leute in den Rücken?

BERN - Der Gripen soll ein Schrott-Jet sein. Betreiben Spin-Doctors gezielt Negativpropaganda? Ein Insider bestätigt gegenüber Blick.ch, dass die «Whistleblower» direkt aus der Armasuisse kommen müssen. .

  • Publiziert: 13.02.2012
  • Von Karin Müller
Die Nationalratskommission soll den Gripen-Entscheid untersuchen (Archiv) play

Wegen der neuen Kampfjets ist Sparen angesagt.

(SDA)
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Der Kampfjet-Kauf fliegt VBS-Chef Ueli Maurer um die Ohren. Jetzt muss er sich erklären.

(Keystone)

Grosse Diskussion um ein brisantes Papier, das in der Sonntagspresse aufgetaucht ist. Seit das VBS auf den Kampfjet Gripen setzt, häuft sich plötzlich auffallend die Negativpropaganda. Haben Spin-Doctors ihre Hände im Spiel?

Gezielte Streuung von Falschinformationen

Spin-Doctors sind bezahlte Experten, welche die Öffentlichkeit mit verdeckter Manipulation in die von ihnen beabsichtigte Richtung führen. «Solche Praktiken gefährden die direkte Demokratie», erklärt Judith Barben, Psychologin und Autorin des Buches «Spin-Doctors im Bundeshaus». Ein Spin-Doctor will seinen Auftraggeber und dessen Politik in einem möglichst positiven bzw. negativen Licht darstellen.

Und genau so ein Kampf um den Kampfjet ist nun ausgebrochen. Die  «Tagesschau» brachte ­einen Beitrag, dass die Flugzeugbauer des Jets «Rafale» der Schweiz ein günstigeres Angebot unterbreiten wollen. Wenige Tage später werden die grösseren Tageszeitungen zu Saab, dem Hersteller des Gripen, eingeladen. Gros­se Artikel erscheinen in den Blättern.

Neue Enthüllungen in der Sonntagspresse?

Gestern enthüllen «Sonntags-Zeitung» und «Le Matin Dimanche» einen Bericht der Luftwaffe, der belegen soll, dass der Gripen am schlechtesten abschneidet im Vergleich zu den Mitstreitern. Als Benchmark galt der aktuelle Kampfjet der Schweizer Luftwaffe, der F/A 18.

Was jedoch nun als absolute News in der Öffentlichkeit herumgeistert fand bereits im November ein Medium: die «Basler Zeitung» (BAZ) titelte am 26.11. «Kampfjet Gripen erhält unbefriedigende Noten». Diese Informationen gingen auf Berichte der Luftwaffe aus den Jahren 2008 und 2009 zurück.

Res Schmid: «Alle drei Jets erfüllen die Anforderungen»

Res Schmid, früherer Cheftestpilot der armasuisse und heutiger Regierungsrat des Kantons Nidwalden: «Wichtig zu wissen ist, dass ALLE drei Flugzeuge, die getestet wurden, die militärischen Anforderungen der Luftwaffe erfüllen. Alle anderen Aussagen sind aus dem Zusammenhang gerissen. Das ganze Evaluationsverfahren lief korrekt ab. Getestet wurde der Gripen C/D. Die Schweizer Armee will jedoch den Typ E/F beschaffen. Dies wurde jedoch damals in der Evaluation in die Beurteilung mit einbezogen.»

Das ganze Evaluationsverfahren sei korrekt abgelaufen, ergänzt Schmid.

Frustrierte Mitinvolvierte der armasuisse beliefern Presse

Wer also amtet nun als Spin doctor? Ein Insider vermutet die Whistleblower direkt bei armasuisse. «Keine der beteiligten Kampfjet-Anbieter hat Kenntnis von dieser Analyse», sagt der Kenner zu Blick.ch. «Das sind frustrierte Mitinvolvierte, die sich über den bundesrätlichen Entscheid zum Gripen ärgern und der Presse diese Unterlagen zuspielten.»

Diese Vermutung bestätigt Judith Barben: «In der Armee gab es schon viele Spin-Doctors. Das sind VBS-Spitzenfunktionäre, die mit dem Modell Schweiz nicht verwurzelt sind. Sie sind international angebunden und wollen die Neutralität abschaffen. Weil das auf ehrlichem Weg nicht geht, greifen sie zu Irreführung und Täuschung.»

Als «schockierend» erachtet Barben «die Unsachlichkeit und die Schärfe gegen den Bundesratsentscheid». Barben hofft, dass sich Bundesrat und Parlament davon nicht einschüchtern lassen.

Armasuisse schweigt

Armasuisse selbst nimmt zum Thema Gripen keine Stellung. VBS-Sprecherin Silvia Steidle: «Diese Berichte der Luftwaffe kannte Bundesrat Maurer bisher  nicht.» Das VBS wird nun deren Gewichtung bei der Evaluation klären.

 

 

SiK des Ständerats verlangt Stellungnahme von Maurer

Verteidigungsminister Ueli Maurer muss zur Kritik am Gripen-Auswahlverfahren «dringend Stellung nehmen». Das fordert die Sicherheitspolitische Kommission des Ständerats (SiK) nach ihrer Sitzung vom Montag.

Der Ball in dieser Angelegenheit liege derzeit beim Bundesrat und nicht beim Parlament, heisst es in einer Kommissionsmitteilung. Die SiK des Ständerats werde deshalb vorderhand keine weiteren Schritte unternehmen.

Zu «gegebener Zeit» werde sie aber bei der nationalrätlichen Schwesterkommission die für eine Beschlussfassung nötigen Informationen einholen. Damit seien «alle Optionen zum weiteren Vorgehen offen». (sda)

Kommentare (27)

  • Walter Hermann  Fröhlich-Gantenbein
    Maurers beste Armme kann mit der Anschaffung von Kampfflugzeugen nicht gerettet werden. Das Volk lässt sich in dieser Sache nicht mehr blenden und verführen. Bundesrat und Parlament sind gut beraten, wenn die Volkesstimme nicht überhört wird.
    • 14.02.2012
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  • Edwin  Schaltegger
    Der BR soll endlich gegen diese hinterhältigen "Spin-Doctors" eine Strafuntersuchung d. unsere Bundespolizei einleiten u. die kritischen Bundesstellen durch den Geheimdienst überwachen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass der Presse, vermutlich noch gegen Bezahlung, vertrauliche Informationen zugespielt werden. Solche Leute handeln kriminell u. sind eine Gefahr f. die CH.
    • 14.02.2012
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  • Daniel  Beyeler , Bern
    Unglaublich was sich da jetzt wieder für ein raffiniert inszeniertes Theater abspielt! Man unterstellt indirekt den Schweden ein schlechtes Flugzeuz zu bauen! Genau Schweden, wo CH-er Piloten Ihre Flugtrainings mit diversen Jets seit Jahren abhalten, dazu die Motoren, welche Volvo baut! Etwas zuverlässigeres gibt es kaum! Ich rate den Besserwissenden in der CH- doch selber ein Flugzeug zu bauen, vielleicht eins mit Propellerantrieb!
    • 14.02.2012
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  • Rolf  Wittwer
    Diese "Spin-Doctors" scheinen mit ihrer Hinterhältigkeit eine echte Gefahr für Demokratien zu sein oder zu werden. Falls hier auch nur ein Fakt zutreffen würde, müsste der/diejenige sofort strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden. Jede seriöse Firma verpflichtet seine Angestellten zu einer gewissen Loyalität, die nicht verletzt werden darf. Meines Erachtens sind erneut gewisse Kreise trotz vielen gegenteiligen Beteuerungen aller Art! daran interessiert BR Maurer ins Zwielicht setzen zu wollen. Und somit -wie selbst aus neutraler Sicht vermehrt zu beobachten ist- indirekt die SVP zu diffamieren.
    Zudem "bietet sich" für die erwähnten Bevölkerungsgruppen eine willkommene Gelegenheit, sich als Alles- und Besserwisser nun auch noch in Sachen Militärischem Gerät profilieren zu wollen.
    • 14.02.2012
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    • Heinz  von Allmen , Nidau
      Von wegen SVP diffamieren.Was wurde mit Herrn Hidebrant gemacht?War wohl nicht die SVP oder?
      • 14.02.2012
      • als Kommentar auf Rolf  Wittwer
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  • Yves  Ebneter , Coolum Beach
    Ich glaube Maurer meinte wer will keine Gripen er hat die Grippe...Es wurde nur falsch geschrieben;-
    • 13.02.2012
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