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Das Schweizer Fernsehen präsentierte gestern die Bedrohungskarte. Sie zeigt, welche Länder Atomwaffen haben oder auf dem Weg zur Nuklearmacht sind, wo Unruhen drohen und wo Währungsprobleme (Dollar-Zeichen).- SF
Armeechef Blattmann lässt derzeit kein Fettnäpfchen aus. Letzte Woche musste er wegen seinen Plänen eines Pikett-WKs massive Kritik einstecken. Und jetzt kam eine Karte an die Öffentlichkeit, welche die angebliche Bedrohungslage für die Schweiz zeigt.
Offenbar rechnet Blattmann sogar in stabilen Ländern wie Frankreich, Spanien oder Portugal mit Unruhen, die auch die Sicherheit der Schweiz gefährden könnten. Besonders die Situation im krisengebeutelten Griechenland bereitet Blattmann Bauchweh.
Blick.ch wollte von anerkannten Sicherheitsexperten wissen, was Blattmanns Risiko-Analyse wert ist. Die Antwort von ETH-Professor Kurt Spillmann ist vernichtend: «Das ist ein rabenschwarz überzeichnetes, völlig unrealistisches Szenario. Wir haben doch vor unseren Nachbarn militärisch nichts zu befürchten!»
Selbst wenn sich die Lage in Griechenland zuspitze, könne daraus nie und nimmer eine militärische Bedrohung für die Schweiz erwachsen, sagt Spillmann. Schliesslich sei die Zeit der Bruderkriege in Westeuropa sei seit dem Zweiten Weltkrieg und dank der EU definitiv vorbei.
Was den Sicherheitsexperten Spillmann besonders ärgert: «Statt unsere Armee auf die internationale Kooperation oder humanitäre Einsätze auszurichten, versucht man jetzt die überkommene autonome Landesverteidigung mit solchen abwegigen Bedrohungsszenarien zu rechtfertigen.»
Der Armeechef sei schlecht beraten, solche Karten zu präsentieren – erst recht, wenn sie Fehler enthielten. Peinlich: Die Karte zeigt die 1991 auseinandergebrochenen Vielvölkerstaaten Jugoslawien und Sowjetunion.
Mehr Verständnis für Blattmann äussert der Zürcher Uni-Professor Albert Stahel. «Es ist seine Aufgabe, die Lage in Europa zu analysieren – und dazu gehört es auch, sich mit den Folgen der Finanzkrise und der Schuldenwirtschaft in Ländern wie Griechenland zu befassen.» Genauso würden die Ereignisse in der Schweiz durch die ausländischen Nachrichtendienste genau beobachtet.
Die Armee müsse für mögliche Entwicklungen in der Zukunft gewappnet sein – und sich bei der Ausrüstung und der Ausbildung danach ausrichten, erklärt Stahel. So könne es durchaus möglich sein, dass der Bundesrat die Truppen im Falle einer Massenflucht – etwa aus Griechenland – als Hilfspolizisten einsetze.
«Doch solche Erwägungen dürfen doch nicht an die Öffentlichkeit kommen!», betont Stahel. Es sei kein Wunder, wenn unsere Nachbarländer über die negativen Schweizer Einschätzungen wenig erfreut seien. «Leider ist es aber typisch, dass es bei der Armee solche Lecks gibt», bemängelt der Sicherheitsexperte.
André Blattmann hat derzeit einen schweren Stand.- Keystone