Exklusive Umfrage zur Gotthardröhre Kaum einer glaubt Leuthards Zwei-Spuren-Märchen

Vier Spuren in zwei Gotthardröhren – doch nur zwei Fahrspuren befahrbar? Das will Verkehrsministerin Doris Leuthard. Dass das so bleibt, glaubt aber bloss ein Drittel. Die Hälfte des Stimmvolks zweifelt am Versprechen. Die Tunnelgegner sehen sich bestätigt.

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CVP-Verkehrsministerin Doris Leuthard will einen zweiten Gotthard-Strassentunnel mit vier Spuren. Doch befahren werden soll dereinst nur je eine Fahrspur pro Röhre. Die zweite Spur soll als Pannenstreifen dienen. «Der Alpenschutz bleibt gewährleistet. Es gibt keine Kapazitätserweiterung», predigt Leuthard landauf, landab.

...Konrad Graber (CVP, CSS)... play
CVP-Ständerat Konrad Graber (LU). Christian Lanz

Dass es dereinst bei nur zwei Spuren bleibt, verbannen die Tunnelgegner allerdings in den Bereich der Märchen. «Wer glaubt, dass die beiden Röhren weiterhin nur einspurig betrieben werden, der glaubt gleichzeitig an den Storch, den Osterhasen und das Christkind», sagt Leuthards ärgster Gegner, der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber.

59 Prozent der Deutschschweizer zweifeln

Eine neue Umfrage gibt ihm recht: Das Stimmvolk nimmt Leuthard das Zwei-Spuren-Versprechen nicht ab. Genau die Hälfte von 1212 Befragten glaubt nicht, dass es nach dem Bau einer zweiten Röhre bei nur zwei Spuren bleibt. Nur 35 Prozent gehen davon aus, dass dereinst wirklich nur zwei Spuren benutzt werden. Dies das Resultat einer Umfrage des Forschungsinstituts Link im Auftrag des Vereins «Nein zur 2. Gotthardröhre».

Was auffällt: In der Deutschschweiz ist der Anteil der Zweifler mit 59 Prozent besonders hoch. Nur 34 Prozent trauen hier Leuthard. In der Romandie glauben immerhin 39 Prozent Leuthards Versprechen, ein Viertel hingegen nicht.

Und im  Tessin halten sich die beiden Lager mit 43 Prozent Zweiflern  und 42 Prozent Gläubigen die Waage. Jeder Siebte in der ganzen Schweiz weiss hingegen noch nicht, was er vom Leuthard-Versprechen halten soll.

Pult: «Volk durchschaut den Schwindel des Bundesrats»

Jon Pult, Präsident der AlpenInitiative: «Rein sachlich betrachtet, ist dieser Entscheid der SBB schlicht gaga.» play
Alpeninitiative-Präsident Jon Pult. RDB

«Die Umfrage bestätigt, dass das Volk den Schwindel des Bundesrats durchschaut», sagt Alpeninitiative-Präsident Jon Pult. Sei die zweite Röhre mal gebaut, werde der Druck auf eine Vollöffnung mit jedem Stau stärker ansteigen, ist der Bündner SP-Grossrat überzeugt. «Dann wird der Gotthard früher oder später zum kürzesten vierspurigen Transitkorridor Europas – verbunden mit einer massiven Zunahme des Lastwagenverkehrs, mehr Stau in den Agglomerationen und einer Zerstörung der Alpenwelt.»

Als klares Signal gegen die zweite Röhre deutet Pult zudem, dass sich das Volk in der Umfrage klar hinter die bisherige Verlagerungspolitik stellt. 67 Prozent – im Tessin gar 80 Prozent – sind dafür, dass es beim Ziel von maximal 650'000 alpenquerenden Lastwagen auf der Strasse ab 2018 bleibt. Nur 26 Prozent sprechen sich in der Umfrage für eine Obergrenze von jährlich 1 Million Lastwagen aus.

«Mit einer zweiten Röhre würde die bisherige Verlagerungspolitik sabotiert», sagt Pult. «Gerade bei den Tessinern müssen nun die Alarmglocken läuten. Nur mit einem Nein lässt sich mehr Transitverkehr auf der Strasse der Riegel schieben.»

Giezendanner: «Keine Salamitaktik»

Erwartet «intensive» Diskussion: SVP-Haudegen Ulrich Giezendanner. play
SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner (AG). Keystone

Widerspruch kommt von den Tunnelfreunden. «Ich bin ein harter Verfechter davon, dass es bei zwei Spuren bleibt», sagt SVP-Nationalrat und Fuhrhalter Ulrich Giezendanner (AG). «Persönlich hätte ich zwar Freude an vier Spuren, doch das Volk hat das abgelehnt. Eine Salamitaktik gibt es nicht.» Und sollte in 30 Jahren doch jemand vier Spuren fordern, «dann braucht es sowieso einen neuen Volksentscheid».

Im Gegensatz zu den Tunnelgegnern geht Giezendanner davon aus, dass der Druck auf eine Vollöffnung sogar abnimmt. «Mit der Neat werden viele Lastwagen auf die Bahn verlagert, der Verkehr im Gotthard selbst wird sicherer und damit flüssiger. Die Verkehrsprobleme werden damit kleiner.»

Publiziert am 07.01.2016 | Aktualisiert am 07.01.2016
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BLICK on Tour Doris Leuthard verteidigt 2. Gotthard-Röhre gegen Regula Rytz

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  • üeter  Saarsteedt aus La Chaux-de-Fonds
    08.01.2016
    Diese Opposition gegen die 2. Röhre ist unbeholfen und einfältig. Der 2. Gotthardtunnel kann schon wegen den Vorschriften, die in der EU gültig sind nicht vierspurig verwendet werden. Jetztentspricht der Tunnel gar nicht mehr den EU Vorgaben im Bereich Sicherheit. Erst wenn es zwei Tunnels hat sind die jetzt gültigen Sicherheitsvorschriften erfüllt. Wenn da irgend ein Bundesrat den Tunnel in einen 4-Spurigen Tunnel umfunktionnieren würde, dann verstösst der Tunnel gegen diese Vorschriften.
    • Peter  Stahl aus Baden
      08.01.2016
      Sie vergessen wir sind hier in der Schweiz. Wir sind nicht in der EU!
      Hier gelten unsere Werte, Vorschriften und Wünsche. Desweiteren werden hier von unserer eigenen Regierung angelogen. Unbeholfen ist nur wenn wir dieses zulassen. Es ist logisch den Bau abzulehnen. Wir müssen keinen Tunnel bauen für die EU. Denn logisch ist..wenn dieser gebaut ist,,,wird er nachher auch offen sein auf allen vier Spuren, alles andere wäre naiv zu glauben. Also ein klares Nein der Lüge und EU Geschenk.
  • Fritz  Schneller aus Basel
    07.01.2016
    Ich denke Herr CVP-Ständerat Konrad Graber stammt wirklich von einem Storch.......
    Ich bin für eine 2te Gotthard Röhre mit je einee Spur und je einem Pannenstreifen und sagenhafte 100KM/h nachts ab 22Uhr bis 5Uhr früh.
    Durch den Tag max. 90KM/h, da dann alle LKWs Vollgas geben könnten, wenn die Schlafenden, SMS Schreibenden, Telefonierenden oder ängstlichen Autofahrer, die lieber die Bahn nehmen sollten dann endlich Gas geben würden und nicht 18KM lang ängstlich rumducken.......
  • Rolf  Dolder 07.01.2016
    Die zweite Röhre muss und wird eines Tages kommen! Es war einmal in den frühen achtzigerjahren... Da stand auf Transparenten damals "N4" NIE!! Über Jahre quälte sich der Verkehr durchs Säuliamt. Es wurde dann trotzdem gebaut und jeder ist um die SW Umfahrung froher denn je!Der dies damals bestommen hatte, dass die Tunnel bohrmaschine nach Durchbruch nicht gleich umgekehrt wurde für die zweite Röhre, diese Personen sollte man heute für jeden Toten bei einem Frontalcrash im Gotthard verantwortlich
  • Helmut  Ziegler 07.01.2016
    Nicht weit vom Gotthard gibt es den Arlbergtunnel.
    Beide sind fast gleich alt, gleich lang und gleich ausgebaut.
    Die Oesterreicher sanieren ihren Tunnel in drei Jahre für 132 Millionen €
    Und wir brauchen 750 Millionen plus eine 2. Röhre für Milliarden...
    Wer verdient da wieder schamlos?
  • Xaver  Perte 07.01.2016
    Was soll das mit Märchen und Lügen?
    Die Sachlage ist eindeutig und klar. Dass auch weiterhin nur eine Spur pro Richtung betrieben werden darf steht ja schon in der Verfassung, siehe Alpenschutzartikel.
    Sollten sich künftige Generationen einmal dazu entschliessen, zwei Spuren pro Richtung zu öffnen, ist dazu zuerst eine Vervassungsänderung nötig. Und das kommt bestimmt nicht so schnell durch!
    • Markus  Leuzinger aus Wangen
      07.01.2016
      Noch einmal. Die EU bestimmt das. Deren Gesetze stehen über unseren. Dh das Sie, so bald 4 Spuren bestehen, uns schlicht und einfach das Messer an den Hals setzt und sagt was wir zu tun haben: Nämlich die 3. und 4. Spur öffnen. Daher gibt es nur eine Möglichkeit: Es gar nicht so weit kommen zu lassen und bei 2 Spuren bleiben. Das genügt fast das Ganze Jahr auch. Nur in den Ferien steht man im Stau den man aber meist umgehen kann wenn man plant und nicht zu faul ist früher aufzustehen.