Militärpilot Thomas Hurter zum SRF-«Terror»-Film «Ein Waffeneinsatz ist immer die Ultima Ratio»

Darf ein Militärpilot ein Passagierflugzeug abschiessen, um Zehntausende Menschen zu retten? SVP-Nationalrat und Pilot Thomas Hurter hofft, dass die brisante diese Frage einem Piloten nie stellen wird.

SRF-«Terror»: Ex-Militärpilot Thomas Hurter über Abschuss-Entscheidung play
SVP-Nationalrat und Pilot Thomas Hurter thomas-hurter.ch

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Ein Passagierflug wird auf dem Weg von Berlin nach München entführt. Der Terrorist droht damit, dass Flugzeug auf ein vollbesetztes Fussball-Stadion stürzen zu lassen.

Der Militärpilot schiesst die Maschine ab, obwohl sein Antrag auf Abschuss-Freigabe abgelehnt wird. Ein fiktives Szenario zwar, das SRF heute Abend mit dem Film «Terror – Ihr Urteil» zeigt. Doch ein Szenario, welches wohl jeden Piloten in ein Dilemma stürzen würde.

Weiteres Leid verhindern

«Ich hoffe, dass nie ein Pilot in die Situation kommt, diese Frage entscheiden zu müssen», sagt der SVP-Sicherheitspolitiker sowie Militär- und Linienpilot Thomas Hurter aus Schaffhausen. «Die Frage ist: Wie kann weiteres Leid verhindert werden?»

Er könne aber nicht sagen, wie er entscheiden würde, da er die konkrete Ausgangslage zu wenig kenne.

Zivilflugzeuge dürften grundsätzlich nicht abgeschossen werden, betont Hurter. Ein Waffeneinsatz sei nur zulässig, wenn luftpolizeiliche Massnahmen nicht Folge geleistet werde und andere verfügbare Mittel nicht ausreichten. Vorbehalten blieben Waffeneinsätze bei Notstand und Notwehr. «Ein Waffeneinsatz ist immer die Ultima Ratio», so Hurter.

Parmelin müsste entscheiden

«Entscheidend ist nicht die Frage nach der Schuld, sondern danach, wer für den Entscheid zuständig ist. Das ist in der Schweiz gesetzlich geregelt: Der Verteidigungsminister – aktuell also Bundesrat Guy Parmelin – müsste entscheiden.»

Und der Pilot müsse sich an einen solchen Befehl halten. «In der Demokratie kann nicht jeder Polizist, Soldat oder hier Pilot den Entscheid der zuständigen vorgesetzten Behörde in Frage stellen. Sonst funktioniert das System nicht mehr.» Komme hinzu, dass dem Piloten das gesamte Lagebild fehle. «Das Wissensspektrum der Vorgesetzten ist wohl grösser, deshalb sollte man ihren Entscheid auch akzeptieren.»

Szenario «unwahrscheinlicher geworden»

Allerdings beurteilt Hurter das Film-Szenario als «nicht umfassend». Der Film blende sämtliche vorgängigen, luftpolizeilichen Massnahmen wie Funkaufrufe oder Abfangoperationen aus. «Solche Massnahmen werden sehr häufig trainiert. Doch der Film beginnt gleich mit der höchsten Eskalationsstufe.»

Dass ein solches Szenario nie wieder eintreffen werde, könne man zwar nicht ausschliessen. «Nach dem 11. September 2001 ist es aber unwahrscheinlicher geworden. So ist der offene Zugang zum Cockpit nicht mehr möglich.»

Hurter geht auch davon aus, dass schon nur die Abschussmöglichkeit für eine gewisse Abschreckung sorge. «Der Terrorismus entwickelt sich aber weiter, deshalb müssen sich auch die Abwehrmassnahmen weiterentwickeln.»

Für Freispruch

Der SVP-Mann rechnet damit, dass sich das Fernsehpublikum heute Abend für einen Freispruch des Piloten entscheiden wird. «Aufgrund der Güterabwägung, dass der Pilot wohl in einer Notstandssituation entschieden hat, um weiteres Leid zu verhindern. Aus dieser Sicht würde auch ich für einen Freispruch plädieren.»

Publiziert am 17.10.2016 | Aktualisiert am 18.10.2016
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6 Kommentare
  • Fidel  Reyes Galvan , via Facebook 18.10.2016
    Wir haben die Meinung von Hr. Hurter als Militärpilot gehört, aber ich vermisse seine Meinung als Zivilpilot, ich meine, der Pilot hat weiterhin das Flugzeug gelenkt (man sagte 2 Piloten und ein Entführer waren im Cockpit) und kann mich vorstellen dass er als Pilot nie im Stadium geflogen wäre sondern irgendwo rundum, diese Meinung von Hr. Hurter steht noch offen für mich
  • Anders  Denker 18.10.2016
    Man stelle sich vor, man sitzt in so einem Flugzeug und wüsste, dass man sterben wird. Dann würde ich mir wohl noch aussuchen wollen wie! Ich bin überzeugt, ein Aufstand im Flugzeug wäre die erste Option, koste es was es wolle. Bestimmt hätten auch andere den Mut dazu. Es gäbe ja absolut nichts mehr zu verlieren. Darum käme ein Abschuss erst im letzten Moment in Frage!
  • Franz  Weber 18.10.2016
    Der Pilot hat genau nach Anweisungen seines Vorgesetzten zu handeln. Ein Pilot darf gar nie in eine dementsprechende Situation gebracht werden. Er hat sich genau auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Mit anderen Worten darf ein Pilot in einer derartigen Situation nur sachlich zwingend notwendige Informationen erhalten; z. B. darf er gar nicht wissen, ob namentlich ein Stadion voll, geleert oder leer ist. Es darf nicht sein, dass die Verantwortlichen ihre Verantwortung an den Piloten abschieben.
  • Andreas  Gerber aus Zürich
    18.10.2016
    Man hat nicht alle Möglichkeiten abgewägt. Ich fliege zwar keine Kampfjets, aber ich habe Innovationen. Um den Airbus ziemlich in die Breche zu bringen, hätte ich mich mit dem Eurofighter vor die Nase des Airbus gesetzt und mal Kerosin abgelassen. Wenn die Sichverschleierung nicht genügt hätte hätte ich das vor einem Triebwerk gemacht, welches zuerst Feuer gefangen und danach gelöscht worden währe. Mit halber Kraft hätte sich der Terrorist ggf. anders entscheiden. 2. Triebwerk als Endlösung.
  • Erich Urban  Küpfer 18.10.2016
    Thomas Hurter hat mich angenehm überrascht. Als hoher Offizier toleriert er eine Befehlsverweigerung aus Gewissensgründen. Hätte das damals der US-Pilot auch gemacht, wären nicht 130000 Menschen in Hiroshima gestorben. Da kommt mir das alte Zitat in den Sinn: "Stell dir vor, es wäre Krieg und keiner geht hin." Werden unsere Rekruten auch in diese Richtung geschult, Befehlsverweigerung ist dann tolerierbar, wenn es mit dem eigenen Gewissen vereinbar ist?