Ineichens Rezept Ex-Jugoslawen sollen Deutsche stoppen

  • Publiziert: 03.12.2009, Aktualisiert: 17.01.2012
  • Von Henry Habegger

ZÜRICH – FDP-Nationalrat Otto Ineichen (68) will Gastgewerbe-Angestellte aus dem Balkan zu Pflegern umschulen.

Der Ansatz des Luzerner Unternehmers ist simpel und einleuchtend: Man nehme zwei Probleme und mache daraus eine Lösung.

Problem 1: «Tausende von Personen aus dem Balkan» zum Beispiel in Gastgewerbe oder Hotellerie seien im letzten Jahr durch besser qualifizierte Deutsche ersetzt worden, stellt Ineichen fest. Tendenz weiter steigend. Die Gefahr bestehe, dass die Entlassenen zu Langzeitarbeitslosen würden.

Problem 2: Gleichzeitig fehle, weil die Schweizer immer älter werden, im Pflegebereich immer mehr Personal. Bis 2020 brauche es dort «mehr als 15 000 zusätzliche Angestellte».

Lösung: Mit einer Motion will Ineichen den Bundesrat beauftragen, dass er zusammen mit Partnern wie Spitälern und Kantonen ein Aus- und Weiterbildungsangebot schafft. Damit sollen namentlich ehemalige Kellner und Hotelangestellte befähigt werden, «einfache Pflegeleistungen im Bereich Spitäler und Heime ausführen zu können».

Ineichen versteht das auch als Dank an die Leute aus dem Balkan, die viel für unsere Volkswirtschaft geleistet hätten.

Unterstützung von Leuthard

Ineichen hat in den letzten Tagen an seinem Vorstoss gefeilt und wird ihn in den nächsten Tagen wohl als FDP-Fraktionsmotion einreichen. «Ich stosse auf breite Unterstützung», freut er sich, «auch bei Wirtschaftsministerin Doris Leuthard.» Laut Ineichen soll das Angebot «natürlich» auch an anderen Ausländergruppen sowie Schweizern offen stehen.

Eine Nebenerscheinung der Umschulung wäre: in den Pflegeberufen braucht es weniger «neue» Ausländer. Also auch weniger «neue» Deutsche. Der Ineichen-Plan ist also auch ein Vehikel, um die Zuwanderung aus Deutschland zu dämpfen, die vielen Schweizerinnen und Schweizern Angst macht.

play Zwei Fliegen auf einen Streich: Otto Ineichen. (Michael Stahl)