Ratskollegin: «Es wäre stossend, wenn Hutter in Bern bliebe»

  • Publiziert: 07.07.2009, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Simon Hehli

BERN – Tritt SVP-Frau Jasmin Hutter (31) aus dem Nationalrat zurück, sobald sie ihr Kind bekommen hat? Bundeshauskolleginnen mit Mama-Erfahrung geizen nicht mit Tipps.

Chantal Galladé ist die Vorzeige-Mama im Nationalrat. Vor vier Jahren brachte sie sogar ihr damals elf-wöchiges Töchterchen Aline zum Stillen mit ins Parlament – und empörte damit stramm rechte Ratskollegen. SVP-Nationalrätin Jasmin Hutter, die ihr Kind im Dezember erwartet, wird eine solche Aktion bestimmt nicht durchgeben. Sie spielt sogar mit dem Gedanken, sich ganz aus der nationalen Politik zurückzuziehen, um sich Tag und Nacht ihrem Baby widmen zu können (Blick.ch berichtete).

Da prallen Weltbilder aufeinander: Auf der einen Seite die Sozialdemokratin Galladé (36), die Nachwuchs und politische Karriere unter einen Hut zu bringen versucht – auch wenn das oft reichlich kompliziert ist, wie die Winterthurerin bekennt. So muss öfters Galladés Mutter einspringen, wenn die Politikerin über Nacht wegbleibt. Auf der anderen Seite SVP-Vizepräsidentin Hutter, die den Frauen und sich selber eine konservative Rolle innerhalb der Familie reserviert.

«Werte ihren Entscheid nicht»

Die beiden politischen Kontrahentinnen fassen sich gegenseitig dennoch mit Samthandschuhen an: «Das ist Hutters ganz private Sache, ich werte und kommentiere ihren Entscheid nicht. Es ist nicht dienlich, verschiedene Familienmodelle gegeneinander auszuspielen», hält Galladé gegenüber Blick.ch fest.

Sie glaube nicht, dass ihre Tochter unter ihrem politischen Engagement leide. «Wäre es aber so, würde ich sofort etwas ändern – und wenn nötig auch aus dem Nationalrat zurücktreten», betont die alleinerziehende Mutter mit Uni-Abschluss in Pädagogik.

Auch Hutter gibt sich handzahm: «Ich respektiere, dass es Frauen gibt, die sagen, dass sie ihre berufliche Aufgabe als Ausgleich zum Muttersein brauchen.» Sie könnte es aber nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, wenn sie ihren Nachwuchs in fremde Hände geben müsste, betont die Ostschweizerin. «Und ich will ja auch die ersten vier, fünf Jahre geniessen, bis das Kind in den Kindergarten kommt», sagt Hutter.

Schmid-Federer genervt

Dass Hutter nun bei der Frage herumeiert, ob sie vielleicht trotzdem im Parlament bleibt, nervt CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer (43): «Seit ich Jasmin Hutter kenne, predigt sie dagegen an, dass sich Mütter im Beruf verwirklichen wollten. Deshalb empfände ich es als stossend und inkonsequent, wenn sie nun ihr Nationalratsmandat nicht aufgeben würde.»

Schmid-Federer selber ist zweifache Mutter, doch gelang ihr der Sprung in den Nationalrat erst vor zwei Jahren, als ihre beiden Kinder bereits zwölf und neun Jahre alt waren. Dafür ist sie dankbar – denn mit einem Säugling zuhause wäre ihr der Stress auf der nationalen politischen Bühne zu gross geworden. Auch darum rät sie Hutter, dass diese ihrem Credo folgen und zuhause bleiben solle.

Hutter, die Vorzeigechefin für Mamas

Im Gegensatz zu ihren Ratskolleginnen Schmid-Federer und Galladé hält Jasmin Hutter gar nichts von einer staatlichen Förderung für Kinderkrippen. Die Kinderbetreuung sei ausschliesslich Privatsache, betont sie. Dafür ermöglicht die Rheintalerin in ihrem Bagger-Betrieb fünf Müttern, Teilzeit zu arbeiten. «Sie können selber untereinander ausmachen, wer wann ins Büro kommt. So bringen sie Beruf und Familie problemlos unter einen Hut», erklärt Hutter. Hätten alle Frauen mit Kinderwunsch so verständnisvolle Chefs, wäre wohl auch der Bedarf an Kinderkrippen in der Schweiz kleiner.