Finanzindustrie-Vertreter gegen die Unternehmer Es ist eisig kalt in der FDP

  • Publiziert: 02.03.2010, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Henry Habegger, Simon Spengler

Wer nicht spurt, soll gehen. Jetzt wehrt sich Tarzisius Caviezel für die Querdenker in der Partei.

In einer Ecke steckten gestern FDP-Präsident Fulvio Pelli und Nationalrat Fabio Abate die Köpfe zusammen. Einige Meter entfernt, in einer anderen Ecke der ansonsten leeren Bundeshaus-Cafeteria, sassen die Nationalräte Philipp Müller (AG), Otto Ineichen (LU) und Tarzisius Caviezel (GR). «Sie brauchen ein starkes Weitwinkel-Objektiv, um uns aufs gleiche Bild zu bekommen», sagte Müller trocken.

Der FDP-interne Streit ums Bankgeheimnis, in der Cafeteria bildlich dargestellt. Eine offensive Weissgeldstrategie wollen die Leute um Ineichen, Müller sowie den Baumeister-Präsidenten Werner Messmer. Eine defensive Abwehrschlacht will das dominierende Pelli-Lager. Die Auseinandersetzung wird so gehässig geführt wie lange nicht. Nationalrätin Doris Fiala (ZH) forderte an der letzten Fraktionssitzung die Kritiker Müller, Ineichen und Messmer auf, die Partei zu verlassen.

Als Spaltpilz betätigte sich in der «Luzerner Zeitung» gestern auch noch FDP-Vizepräsident und Anwalt Vincenzo Pedrazzini (Schwyz). Er sagte dass «98 Prozent der Partei geschlossen» aufträten. «Die anderen 2 Prozent sollten sich überlegen, ob sie bei der FDP noch am richtigen Ort sind».

Wem der Hochfinanz-Kurs der FDP nicht passt, der soll also gehen. Das bringt den Bündner Unternehmer Caviezel auf die Palme. «Es ist völlig neben den Schuhen, wenn gewisse Parteiexponenten derartige Drohungen ausstossen. Leute wie Otto Ineichen würden alles geben für diese Partei, sie wollen nur das Beste.» Für ihn ist klar: «In einer Partei, und insbesondere in der freisinnigen Partei, müssen unterschiedliche Meinungen möglich sein.» Und: «Wir sollten nicht immer nur von einer Finanzplatzstrategie reden, sondern auch einmal von Werkplatzstrategie.»

Die Parteispitze um Fulvio Pelli und Gabi Huber wollte sich gestern dazu nicht äussern. Heute Nachmittag müssen sie Stellung beziehen: Es ist wieder Fraktionssitzung.

play FDP-Präsident Fulvio Pelli. (Keystone)