Erstmals Geschenke-Inventar für 2015 Der Bundesrat bleibt auf dem Teppich

Für 2015 hat sich der Bundesrat eine neue Aufgabe ins Pflichtenheft geschrieben: Über teurere Geschenke wird Buch geführt! Allerdings verfügt bisher nur das Aussendepartement über eine entsprechende Liste.

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Per 2015 hat sich der Bundesrat eine neue Aufgabe ins Pflichtenheft geschrieben. Gemäss dem sogenannten Aide-mémoire für die Bundesratsmitglieder müssen die Departementssekretariate seit 1. Januar 2015 Inventar über Geschenke führen, welche der Bundesrat «bei nationalen oder internationalen Kontakten» erhält. Zumindest über jene Geschenke, die materiell mehr als nur «einen geringfügigen Wert» aufweisen. Teurere Präsente also, die ein Bundesrat nicht persönlich behalten darf.

Zwei Teppiche aus Aserbaidschan

Zeit für eine erste Jahresbilanz! Und die zeigt: Der Bundesrat bleibt auf dem Teppich. Deren zwei, um genau zu sein. Im Juni erhielt Aussenminister Didier Burkhalter von Aserbaidschan einen Teppich überreicht, als er die Europaspiele in Baku besuchte. Geschätzter Wert: 1500 Franken.

Präsidiales Treffen am WEF 2014: Didier Burkahlter mit Ilham Aliyev aus Aserbaidschan. play

Präsidiales Treffen am WEF 2014: Didier Burkahlter mit Ilham Aliyev aus Aserbaidschan.

Und erst vor wenigen Tagen erhielt Burkhalter einen zweiten Teppich, ebenfalls aus Aserbaidschan. Diesmal als Dank für die Vermittlungsbemühungen zwischen den zerstrittenen Staaten Armenien und Aserbaidschan. Dieser Teppich liegt derzeit für eine Schätzung beim einem Gutachter.

Nur das EDA hat eine Liste

Damit hat es sich schon, wie die BLICK-Umfrage bei allen Departementen zeigt. Ausser beim Aussendepartement tönt es überall gleich: «Mangels Geschenken von mehr als bloss geringfügigem Wert existiert bei uns aktuell keine solche Liste», antwortet exemplarisch das Finanzdepartement.  

Der Teppich aus Aserbaidschan jedenfalls wurde dem  Bundesamts für Kultur zur Lagerung übergeben. Beim Besuch von BLICK wusste Konservator Andreas Münch noch gar nichts von der neuen Inventar-Pflicht. Er ist aber hocherfreut. «Dass der Bundesrat Inventar über seine Geschenke führt, ist uns schon länger ein Anliegen. Umso mehr freut es mich jetzt, dass er sich diese Aufgabe zu Herzen nimmt», sagt Münch.

Kultur-historischer Wert

Zwar landen viele diplomatische Geschenke schon seit Jahren bei Münch. Und die entsprechende Sammlung «Cadeaux diplomatiques» zählt aktuell rund 370 Objekte. Doch bei vielen Gaben ist unklar, wann, von wem und weshalb sie geschenkt wurden.

Das soll die Inventar-Pflicht ändern: «Bei den Geschenken steht nicht der materielle, sondern der kultur-historische Wert im Vordergrund. Die Geschichte hinter dem Geschenk ist wichtig», sagt Münch. «Und daraus lässt sich für jede Epoche oder jedes Land auch eine Geschichte des Schenkens ableiten.»

Grosses Reinemachen bei Rücktritt

Nicht nur teure Geschenke, auch allerlei Fotos, Bilder, Büsten, Schnitzereien, Gedenkmünzen, Vasen und noch vieles mehr finden den Weg zu Münch – oft nach einem Bundesrats-Rücktritt. Münch lachend: «Beim grossen Reinemachen kommt manchmal alles miteinander – also auch jene Geschenke, die keinen grossen materiellen Wert besitzen.»

Man darf also gespannt sein, was dieses Jahr alles den Weg in Münchs Sammlung findet.

Publiziert am 04.01.2016 | Aktualisiert am 04.01.2016
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3 Kommentare
  • Sabi  Limmar 04.01.2016
    Diese Geschenke stellen ein Staatsvermögen dar, resp. gehören anteilsmässig allen steuerzahlenden Schweizern! Ich bin fürs verkaufen und dann wird alles gespendet ans TIF - Tier im Fokus. Das macht Sinn, horten macht keinen!
    • Marco  Hanhart , via Facebook 04.01.2016
      Genau, warum nicht gleich eine Volksabstimmung lancieren für den Verwendungszweck? Wobei die Geschenke wohl weniger abwerfen dürften als die Abstimmung kosten würde.
      Dies sind Kulturgüter und gehören somit eingelagert und sicher nicht verscherbelt und es wäre auch frech gegenüber den Geschenkgebern. Spenden Sie bitte aus eigener Tasche für diese Tiere oder gehen Sie sammeln oder ihre Gemeinde anbetteln, wenn es ihnen ein solches Anliegen ist.
    • Sabi  Limmar 04.01.2016
      @Marco Hanhart - Können Sie sich vorstellen, dass wenn die Schweiz auf Staatsbesuch in China ist und z.B. eine Kuhglocke als Kulturgut schenkt, diese Glocke dort eingelagert wird? Sie wird sicherlich gleich kopiert und wir kaufen dann Schweizer Kulturgut Made in China! Teppiche einlagern? Wozu? Ist doch schade, die soll jemand kaufen und dann nutzen! Wertvolle Schätze in einem Keller, wo niemand Zutritt hat - schrecklich und unnütz!