
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
play
Ueli Maurer leidet unter den Bürden seines Amtes. (Keystone)
Ueli Maurer hat ein Problem: Zwar wollten plötzlich alle seine Freunde sein, seit er Bundesrat sei. Der einst Verlachte hat sich zur Respektsperson gemausert. Aber dennoch fühlt er sich einsam, wie er in einem Interview mit dem «Bund» bekennt.
«Die Gefahr der Isolation ist immens. Es gibt Tage, da kommt kein einziges Telefon bis zu mir. Da sehe ich nur die Spitzen des Departements und der Armee», beklagt er sich.
Der bodenständige Zürcher Oberländer reagiert darauf auf seine Weise: Er sei fast jeden Abend irgendwo bei «normalen Leuten». Um den Kontakt nicht zu verlieren, sei er nicht selten bis Mitternacht unterwegs. Ab und zu picknicke er auch auf dem Bundesplatz.
Dass er die Annehmlichkeiten des hohen Amtes geniesse, weist der SVP-Mann weit von sich: «All das Förmliche ist mir persönlich sehr unangenehm. Ich mag das nicht.» Er habe sogar nach Ausreden gesucht, um Dmitri Medwedew bei dessen Staatsbesuch letzte Woche nicht die Hand schütteln zu müssen.
Erstickende Förmlichkeit
Letztlich konnte er sich nicht vor dem Treffen mit dem russischen Präsidenten drücken. In für einen Bundesrat seltener Offenheit berichtet Maurer vom Staatsanlass: Es sei für ihn spannend gewesen zu beobachten, wie unsicher alle Leute im Grunde seien.
«Da sitzt man am Tisch, jeder versucht, seine Rolle gut zu spielen, und alle beobachten, wie schön der andere isst. Alles ist ungelenk und gekünstelt. Ich habe mich selten so köstlich amüsiert wie an diesem Abend. Das ist ein Stück weit Realsatire. Man erstickt in der Förmlichkeit», spöttelt er.
Im Interview inszeniert sich der VBS-Boss als hemdsärmliger Macher: «Ich hätte eigentlich Lust gehabt, den Tschopen auszuziehen, die Ärmel umzukrempeln und zu sagen: Kommt, jetzt trinken wir ein Bier und schauen, was wirklich die Probleme sind.» Das habe er sich beim ersten Mal dann doch nicht getraut, betont Maurer. (hhs)