Die Armee steckt in einer tiefen Krise. Christoph Blocher will deshalb einen radikalen Umbau der maroden Truppe: Vor allem eine Verkleinerung verbunden mit einer erhöhten Flexibilität der Soldaten. In einem Interview in der aktuellen «Weltwoche» kommt der Oberst a. D. gar ins Schwärmen ob den Guerilla-Einheiten des nordvietnamesischen Vietcongs. Dieser habe mit einfachsten Mitteln und unter Ausnützung der lokalen Verhältnisse und der Schwäche des Gegners gekämpft.Blocher beeindruckten insbesondere die unterirdischen Gänge des Vietcong, die er selber besucht hat: «Gänge, die sich trichterförmig verengen, so dass die korpulenteren Amerikaner, aber nicht die Vietnamesen darin stecken blieben», wie er berichtet.Ein Vorbild für die heutige Truppe ist für den SVP-Strategen auch die Schweizer Armee im Zweiten Weltkrieg, die mit ihrer Gebirgsarmee den Gegner abgeschreckt habe. Diese Ansätze hat Blocher im Armeepapier seiner
Partei festgehalten, in das auch
Bundesrat Ueli Maurer «von Anfang an» eingeweiht gewesen sei.Soldaten müssen den Nahkampf übenEine Schweizer Guerilla-Armee, die dem Angriff einer konventionellen Armee trotzt– ist das wirklich realistisch? Ja, findet Militär- und Strategie-Experte Albert Stahel, Professor an der Uni Zürich. Er denkt dabei weniger an die Vietcong, als an die
Taliban und die irakischen Aufständischen: «Die Beispiele Afghanistan und Irak zeigen, dass eine Guerilla-Armee sehr erfolgreich operieren kann», sagt er gegenüber Blick.ch. Man müsse sich deshalb überlegen, ob nicht auch die Schweizer Armee so ausgerichtet werden sollte.Eine solche Armee verzichtet gemäss Stahel auf schwere
Waffen und setzt vor allem auf Panzer- und Fliegerabwehr. Sie hat eine dezentrale Organisation für den Kleinkrieg. «Es braucht eine andere Art der Ausbildung, die Soldaten müssten vermehrt Nahkampf trainieren», betont er. Er habe solche Vorschläge übrigens schon vor drei Jahren gemacht, nur habe es damals keine grosse Resonanz gegeben, betont der Professor.Das Mittelland nicht kampflos preisgebenGuerillakrieg bedeute nicht, dass wir von einer feindlichen Armee einfach überrollt würden und das Mittelland preisgeben müssten wie beim Réduit-Konzept aus dem Zweiten Weltkrieg. «Durch Anschläge gegen Transitachsen, etwa den Gotthard, könnte die Schweizer Armee den Vormarsch von Invasoren stoppen.»Denn das Mittelland unterscheide sich topographisch gar nicht so stark von den Gebieten Afghanistans, welche die Taliban erfolgreich gegen die Nato-Übermacht verteidigen. Der einzige Haken, den Stahel am Guerilla-Konzept sieht, ist die mangelnde Leidensfähigkeit der Schweizer Bevölkerung.Doch das sind Gedankenspiele. Denn der Angriff einer konventionellen Armee und damit der Verteidigungsfall sind in den nächsten Jahren sowieso sehr unwahrscheinlich. Das weiss auch Stahel. Umso grösser seien die Vorteile einer Guerilla-Truppe: «Damit können wir viel Geld sparen, etwa indem wir alle Panzer einmotten können.»Und wie siehts mit den umstrittenen Kampfflugzeugen aus? Solche hatten die Vietcong schliesslich auch keine – und Blocher findet, dass man gut darauf verzichten könne. Hier widerspricht Stahel allerdings: «Flieger brauchen wir weiterhin, auch um die Funktionen der Luftpolizei in Friedenszeiten erfüllen zu können.»