Umweltbewusste Atombefürworterin «Das Klimaproblem kann man nur mit Kernenergie lösen»

ZÜRICH - Die Abstimmung um den Atomausstieg könnte knapp ausgehen. Momentan führen die Atomgegner, besonders Frauen wollen Kernkraftwerke vom Netz genommen sehen. Nicht aber Irene Aegerter: Die 76-jährige Physikerin ist bekennende Atombefürworterin – und trotzdem umweltbewusst.

INITIATIVE ATOMAUSSTIEG, INITIATIVE SORTIER DU NUCLEAIRE, play
Wie lange die AKW in der Schweiz (im Bild ein Kontrollraum im Kraftwerk Mühleberg) noch Strom liefern, entscheiden die Stimmbürger am 27. November. Keystone

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Den Atomkraftwerken könnte bald der Stecker gezogen werden, sollte die Atomausstiegs-Initiative angenommen werden. Noch sind die Befürworter der Initiative leicht im Vorsprung, wie verschiedene Umfragen zeigen. Besonders Frauen scheinen sich von den Atomkraftwerken verabschieden zu wollen (BLICK berichtete), 56 Prozent der Wählerinnen sagen Ja zur Initiative.

Doch das wollen sich Atombefürworterinnen nicht gefallen lassen, der Gegenangriff ist eingeleitet. Am Montag wird ein Inserat der CVP-Frauen in einer grossen Tageszeitung zu einem Nein aufrufen.

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Physikerin Irene Aegerter (76) kämpft für den guten Ruf der Atomenergie. Blick

Auch aus der Wissenschaft bekommen die Initiativgegner weibliche Unterstützung. Irene Aegerter, pensionierte Physikerin, kämpft seit Jahren für die friedliche Nutzung der Atomenergie. Dazu reist sie durchs Land, nimmt an Podien und Streitgesprächen teil und verkündet ihre Botschaft der friedlichen Atomenergie. Die Jeanne d’Arc der Atombefürworter ist überzeugt, dass die Atomenergie nicht ausgedient hat. Sie habe gar eine grosse Zukunft vor sich. «Unsere Welt braucht CO2-freien Strom», so die Präsidentin von Energiesuisse, einem Netzwerk für gesicherte Energieversorgung.

Energie speichern – aber wie?

Dabei ist der 76-Jährigen die Umwelt keinesfalls egal, in ihr schlägt ein grünes Herz, wie sie selbst sagt. «Wir haben unser Haus  nach Minergie-Standard gebaut, ohne dafür einen Franken Subventionen zu erhalten.»

Für Aegerter sind Umweltschutz und Atomenergie kein Widerspruch, im Gegenteil. «Mit alternativen Energien können wir den Strombedarf zurzeit nicht decken. Wir müssen dreckigen Kohlestrom importieren oder selbst Gaskraftwerke bauen. Das tut mir weh.»

Im Sommer produzieren Solarpanels Strom auf Hochtouren. Doch wenn sich die Sonne im Winter tagelang hinter dem Nebel versteckt, die Tage kürzer werden und die Heizungen heisslaufen, kann der Strom knapp werden. «Erst wenn wir Energie wirklich speichern können, können wir auf alternative Energien setzen.» Zurzeit sei aber die Schweiz mit ihren Pumpspeicherkraftwerken noch weit davon entfernt.

Fukushima in Mühleberg

Die Angst des Initiativkomitees vor der atomaren Katastrophe teilt sie nicht. Sicherheit – das ist ihr Thema, da schlägt ihr Herz höher. «Dieses Sicherheitsdenken fasziniert mich an der Kernenergie. Alles muss redundant vorhanden sein, jeder erdenkliche Zwischenfall wird abgedeckt», so Aegerter.

Dass ein GAU wie in Fukushima auch in Mühleberg geschehen könnte, glaubt sie nicht. Das japanische AKW sei nicht nachgerüstet worden. «Hätte Mühleberg in Fukushima gestanden, wäre dies nicht passiert.» Das habe auch der Stresstest gezeigt, welchem AKW in aller Welt nach der Reaktorkatastrophe in Japan ausgesetzt wurden. Ergebnis: Schweizer AKW entsprechen den höchsten Standards.

Aber auch für Aegerter steht fest: Die Sicherheit kommt an erster Stelle. «Wenn man nicht in Sicherheit investieren will, soll man es besser lassen.»

Am 27. November wird sich zeigen, ob die Kühltürme weiter dampfen dürfen. Falls die Stimmbürger der grünen Initiative die rote Karte zeigen, wird die Kernenergie irgendwann zurückkommen, davon ist Aegerter überzeugt. So lange kämpft sie weiter, denn ihre Überzeugung ist klar: «Das Klimaproblem kann man nur mit Kernenergie lösen.»

Publiziert am 20.11.2016 | Aktualisiert am 26.11.2016
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101 Kommentare
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    22.11.2016
    Recht hat sie, doch wer möchte seine Wirtschaft schon auf einer Zeitbombe bauen ? Die Zeitbombe Klima ist nur ein "Wirtschaftstrick" um die Uranlager aufzustocken, Geld in neue AKWs zu investieren. Sie wären wohl Sicher, wäre da nicht der fehlbare Mensch an der Steuerung. Nach der letzten Eiszeit hatten die Menschen auch geklagt, dass es immer wärmer werde.....um die nächste Eiszeit zu verhindern, haben wir das Rezept ja schon !
  • Eric  Vieira aus Frenkendorf
    22.11.2016
    @Studer
    Es geht nicht um die Herstellungsenergie. Glas- und Karbonfaser-Verbundstoffe (Rotoren) sind nicht so einfach zu entsorgen. Die Demontage braucht auch Kranen und Sondertransporte. Von den Herstellern gibt es nie eine vollständige Ökobilanz. Es ist aber allgemein bekannt dass die Entsorgung etliche technische Probleme bereiten wird. Einfaches Recycling geht zumindest noch nicht. Die entspr. Erntefaktoren könnten dann richtig nach unten purzeln, sogar in den negativen Bereich.
  • Heini  Glauser aus Windisch
    22.11.2016
    "Irene Aegerter, pensionierte Physikerin, kämpft seit Jahren für die friedliche Nutzung der Atomenergie." Dies ist untertrieben. Frau Aegerter hat mit der Atomenergie eine lebenslängliche Mission.
    Da lohnt sich ein Blick auf http://www.infosperber.ch/Artikel/Umwelt/Mission-Atomstrom-Das-Netzwerk-der-Unbeirrbaren
  • Hendrick  Lichtenberg 22.11.2016
    Energie Speichern, aber wie? Dachte die Frau sei vom Fach. Es gäbe so viele Möglichkeiten die überschüssige Energie vom Sommer für den Winter zu speichern, man müsste einfach Geld dafür investieren.
  • Matthias  Mühler aus Biel
    21.11.2016
    Auch wenn mal was passiert dreht doch die Welt weiter. Fukushima, Three Miles und Tschernobyl haben es auch geschafft mit dem kleinen bisschen Strahlung auszukommen. Eigentlich sollte jedes Dorf ein kleines sicheres AKW haben. Und der Atomstrom kostet fast nichts. Leider gibt es bis heute keine anderen Stromerzeugungsarten und wenn wir auch nur ein AKW abstellen können wir keinen Strom mehr ins Ausland verkaufen.
    • Ernst  Dittmar aus Adliswil
      21.11.2016
      Fukushima strahlt noch immer und es fliesst immer noch radioaktives Wasser unkontrolliert in den Pazifik. Nichts ist unter Kontrolle. Fische aus dem Pazifik sollte man besser nicht mehr essen. Radioaktives Wasser aus Fukushima ist an den Stränden in Hawaii und Kalifornien angekommen. Verharmlosen Sie bitte diese Katastrophe nicht! Atomkraft mit Umweltschutz gleichzusetzen, wie das Irene Aegerter tut, ist schlicht weg reiner Zynismus.