Ein Jahr nach Merkels Ausspruch Was bedeutet «Wir schaffen das» für die Schweiz?

Vor zwölf Monaten sorgte die deutsche Bundeskanzlerin mit «Wir schaffen das» für weltweites Aufsehen. Was seither passiert ist – und welche Folgen der Spruch für die Schweiz hatte.

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1 Jahr Angela Merkels Flüchtlingspolitik: Auswirkungen für Schweiz? play
Angela Merkel Imago

In der Folge öffnete sie am 4. September die Grenze und liess hunderttausende Flüchtlinge ins Land. Das deutsche Magazin «Cicero» titelt rückblickend dazu in seiner aktuellen Ausgabe: «Merkels Marschbefehl».

Deren Worte hätten an der syrischen Grenze viral gewirkt. «Die Nachricht wurde nicht in erster Linie als Asyl-, sondern als Einwanderungsangebot wahrgenommen», schreibt der Reporter, der zu dieser Zeit im Konfliktgebiet war. Die News habe sich «instantly» verbreitet, viele von ihnen seien «only because of that» nach Deutschland aufgebrochen.

1 Jahr Angela Merkels Flüchtlingspolitik: Auswirkungen für Schweiz? play
Im italienischen Grenzort Como halten sich seit etwa Mitte Juli rund 500 Migranten auf. Viele möchten weiter nach Deutschland. FRANCESCA AGOSTA

Auch Schweizer Grenze war von Balkan-Route betroffen

Zu Beginn von vielen bejubelt, geriet die mittlerweile von vielen als «Wilkommenskultur» verschriene Politik Merkels rasch in die Kritik. Nach einem halben Jahr machte Deutschland die Grenze wieder dicht, die Balkan-Route ist seither quasi nicht mehr existent.

Doch welche Auswirkungen hatte Merkels berühmter Ausspruch eigentlich für die Schweiz? Fakt ist: Rund die Hälfte aller in der Schweiz eingegangenen Asylgesuche registrierte man in den letzten vier Monaten des Jahres, also nach Merkels Offensive.

Im Fokus standen wegen dem grossen Andrang auf der Balkan-Route die Nord- und Ostgrenze. Die Schweiz hatte zu dieser Zeit zwar viele Asylgesuche, im relativen Vergleich zu Deutschland waren es aber deutlich weniger.

Heute wieder «normale» Situation

Diese beiden Umstände ausschliesslich mit Merkels Worten zu erklären, greift zu kurz – einen gewissen Einfluss dürften sie aber dennoch gehabt haben: Viele kamen nach Europa, die meisten wollten nach Deutschland.  Schliesslich spricht sich rasch herum, wie einzelne Länder mit den Flüchtlingen umgehen.

Womöglich sind die Auswirkungen bis heute spürbar. Diesen Sommer steht wieder die Südgrenze im Fokus, was für die Schweizer Behörden als «normale» Situation gilt. Allerdings beobachtet die Schweiz ein neues Phänomen.

Viele Flüchtlinge, darunter auch zahlreiche Eritreer, wollen gar nicht Asyl in der Schweiz, sondern sie nur durchqueren, um in den Norden zu gelangen – oft eben nach Deutschland. Ist die Schweiz nicht mehr so attraktiv für Migranten aus dem Süden?

SEM: «Unsere Praxis spricht sich herum»

Martin Reichlin vom Staatssekretariat für Migration sagt auf Anfrage: «Die Schweiz setzt das Dublin-Abkommen konsequent um. Ausserdem wird dieses Jahr die Mehrheit der Migranten, die über das zentrale Mittelmeer kommen, schon in Italien registriert.»

Würden diese Menschen später ein Asylgesuch in der Schweiz stellen, frage das SEM Italien an, das Asylverfahren zu übernehmen. «Das hat die Attraktivität der Schweiz als Zielland wohl verringert, denn unsere Praxis spricht sich herum», erklärt Reichlin.

Zur deutschen Asylpolitik äussern sich die Schweizer Behörden natürlich nicht. Offenbar hat das Dublin-Abkommen beim nördlichen Nachbar aber einen geringeren Stellenwert. Die Chancen, trotz Registrierung in Italien bleiben zu dürfen, wären somit höher. (vuc)

Publiziert am 31.08.2016 | Aktualisiert am 04.09.2016
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29 Kommentare
  • Markus  Immer aus Dumagete
    01.09.2016
    Wer sich nicht wehren kann geht unter! Ein Naturgesetz! Wer "glaubt" denn heute noch irgend einem Poltiker!!?? Die Invasoren werden bleiben, sich prächtig vermehren und schliesslich das Kommando über nehmen! Es gibt viele Beispiele wie schnell das gehen kannn. Eines davon wäre Mauritius. Am meisten erschreckt mich die Lernrestistenz unserer Politiker und deren miserables Geschichtswissen!!
  • Roland  Wyler 01.09.2016
    Die Schlepperbanden operieren ja von Deutschland aus und dann werden die das wohl doch schaffen, in Deutschland nennen sie das bereits die Asylindustrie und diskutieren den positiven Effekt auf das BruttoInlandProdukt und die Asyl-1Euro-Jobs
  • Philipp  Rittermann 01.09.2016
    ganz einfach. für die ch heisst das - "wir wollen das nicht schaffen".
  • Brian  Geffen 31.08.2016
    Es wurde nicht "als "Einwanderungsangebot aufgenommen", es war ein Einwanderungsangebot. Merkel hat von Beginn an von Integration gesprochen, dass es die Gesellschaft verändern wird, dass wir wieder mehr in die Kirche gehen sollen. Niemals ein Wort darüber dass diese Menschen wieder zurück sollen. Niemals die Frage, ob das Volk das will. Das war ein persönliches Projekt, so als ob Deutschland und Europa ihr Wandschrank wäre, jede Widerrede und alle Konsequenzen waren ihr egal.
    • Fritz  Frigorr 01.09.2016
      Nein, sie hat Menschlichkeit gezeigt. Nicht Unmenschlichkeit, wie von den meisten Schweizern deutlich gemacht wird. Ausserdem ist es zu schaffen, mit gutem Willen und Bereitschaft aller Beteiligten.
  • Annemarie   Setz 31.08.2016
    Merkels Ausspruch "Wir schaffen das" plus ihre herzergreifenden Selfies mit ihr unbekannten Einwanderer zeigt jetzt die Konsequenzen, auch für die Schweiz. Das Ganze hat sich in Windeseile in den Ländern Afrikas herumgesprochen, schliesslich gibt es auch dort Handys und Internet. Jetzt sind wir ja auch in der Schweiz soweit, dass Migranten an der Südgrenze reklamieren und sich beschweren, wenn sie nicht reingelassen werden. Und die jungen Männer bezeichnen sich womöglich als "Kinder."