EDK-Präsident Eymann übt scharfe Kritik an OECD Schweizer Pisa-Teilnahme vor dem Aus?

BERN - Die Schweiz übt scharfe Kritik an der Pisa-Studie: Die neuen Erhebungsmethoden führten zu unbrauchbaren Resultaten. Lenke die OECD nicht ein, stehe die Schweizer Teilnahme auf der Kippe.

Kritik an Studie: Schweizer Teilnahme an Pisa in Gefahr? play
Mathe top, Lesen Mittelmass. So schneiden Schweizer 15-Jährige in der PISA-Studie ab. (Symbolbild) Johannes Simon/ddp

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Eigentlich gibt es keinen Grund zu Klagen: Im Rechnen und Naturwissenschaften sind die Schweizer Schüler besser als ihre Gschpändli in den meisten OECD-Staaten. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) führt seit dem Jahr 2000 den grössten Lerntest der Welt durch. Beim Lesen schneiden die Schweizer 15-Jährigen zwar nicht ganz so gut ab, finden sich aber immer noch im Mittelfeld. 

Dennoch herrscht in der Schweizer Bildungslandschaft keine Freude an der neuen Pisa-Studie. Für die Experten von Bund, Kantonen und Unis sind die Ergebnisse nämlich nicht aussagekräftig.

3 Millionen Franken Kosten, kein Nutzen

Kritik an Studie: Schweizer Teilnahme an Pisa in Gefahr? play
Stefan Wolter, Leiter Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung an der Pisa-Medienkonferenz am Dienstag, 6. Dezember 2016 im Haus der Kantone in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex) ANTHONY ANEX

«Wir haben einen grossen Test gemacht und wissen jetzt nicht mehr als vorher», kritisiert Stefan Wolter, Leiter der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung. Und das für 3,3 Millionen Franken, die eine Pisa-Runde für die Schweiz kostet. 

Der Grund dafür liegt bei der OECD, die in der neusten Runde einschneidende Veränderungen am Studien-Design vorgenommen hat. Beispielsweise wurden die Tests erstmals am Computer durchgeführt, früher lösten die Schülerinnen und Schüler die Aufgaben mit Papier und Stift.

Keine Korrekturmöglichkeit

Das neue Vorgehen habe die Ergebnisse verfälscht, so Wolter. Etwa, weil Schüler nur vorwärtsklicken konnten. Sei einem die Lösung einer Aufgabe später eingefallen, habe es keine Möglichkeit gegeben, diese nachzureichen.

«Hinzu kommt, dass wir zu wenig Erfahrung mit Computertests haben», sagt Wolter. «Wir wissen daher gar nicht, was dort gemessen wird.» So sei bekannt, dass Buben mit dem Computer besser zurechtkämen als Mädchen. Möglicherweise haben sie deshalb besser abgeschnitten. «Aber Pisa soll nicht den Umgang mit dem Computer messen, sondern die Fähigkeit, zu lesen und zu rechnen», erklärt Wolter.

Zu viele Ausländer-Kinder

Eine weitere Fehlerquelle ist aus Schweizer Sicht die Stichprobe: Im neuen Test seien mehr fremdsprachige Schüler zum Zug gekommen als in den vorangegangenen Runden. Mit dem Ergebnis, dass die Schweiz diesmal schlechter abgeschnitten hat. 

Die kantonalen Erziehungsdirektoren sprechen daher von einem «massiven Qualitätsproblem», dessen Konsequenzen nicht abzuschätzen seien. 

Schweizer Teilnahme auf dem Prüfstand

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Regierungsrat Christoph Eymann (BS), Präsident der EDK, spricht während der Medienkonferenz zur Pisa-Studie, am Dienstag, 6. Dezember 2016 im Haus der Kantone in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex) ANTHONY ANEX

Die Schweiz fordert aus diesem Grund ein Umdenken bei der OECD. «Bis zur nächsten Runde 2018 müssen alle Unklarheiten ausgeräumt sein», sagt Josef Widmer, stellvertretender Direktor des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation. 

Danach sieht es bisher aber nicht aus. Die OECD lasse alle Kritik an sich abperlen, heisst es in Bern. Wenn das so bleibt, dann steht laut Christoph Eymann sogar die Schweizer Teilnahme an Pisa auf dem Spiel. «Wenn die OECD nicht einlenkt, dann stellt sich Frage, ob wir nach 2018 noch mitmachen», so der Präsident der Erziehungsdirektoren und Basler Nationalrat der Liberalen.

Publiziert am 06.12.2016 | Aktualisiert am 17.01.2017
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11 Kommentare
  • kurt  schlup aus Holziken
    07.12.2016
    Dieses Geld was diese Pisa Studien kosten würde man lieber für die Schulreisen benutzen dann haben die Kinder etwas sinvolles
  • Max  Brüllhardt 07.12.2016
    da scheint sich jemand auf den schlips getreten zu fühlen. Wieso kommen die Direktoren jetzt aus dem Busch ? Es sollte doch so sein dass die Herren den Test selber mal vor den Schülern machen und dann entspr. agieren bevor die Kampagen durchgeführt wird anstatt im Nachhinein zu motzen. Wenn er sagt dass die Jungen im Umgang mit PCs nicht geübt seien ist das schlichterdings ein Witz und die Schulen sollten über die Bücher gehen wenn das so ist ! Manchmal bin ich echt froh keine Kinder zu haben
  • Remo  Albrecht aus Höri
    06.12.2016
    Fehlerquelle: mehr fremdsprachige Schüler!
    Nicht jammern, seht es endlich ein, das sind Tatsachen!
    Es soll ein Fehler sein, wenn die Realität der Schweizer Schulen abgebildet wird? Wie will man das zurechtbiegen? Versteckt ihr die fremdländischen Schüler für die PISA-Studie?
    Dies zeigt doch klar, dass unser Schulsystem mit dem Anteil fremdländischer Schüler nicht mehr klar kommt und noch mehr Probleme vorprogrammiert sind. Doch es wird weiterhin auf heile Welt gemacht, öffnet die Augen!
  • Beat  Albrecht aus Neuenhof
    06.12.2016
    Wir wissen, dass wir die besten sind, also MEI voll durchsetzen und falls nötig die bilateralen 1 kündigen.Was in diesem Packet drin ist kostet nur und bringt nichts - Erasmus ist der gleiche Mist.
  • Eron  Thiersen 06.12.2016
    Mehr fremdsprachige Schüler ... tja, das ist die heutige Realität in der CH! Was will der Lehrer denn? Eine verfälschung der Tatsachen? Er soll sich doch bei SP, FDP und den anderen beschweren ... das ist das Resultat der freien Zuwanderung!